Zukunft
13.12.2024

Kommentar

Kriegsregion Naher Osten: Ist Syrien jetzt wieder sicher?

Das Assad-Regime ist gestürzt, und schon heißt es, syrische Flüchtlinge sollten nun nach Syrien zurückkehren. Wie ist die Lage? Ein Kommentar von Monsignore Wolfgang Huber, Präsident von missio München.

Syrerinnen suchen nach vermissten Angehörigen und sehen die Fotos von unidentifizierten toten Häftlingen aus dem Foltergefängnis Saidnaya durch. Das Land muss sich erst mal „neu sortieren“. Syrerinnen suchen nach vermissten Angehörigen und sehen die Fotos von unidentifizierten toten Häftlingen aus dem Foltergefängnis Saidnaya durch. Das Land muss sich erst mal „neu sortieren“. Foto: © imago/Middle East Images

Rund eine Million Menschen aus Syrien haben in Deutschland Aufnahme gefunden. Nach dem Sturz des Machthabers Baschar al-Assad fordern nun manche, die Syrer sollten doch schnellstmöglich zurück in ihre Heimat. Von welchem Land sprechen sie?

Die Welt blickt gerade mit einer Mischung aus Hoffnung und Sorge auf Syrien. Die gute Nachricht: Die Jahrzehnte der Diktatur mit ihrer Überwachung und den Foltergefängnissen sind Geschichte. Aber: Syrien hat ein Jahrzehnt des Bürgerkriegs durchlitten mit Hunderttausenden von Toten und Millionen Vertriebener. Der blitzartige Umsturz ereignete sich in einem zutiefst geschundenen Land. Und er war getragen von verschiedenen Rebellengruppen, unter ihnen Islamisten.


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Von unseren Projektpartnerinnen und -Partnern in Syrien hören wir vorsichtige Einschätzungen: Sie hätten Hoffnung, dass auch die Christen eine Zukunft haben in Syrien, das urchristliches Land ist. Erste Gespräche mit den neuen Machthabern seien geführt, Zusagen gemacht. Aber klar ist: Unter denen, die nun die Geschicke des Landes lenken, sind Kräfte, die die christliche Minderheit als Bürger zweiter Klasse sehen. Wenn überhaupt. Welche Zukunft Syrien haben wird, ob Demokratie, Menschen- und Bürgerrechte und mit ihr die Religionsfreiheit Einzug halten werden, ist bei allem Jubel über den Sturz des Diktators mehr als ungewiss.

In dieser ungewissen Lage sind wir als Missio München an der Seite der Menschen in Syrien. Unsere Projektpartnerinnen und -partner kämpfen dafür, dass für die Menschen trotz der enorm schwierigen Umstände eine Perspektive bleibt. Die Ordensfrauen, die eine Schule in Damaskus offenhalten, obwohl kein Strom da ist und es an Lehrmaterialien mangelt. Das kirchliche Zentrum, dessen Mitarbeiterinnen den Flüchtlingen im eigenen Land Trost und Hoffnung schenken. Die Salesianer vor Ort, die Jugendlichen eine Perspektive geben. Mit ihnen allen beten und hoffen wir, dass es in Syrien ein gutes Leben und Glaubensfreiheit für alle geben wird. Noch ist dies offen – genauso offen sollten wir den Menschen gegenüber bleiben, die aus Syrien zu uns geflohen sind.

Kommentar von Monsignore Wolfgang Huber, Präsident von missio München

Lesen Sie Stimmen von den missio-Projektpartnerinnen und -partnern aus dem Nahen Osten:

www.missio.com/aktuelles/nachrichten/stimmen-naher-osten