Zukunft
25.11.2025


Kommentar

Das war die Klimakonferenz in Belém 

Über die vor kurzem zu Ende gegangene UN-Klimakonferenz im brasilianischen Belém berichtet für uns Clarissa Mack von der Katholischen Landjugendbewegung, die vor Ort mit dabei war. Sie zieht ein gemischtes Fazit. 
    

Intensive Diskussionen bei der UN-Klimakonferenz in Belém. Intensive Diskussionen bei der UN-Klimakonferenz in Belém. Foto: © Rutkowski

Bei der UN-Klimakonferenz (COP) kommt die Welt zusammen, um über unsere Zukunft zu entscheiden. Wird hier Klimaschutz gelebt und wahrer Fortschritt sichtbar? Oder ist es eine Veranstaltung, die Jahr für Jahr für Enttäuschung sorgt und das verschwindende Engagement für unser Klima schmerzhaft zu Tage bringt? 

Was der Wahrheit näherkommt, durfte ich in den vergangenen Wochen während meiner Teilnahme an der Klimakonferenz in Belém (COP30) als Vertreterin der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) herausfinden. Als Beobachterorganisation haben wir die Aufgabe, uns bei Verhandlungen zu verschiedenen Unterthemen im Rahmen von sogenannten Arbeitsgruppen einzubringen. Konkret heißt das: Wir sprechen mit Verhandlern, formulieren Wortbeiträge für die Debatten und organisieren Demonstrationen, um unsere Anliegen zu verdeutlichen.

Meine Arbeitsgruppe, die zur offiziellen Kinder- und Jugendvertretung der Klimakonferenz (YOUNGO) gehört, beschäftigt sich besonders mit den Themen Biodiversität, Waldschutz und damit, wie der Naturschutz mit dem Klimaschutz verbunden ist. Inhalte, die mir nicht nur als Landjugendvertretung, sondern auch als Biologiestudentin sehr am Herzen liegen. 
     

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Handeln nach eigenen Interessen 

Außerdem durfte ich viele Verhandlungen von Politikerinnen und Politikern verfolgen. Dabei habe ich begonnen zu verstehen, woher die Außenwirkung der Klimakonferenz kommt. Ich hatte den Eindruck, dass viele Länder unserer krisengebeutelten Welt sehr ihren eigenen Interessen entsprechend handeln. Dabei wurde manchmal vergessen, dass die Klimakrise nur als Weltgemeinschaft gelöst werden kann und keinen Halt vor Landesgrenzen macht. Ich war enttäuscht darüber, wie sehr einige Länder dennoch immer noch als Einzelkämpfer auftreten. 

Auf der COP wird ein Beschluss nur verabschiedet, wenn alle beteiligten Parteien zustimmen. Ich habe in Belém oft erlebt, dass Beschlüsse an dem Widerstand einzelner Nationen scheiterten, die dabei nicht selten von eigenen wirtschaftlichen Interessen geleitet waren. Das war sehr frustrierend. Ich habe gelernt, dass man für diese Form der politischen Arbeit wirklich einen langen Atem braucht. Man muss immer wieder das Gespräch mit Entscheidungsträgern suchen und diese auf die Wichtigkeit eines Themas hinweisen. 

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Lichtblicke und Inspiration 

Durch den Widerstand einzelner Länder konnten deshalb auch auf dieser COP nur kleine Schritte gegangen werden. Der große, benötigte Durchbruch blieb aus. 

Doch es gibt Lichtblicke: Noch nie war die indigene Bevölkerung, die im Klimaschutz eine zentrale Rolle spielt, so gut vertreten wie auf dieser COP. Zudem soll die Finanzierung für Anpassung an Klimafolgen bis 2035 verdreifacht werden. Auch das unermüdliche Engagement von Ländern wie Kolumbien und Panama für eine ambitionierte Klimapolitik machen Hoffnung und sind unglaublich inspirierend. 

Abgesehen von der Konferenz habe ich auch Belém als weltoffene, kulturreiche und herzliche Stadt erlebt, in der ich mich vom ersten Moment an willkommen gefühlt habe. 

Somit müssen beide Eingangsfragen bejaht werden. Die COP bietet die einzigartige Möglichkeit, dass alle Länder dieser Welt, sofern sie denn möchten, an einen Tisch kommen, um gemeinsam Lösungen für die Krise zu finden. Oft überschatten jedoch eigene Probleme die Diskussionen und gestalten eine Kompromissfindung schwierig. Deshalb liegt es auch an uns, sich immer wieder erneut für Gemeinschaft, Austausch und Nächstenliebe einzusetzen und gleichzeitig zu zeigen, dass Klimaschutz auch Naturschutz, Wirtschaftsschutz und Menschen(rechts)schutz ist. 

Clarissa Mack 

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