Siebenschläfer: Das gilt wirklich
Der Siebenschläfertag hat nur wenig mit gemütlichem Ausschlafen zu tun. Er geht auf sieben Heilige zurück, die 200 Jahre geschlafen haben sollen. Für Meteorologen bleibt der Tag ein Indikator - wenn auch nicht der 27. Juni selbst.
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Der Siebenschläfer ist mit bis zu 30 Zentimetern Körperlänge die größte einheimische Schlafmaus. Er hält oft sieben Monate Winterschlaf und mehr. Wovon mancher Morgenmuffel nur träumen kann, das weckte bei den „echten“, den heiligen Siebenschläfern nur ein müdes Lächeln: Knapp 200 Jahre, so die Legende, hatten sie geschlafen, ehe sie den Bewohnern der kleinasiatischen Stadt Ephesus im fünften Jahrhundert Zeugnis für die Auferstehung der Toten ablegten.
Sie waren es, die der Schlafmaus, aber auch dem Siebenschläfertag, der am Samstag, den 27. Juni 2026, begangen wird, den Namen gaben. Was aber macht sieben junge Männer, die ihr ganzes Leben verschlafen, zu Heiligen? So soll es gewesen sein: Während der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Decius Mitte des dritten Jahrhunderts verweigern die sieben Brüder, die getauft waren, das geforderte Götteropfer und verstecken sich in einer Höhle.
Siebenschläfer-Höhlenfund vor 100 Jahren
Von den Kaiserlichen bei lebendigem Leibe eingemauert, beten sie um Schutz – und schlafen ein. Vor genau 100 Jahren, 1926, wollen österreichische Archäologen diesen Ort der Siebenschläfer bei Ephesus nahe Selçuk, ungefähr 70 Kilometer südlich von Izmir, wiederentdeckt haben. Ihre Funde wurden über viele Jahre in Fachzeitschriften dokumentiert.
Doch zurück in die Spätantike: Als 193 Jahre später – das Christentum ist längst römische Staatsreligion – nahe der Höhle ein Viehstall errichtet wird, werden dafür auch jene Steine verwandt, mit denen die Schläfer eingesperrt worden waren. Darauf erwachen sie und glauben, nur eine Nacht geschlafen zu haben. Einer von ihnen, Malchus, geht zum Einkaufen in die Stadt. Als er mit 200 Jahre alten Münzen bezahlen will, wird er aufgegriffen und dem Bischof vorgeführt.
200-jährige Jünglinge entschlafen
Er erzählt seine Geschichte und ist verwundert, dass sich überall das Zeichen des Kreuzes findet. Auch Kaiser Theodosios II. überzeugt sich der Legende nach von der Wahrheit der Geschichte und dankt Gott für dieses Zeichen der Auferstehung der Toten. Es kam theologisch wohl gerade zur rechten Zeit, denn zeitgleich gab es viele Irrlehrer, die die leibliche Auferstehung Christi für eine Erfindung hielten. Kurz danach dann entschlafen die gut 200-jährigen Jünglinge – endgültig.
Die Siebenschläfer-Legende fand rasch Verbreitung, im Abendland wie im Orient. In abgewandelter Form ist sie auch in den Koran eingegangen. In der 18., der sogenannten „Höhlen“-Sure, allerdings durften die sieben Männer sogar 309 Jahre in ihrer Höhle schlafen. Jeden Freitag werden die ursprünglich christlichen Märtyrer in allen Moscheen der Welt verehrt.
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Siebenschläfer-Kult im Abendland beliebt
Vor allem in der Kreuzzugs- und der Barockzeit war der Siebenschläfer-Kult im Abendland beliebt. Trotzdem gibt es in ganz Europa nur drei Kirchen zu den „Heiligen Siebenschläfern“, zwei davon in Bayern. Im niederbayerischen Rotthof südlich von Passau findet sich die wohl schönste plastische Darstellung der sieben Patrone gegen die Schlaflosigkeit.
Das bretonische Le Vieux Marché bei Plouaret (bretonisch: Ar C'houerc'had) ist sogar Ziel gemeinsamer Wallfahrten von Muslimen und Christen. Die meisten Pilger beider Religionen aber besuchen den angeblichen Ort des Geschehens selbst, die 1926 „wiederentdeckte“ Höhle der Siebenschläfer bei Ephesus.
Hätte Kaiser Theodosios die sieben braven Kleinasiaten auch zum westeuropäischen Wetter befragt, sie hätten wohl nur mit den Schultern zucken können. Dennoch:
Der Siebenschläfertag fällt auf den 27. Juni und wurde früher vor allem von der bäuerlichen Bevölkerung mit Argwohn beobachtet. So wie das Wetter an diesem Tag ist, so die Bauernregel, so werde es auch weitere sieben Wochen sein.
Eigentlich ist der 7. Juli der Siebenschläfer-Tag
In diesem Jahr macht das so manchen wuschig, angeheizt auch durch die derzeitigen Medienberichte. Denn der diesjährige Samstag, der 27. Juni 2026, wird heiß, extrem heiß. Wahrscheinlich der heißeste Tag des Jahres. Allerdings: Der 27. Juni ist gar nicht der eigentliche Siebenschläfertag – weil nach der Gregorianischen Kalenderreform von 1582 genau zehn Tage gestrichen wurden. Der Zeitpunkt, auf den sich die Regel bezieht, fällt also eigentlich auf den 7. Juli.
Daher nehmen die Meteorologen häufig den Zeitraum der ersten Juli-Tage, um das voraussichtliche Sommerwetter etwas genauer zu prognostizieren. Denn erfahrungsgemäß stabilisiert sich in dieser Zeit tatsächlich die Großwetterlage über Mitteleuropa.
Für Meteorologen ist die Siebenschläfer-Regel also eine der besten Bauernregeln überhaupt. Doch auch sie ist nicht wirklich zuverlässig: Die Trefferquote liegt laut Deutschem Wetterdienst im Binnenland nur bei etwa 55 bis 60 Prozent, im Alpenvorland bei etwa 70 Prozent – aber auch nur dann, wenn man die Regel nicht sonderlich eng auslegt. Computergestützte moderne Vorhersagen haben demgegenüber eine höhere Trefferquote – immerhin.
Alexander Brüggemann



