Rituale
28.03.2026

Ausflugstipp

Unnötiger Aufwand oder guter Brauch?

In Höglwörth im Rupertiwinkel ist an den Kartagen ein riesiges Heiliges Grab zu bestaunen. Tagelang hilft ein eigens gegründeter Verein beim Auf- und Abbau zusammen.

Mehr als 80 beleuchtete bunte Glaskugeln schmücken des Heilige Grab in Höglwörth. Es zieht an den Kartagen alle drei Jahre rund 10.000 Besucher an – zum Schauen, Staunen und Beten. Mehr als 80 beleuchtete bunte Glaskugeln schmücken des Heilige Grab in Höglwörth. Es zieht an den Kartagen alle drei Jahre rund 10.000 Besucher an – zum Schauen, Staunen und Beten. Foto: © Kiderle

Am Tag vor Palmsonntag ist es wieder so weit: In Höglwörth im Berchtesgadener Land wird das Heilige Grab aufgebaut. Es stammt ursprünglich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, als sich auf der Halbinsel in dem gleichnamigen See noch ein Augustiner-Chorherren-Stift befand. 1782 verbot der österreichische Kaiser Joseph II. den Brauch landesweit – also auch in Höglwörth, das damals zu Österreich gehörte. Der Salzburger Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo geißelte diesen „unnöthigen Kirchenaufwand“ und „unschicklichen Kirchenprunk“ in einem Hirtenbrief. Erst mehr als fünfzig Jahre später wurden die Kulissen wieder auf dem Dachboden des inzwischen aufgelösten Klosters entdeckt und „zusammengeflickt“, wie Hans Fegg es formuliert. Der 68-Jährige leitet gemeinsam mit seinem Bruder Max den „Verein zur Erhaltung des Heiligen Grabes von Höglwörth“ und ist von Kindheit an mit diesem Kleinod vertraut.
 

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83 Glaskugeln leuchten

Klein ist das Höglwörther Herrengrab, wie es die Einheimischen nennen, allerdings ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Es füllt den gesamten Altarraum der einstigen Stiftskirche. Zudem bietet es Platz für 83 mit gefärbtem Wasser gefüllte Glaskugeln, die von hinten mit Öllämpchen beleuchtet werden – ebenfalls eine Besonderheit: „Das flackernde Licht hinter den Kugeln ist wunderschön“, schwärmt Hans Fegg.„Bei den meisten Gräbern ist das elektrisch. Da hat man nicht mehr diese Wirkung.“

Bis es am Karfreitag – wie für gewöhnlich alle drei Jahre – so weit ist, warten auf ihn und seine Vereinskollegen noch rund 500 Stunden Arbeit. Unbezahlt, versteht sich. Die Männer stellen das Gerüst auf und befestigen die Kulissen daran. Sie füllen die Glaskugeln mit Wasser und färben es mit Lebensmittelfarben ein. „Die größte Kugel fasst 62 Liter. Die muss im Grab drinnen gefärbt werden, die können wir danach nicht mehr transportieren“, veranschaulicht Hans Fegg den logistischen Aufwand. 

Zuletzt werden die Kugeln beleuchtet. Dazu werden die Dochte der dahinter befestigten Öllampen händisch ausgerichtet: „Der Lichtkegel muss genau in der Mitte hinter der Kugel sein, sonst ist sie finster“, weiß Fegg. Als Ministrant hat er sogar das Wasser für den Springbrunnen noch per Hand hinaufgepumpt. „Wir haben das während des Rosenkranzgebets gemacht. Das hat geplätschert und dann haben wir Probleme gekriegt“, erinnert sich der Höglwörther. Diese Aufgabe übernimmt heute eine elektrische Umwälzpumpe.

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Der Heiland fährt auf

Der Rosenkranz wird an den Kartagen immer noch vor dem Heiligen Grab gebetet. Am Ostersonntag bildet eine Auferstehungsandacht den feierlichen Abschluss: „Da fallen die Wächter um, der Herrgott verschwindet im Grab, dann kommen die weinenden Frauen rein, und der Pfarrer holt das Allerheiligste aus dem Grab. Dann singt der Chor ,Christus ist erstanden‘ und der Heiland fährt hinten auf“, schildert Fegg die Inszenierung. 

Um die 10.000 Besucher werden heuer wieder am Heiligen Grab in Höglwörth erwartet. Von Aufham und Teisendorf aus fährt ein kostenloser Shuttlebus, die Feuerwehr regelt den Pkw-Verkehr. Ist all der Aufwand nicht doch ein bisschen übertrieben? Hans Fegg verneint: „Wenn man dann sieht, wie die ganzen Leute da andächtig drin sind – das ist einfach was, das baut innerlich gescheit auf.“​

Das Heilige Grab in Höglwörth kann am Karfreitag, 3., und Karsamstag, 4. April, jeweils von 10 bis 17 Uhr besucht werden. Zu jeder vollen Stunde wird eine musikalisch gestaltete Andacht gefeiert, zu jeder halben Stunde der Rosenkranz gebetet. Am Ostersonntag, 5. April, findet um 14.30 Uhr eine Auferstehungsandacht statt. Mehr unter www.heiliges-grab-hoeglwoerth.de
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Karin Hammermaier
Artikel von Karin Hammermaier
Redakteurin
Recherchiert und schreibt Geschichten für [inne]halten.