Buchtipp
Wie heute heilig werden?
Mit seinem neuen Buch „Heilig sein 2.0“ lädt der Jesuit Andreas R. Batlogg Menschen heute ein, sich auf einen christlichen Lebensstil einzulassen – mit oder ohne Heiligenschein am Ende.
Es gebe kein „Patentrezept“, um heilig zu werden. Dies sei ein „lebenslanger Übungsweg“, meint Andreas R. Batlogg SJ. Foto: © imago/Zoonar
Allerheiligen, schreibt Pater Andreas R. Batlogg in seinem neuen Buch „Heilig sein 2.0“, sei ein „Tag der Erinnerung an Frauen und Männer, die sich am Leben Jesu orientiert haben“. Diese „Erinnerungskultur der Kirche“ sei ein „hohes Gut“ in einer Zeit „der Selfie-Sucht und des privaten Starkults“, meint der Jesuit, der sich durchaus bewusst ist, wie aus der Zeit gefallen das Thema seines Buchs wirkt. Heilige hätten „ihre Heiligkeit nicht selber produziert, nicht selber erwirtschaftet oder erkämpft, auch nicht kampfhaft erbetet oder durch fromme Werke erzwungen“. Wer es darauf anlege, mache etwas falsch. Vielmehr seien Heilige Kinder, Freundinnen und Freunde Gottes.
Batlogg betont dabei: „Heilige und Selige sind keine spirituellen ,Hochleistungssportler‘.“ Sie hätten ihre Grenzen und Schwächen, Ecken und Kanten gehabt. Sie hätten Abgründe, Depressionen und Glaubensanfechtungen gekannt. So habe die spanische Ordensreformerin und Mystikerin Teresa von Ávila (1515 – 82) fast 20 Jahre keine „Gotteserfahrung“ gemacht. Thérèse von Lisieux (1873 – 97) sei „von schrecklichen Zweifeln“ geplagt worden. Auch die durch ihren Dienst an Kranken, Sterbenden und sozial Deklassierten berühmt gewordene Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa (1910 – 97) habe Skrupel und Zweifel gekannt, „wie sie vielen ,durchschnittlichen‘ Christen nicht fremd sind“. Das sei tröstlich und mache diese Nonne noch sympathischer.
Heilige seien sich ihrer Grenzen bewusst, aber nicht auf sie fixiert gewesen. „Die Botschaft von Allerheiligen lautet: Du bist mehr als Deine Begrenztheiten! Du kannst über Dich hinauswachsen: über Deine Fehler und Sünden, über Deine Ungeduld, deine Verwundungen, Deine Bitterkeit, Deinen Zorn!“ Das ließe sich an den Heiligen ablesen: „Selige und Heilige haben ihr Leben im Bewusstsein dieser Grenzen für andere eingesetzt. Menschen für andere werden und sein und nicht ewig an den eigenen Lebensumständen herumdoktern – das könnten wir uns von ihnen abschauen!“
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„Probier’s doch auch!“
Das Fest Allerheiligen lade ein: „Probier’s doch auch!“ Heilig zu werden sei nicht nur etwas für „Berufschristen“. Es sei ein Angebot an alle, die sich auf Jesus von Nazareth einließen: „Wenn wir aufhören, uns ständig selbst verwirklichen zu wollen, verwirklicht uns Gott“, ist Batlogg überzeugt. Ihm das zuzutrauen, sei eine „gewaltige Glaubensleistung“: „Gott wird vollenden, ergänzen, was in meinem Leben offengeblieben ist, wo ich zurückblieb hinter dem Möglichen, das ich nicht schaffte, aus welchen Gründen auch immer.“ Das bedeute nicht, die Hände in den Schoß zu legen und auf Wunder zu warten: „Ich muss das Meine tun. Mich einsetzen. Auch mich anstrengen. Aber das darf nicht dazu verleiten zu meinen, ich müsse sozusagen ,auf Teufel komm raus‘ an der eigenen ,Heiligkeit‘ herumbasteln“.
Dabei gebe es so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gebe, wie Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., 1996 in einem Interview mit dem Journalisten Peter Seewald gesagt habe. Daraus folgt: Es existiert kein „Patentrezept“, um heilig zu werden. Ein solches kann daher auch das Buch nicht liefern. Aber es ermuntert zu einem „lebenslangen Übungsweg“ – unabhängig davon, ob am Ende eine Heiligsprechung erfolgt.



