Glaubenswege
Entschlossen und geführt
Ovine Giselle Gottschalk ist in Brandenburg aufgewachsen und hat sich mit neun Jahren selbst für die Taufe entschieden. Inzwischen studiert sie Theologie und will Pastoralreferentin werden. Wie ist es dazu gekommen?
Ovine Giselle Gottschalk (23) kommt aus der Nähe von Potsdam. Die Suche nach Gott hat sie nach Mainz geführt. Foto: © Anja Weiffen
Ovine Giselle Gottschalk ist überzeugt: „Mein Leben hat einen roten Faden.“ Dabei ist sie erst 23. Sie studiert seit vier Jahren Katholische Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Die junge Frau mit den langen Locken und dem strahlenden Lächeln erzählt von ihrem Werdegang. Ihre Geschichte mit Gott führt in den Osten Deutschlands.
Aufgewachsen ist Gottschalk in Brandenburg, in Groß Kreutz in der Nähe von Potsdam. „Behütet. Und als Einzelkind, bis zur Trennung meiner Eltern“, sagt die 23-Jährige, die auch das Leben in einer Patchwork-Familie kennt. Irgendwann als Kind hörte Ovine Giselle etwas von Gott. Sie wollte mehr wissen und fragte ihre Mutter. „Das mit Gott war ein Impuls, da muss ich sieben Jahre alt gewesen sein“, erinnert sie sich. „Vielleicht hatte das etwas mit meiner Kindergartenfreundin Antonia zu tun, die katholisch war.“
Ein Vorbild mit Herzlichkeit und Klarheit
Der wichtige Punkt: „Meine Mutter hat meine Frage nicht einfach so stehen lassen.“ Auch wenn sie selbst kein eigenes Interesse am Glauben hatte, unterstützte sie ihre Tochter. „Meine Eltern haben ein gutes Wertesystem. Sie sind nicht religiös, aber offen und akzeptieren den Glauben.“ Gottschalks Mutter, selbst nicht getauft, wandte sich daher an die Mutter der Kindergartenfreundin. Durch diese kam das Mädchen in Kontakt mit der katholischen Gemeinde und ging in den konfessionellen Religionsunterricht. So lernte sie eine Gemeindereferentin kennen, die für sie im Rückblick ein großes Vorbild ist.
„Diese Gemeindereferentin hat mich sehr inspiriert“, sagt Gottschalk. „Sie hatte eine große Herzlichkeit und zugleich eine positive Strenge.“ Sie erinnert sich an die Kinderfreizeit, die von der katholischen Kirche vor Ort organisiert wurde. „Ich habe das so genossen als Kind. Dort habe ich auch andere getroffen, die glauben.“
Gottschalk denkt gerne zurück an diese Zeit, zum Beispiel an den Heimweh-Tee, den die kirchliche Mitarbeiterin für sie machte. „Oder daran, dass die Gemeindereferentin Kindern ein Kreuz auf die Stirn zeichnete.“ Die Frau sei sehr selbstbewusst gewesen, aber nie aufdringlich. Authentisch findet Gottschalk und sagt lachend: „Mein Leben ist geprägt von solchen Vorbildern.“ Auch „guten Kaplänen und Priestern“ sei sie auf ihrem Weg zur Taufe begegnet. Das Datum hat sie sofort parat: „Das war an meinem neunten Geburtstag.“ Im selben Jahr empfing sie auch erstmals die Kommunion.
„Da war ein Ruf“
Was sie damals bei der Taufe gedacht und gefühlt hat, weiß sie nicht mehr so genau. Ein Urvertrauen? „Dass da jemand ist“, denkt sie. Und sagt heute über ihr Interesse am Glauben und ihre Entscheidung, sich taufen zu lassen: „Da war ein Ruf, und meine Mutter hat ihn für mich gehört. Den Rest hat Gott gemacht.“
Die Weichen auf dem Weg ins heutige Theologiestudium stellte Gottschalk auch selbst. Beim Schulwechsel entschied sie sich für die katholische Schule. „Das war ein Bauchgefühl“, sagt sie im Rückblick. „Auch dort bin ich vielen Menschen begegnet, die glauben.“ Was macht für sie das Christentum aus? „Gelebte Nächstenliebe“, antwortet sie ohne Umwege. „Die Art, wie wir im Alltag Menschen begegnen, denen es nicht so gut geht.“ Es sei ein Lernprozess, zu verstehen, „dass Gott jeden Menschen liebt und jedem Talente gegeben hat. Das macht mich superglücklich.“
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Glauben gemeinsam leben
In diesem Prozess haben ihr andere Menschen sehr geholfen. Zum Beispiel der neue Partner ihrer Mutter, evangelisch und praktizierend, erzählt sie: „Jemanden in der Nähe zu haben, der selbst den Glauben lebt, das ist für mich bis heute ein Meilenstein auf meinem Weg.“
Durch ihre Firmpatin, die in Mainz Theologie studierte, wurde Gottschalk auf das Christliche Orientierungsjahr (COJ) im Mainzer Priesterseminar aufmerksam. Das COJ ist eine Wohngemeinschaft für junge Leute, die nach Orientierung und Sinn in ihrem Leben suchen. „Nach dem Abi wollte ich eigentlich ins Ausland und etwas Soziales machen“, erzählt sie. „Aber wegen der Corona-Pandemie kam ein Auslandsaufenthalt nicht infrage.“ Sie entschied sich für das COJ und ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kirchengemeinde. Im COJ lernte sie durch die verschiedenen Teilnehmenden viele Formen der Spiritualität kennen. „Auch wenn wir alle unterschiedlich waren, haben wir respektiert, wie wir unseren Glauben leben.“
Durch Singen ins Gebet kommen
Was ist ihre Form? „Ich habe mir sehr viel angeschaut, auch bei den Freikirchen. Genauso die eucharistische Anbetung wie den Lobpreis“, sagt sie. „Mir gefällt es, durch das Singen ins Gebet zu kommen. Ich liebe zum Beispiel Taizé.“
Sie mag auch das Festliche am Katholischsein und „das traditionelle Fundament“. Sie bezeichnet sich als große Bewunderin von Papst Franziskus. „Als er gestorben ist, hat mich das so gepackt. Er hat Demut gelebt und hat Menschen ins Herz geschaut, dafür stand er für mich als Person. Aber auch mit Papst Leo haben wir einen tollen Papst“, sagt sie.
Nächstes Jahr absolviert Ovine Giselle Gottschalk den Pastoralkurs im Mainzer Priesterseminar. Ihr Ziel: Pastoralreferentin werden. Die Seelsorge, das direkte Gespräch mit Menschen, ist ihr Ding. Aber auch die kirchliche Medienarbeit interessiert sie. Sie freut sich darauf, für die Kirche arbeiten zu dürfen: „Eine Kirche, die hilft und Menschen spüren lässt: Ich bin gewollt.“
Anja Weiffen



