Die unperfekte Pastorin
Pastorin Ina Jäckel erzählt über ihren digitalen Alltag auf Instagram und ihre Arbeit als Seelsorgerin.
Pastorin Ina Jäckel Foto: © Michael Althaus/KNA
Mehr als 83.000 Follower auf Instagram - das ist für eine evangelische Pastorin aus einer deutschen Kleinstadt kein schlechter Wert. „Manche Leute verstehen nicht, wie man als Pastorin auch auf Instagram sein kann", sagt Ina Jäckel aus dem ostfriesischen Leer. Dabei mache sie dort eigentlich genau dasselbe wie in ihrer Kirchengemeinde.
Seit 2020 ist die 41-Jährige als "dingens.von.kirchen" in dem Sozialen Medium vertreten. Dort will sie auch Menschen erreichen, die mit der Kirche wenig zu tun haben. Mit ihren Followern rede sie „wie zu Hause am Küchentisch" über Alltägliches, Streit, Erschöpfung und Löcher in den Socken, sagt die Mutter von vier Kindern. „Ich versuche, nicht erst über kirchliche Themen zu sprechen und dann über das Leben, sondern andersherum." Ihr Ziel: dass Menschen sagen „Ja genau, so läuft es bei mir auch!" - und zu mehr Gelassenheit finden.
Seelsorge auf Social Media
Ihr eigenes Unperfektsein gibt Jäckel ehrlich zu. Von ihrem Alltag erzählt sie auch in ihrem neuen Buch „Der Sinn wohnt neben dem Chaos". Darin möchte sie zeigen, dass man nicht perfekt funktionieren muss, um ein Leben mit Sinn zu führen.
Auch bei ihr selbst laufe nicht alles glatt. „Mein Tag beginnt morgens um 6 Uhr und endet selten vor Mitternacht", sagt sie. Er besteht aus einer halben Stelle als Pastorin in der Petrus- und Friedenskirche Leer-Loga und einer halben Social-Media-Stelle für die Landeskirche Hannover.
Auf Instagram erreichen die Seelsorgerin zum Beispiel Fragen, wie eine Taufe abläuft. Manche Leute sprechen über ihre Gefühle bei Beerdigungen. Einen Vorteil der Online-Welt sieht Jäckel in der Niedrigschwelligkeit: „Die Hürde, mich persönlich anzusprechen und einen Gesprächstermin auszumachen, ist viel größer."
Die Pastorin vermeidet eine abgehobene Sprache und theologische Fachbegriffe. Sie kommuniziert einfach, verständlich und barrierefrei. Auch inhaltlich steigt sie direkt in die Themen ein. Dabei möchte sie den Glauben nicht so sehr vereinfachen, dass nichts mehr davon übrigbleibt. Sie ist überzeugt: „Die Bibel hat eine unglaublich befreiende Botschaft. Sie sagt, du bist großartig, so wie du bist."
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Auch negative Instagram-Kommentare
zu Aussehen
Gleichzeitig bekommt sie in den Sozialen Medien auch negative Kommentare, die sie sonst nicht erhält. „Auf Instagram wird einem alles unmittelbar entgegengeschleudert", sagt Jäckel. Häufig gehe es um Äußerlichkeiten und ihr Frausein.
Generell erlebe sie, dass sie eigentlich mehrere Menschen gleichzeitig sein sollte, die vielzitierte eierlegende Wollmilchsau. „Als Pastorin soll ich für meine Gemeinde immer ansprechbar sein und als Mutter für meine Kinder ebenfalls." Sie solle modern sein, aber bitte nicht zu viel. „Man kann es eigentlich nur falsch machen."
Ina Jäckel auf Instagram: www.instagram.com/dingens.von.kirchen
Kirchliche Strukturen hinterfragen
Jäckel zeigt sich davon unbeeindruckt. Sie setzt lieber auf Inhalte und möchte mit ihrer Botschaft etwas bewegen. Das beinhaltet auch, kirchliche Strukturen zu hinterfragen. „Das Argument 'Das haben wir schon immer so gemacht' ärgert mich." Die Menschen seien heute anders als vor 200 Jahren. „Kirche sollte sie begleiten", findet sie.
Zugleich weiß sie, dass vieles bewahrenswert ist. Rituale, Gottesdienstgebete, Lieder. Dass man nichts leisten müsse, um dabei zu sein, und echte Verlässlichkeit erfahre. „Das ist ein großer Schatz", sagt sie. Aber er hänge nicht davon ab, dass alles so bleibt, wie es ist.
Christiane Tauer



