Kirchweih
Unser reicher Vater
Der Kirchweihsonntag ist ein schöner Anlass, auf die Suche zu gehen, wo überall Menschen die Großzügigkeit und Güte Gottes in Kirche und Gesellschaft aufscheinen lassen.
Als Kinder Gottes können wir großzügig sein, weil wir einen reichen Vater haben, ist Abt Johannes Eckert überzeugt. Foto: © AdobeStock/RomanR
Vor Kurzem habe ich einen schönen Witz gehört: Ein stadtbekannter Millionär lässt sich von einem Taxi ins Büro fahren. Beim Aussteigen gibt er dem Chauffeur 10 Cent Trinkgeld, woraufhin dieser meint: „Gestern habe ich Ihren Sohn gefahren. Dieser hat mir 10 Euro Trinkgeld gegeben.“ Darauf lächelt der Millionär und meint trocken: „Tja, großzügig kann man dann sein, wenn man einen reichen Vater hat.“
Mir gefällt der Witz, weil zum einen die Großzügigkeit des Sohnes durch den sparsamen Vater gelobt wird. Zum anderen lässt er offen, ob vielleicht der Vater durch das Vorbild seines Sohnes etwas spendabler wird. Und schließlich kann man ihn auf unser Glaubensleben als Christen übertragen: Als Kinder Gottes können wir großzügig sein, weil wir einen reichen Vater haben.
Nichts anderes hat Jesus vorgelebt, wenn wir etwa an die Hochzeit von Kana, die Brotvermehrungen und an seine anderen Wunder denken, oder wenn er großzügig Menschen zum Neuanfang ermutigte mit den Worten: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Am Handeln Jesu wird sichtbar, wie reich an Güte sein Vater ist.
Viel Engagement in den Gemeinden vor Ort
Wenn im Oktober in vielen Kirchen Bayerns Kirchweih gefeiert wird, ist das ein schöner Anlass, auf die Suche zu gehen, wo wir in der Kirche durch konkrete Menschen die Großzügigkeit Gottes entdecken können.
Mir kommt zum Beispiel eine ältere Mesnerin in den Sinn, der ich vor Kurzem begegnet bin. Mit viel Liebe verrichtet sie ihren Dienst und hat für jeden, der in die Sakristei kommt, ein gutes Wort. Ich denke an Frauen und Männer, die sich in den Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen engagieren und viel Zeit für das Leben der Gemeinden vor Ort investieren. Ebenso dürfen wir dankbar sein für viele Menschen, die in den Krankenhäusern und Seniorenheimen Besuchsdienste übernehmen oder mit viel Geduld Kindern bei den Hausaufgaben helfen.
[inne]halten - das Magazin 21/2026
Gemeinsam durchs Leben
Warum die christliche Ehe nicht irgendeine Institution, sondern ein mystisches Bündnis der Liebe ist
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Wo kann ich mich einbringen?
Es ist beeindruckend, wie oft sich in unserer Kirche das Wort Jesu erfüllt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lk 6,36) oder, wie wir auch sagen könnten: „Seid großzügig, wie auch euer Vater großzügig ist!“ Ebenso ist der Kirchweihsonntag eine Anfrage an mich: Mit welchen Gaben könnte ich mich einbringen? Wo sind meine Charismen gefragt? Das muss ja nicht gleich dazu führen, dass ich eine neue Aufgabe übernehme, so schön das auch wäre. Güte zeigt sich in unserem Gutsein: im freundlichen Lächeln an der Kasse, im Kompliment bei einer Begegnung, in unserem Humor, wenn wir andere zum Schmunzeln oder gar zum Lachen bringen.
Freilich sind wir nicht immer gut drauf, wie man salopp sagt, und manchmal verfallen wir dem Schlechtreden oder gehen zu sparsam mit unseren Talenten um … und doch ist es erfüllend, wenn Menschen durch uns erleben: „Tja, großzügig kann man sein, wenn man einen reichen Vater hat.“
Abt Johannes Eckert OSB
Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs. Foto: © Kiderle



