Glaubenswelten
21.10.2026

Pater Lagleders Kampf gegen Aids 

Ein bayerischer Missionsbenediktiner findet in Südafrika seine Lebensaufgabe: Pater Gerhard Lagleder engagiert sich dort seit 30 Jahren für Aids-Kranke, Sterbende und Kinder. Zum Jubiläum seines Care Centers erzählt er von seiner Berufung, schweren Verlusten und der Hoffnung, sein Werk dauerhaft zu sichern. 
    

Pater Lagleder reicht einer Frau im Hospiz die Heilige Kommunion. Pater Lagleder reicht einer Frau im Hospiz die Heilige Kommunion. Foto: © privat

Manche Mütter brachten ihre Kinder mit ins Hospiz. Starb die Mutter, blieb das Kind zurück. Wegschicken kam für Pater Gerhard Lagleder nicht infrage. Also entstand ein Kinderheim. Es ist eine von vielen Antworten auf die Not, die der Missionsbenediktiner in Südafrika erlebte. Vor 30 Jahren eröffnete er dort das Blessed Gérard’s Care Centre in Mandeni im Zululand. Heute gehören Hospiz, HIV-Behandlung und Kinderheim zu seinem Hilfswerk. 

Vom Priester zum Missionar

Zunächst beginnt sein Weg im Bistum Regensburg. Nach dem Abitur in Weiden tritt er ins Priesterseminar ein und fühlt sich dort immer wohler. Doch schon vor der Weihe beschäftigt ihn die Frage, ob er ins Kloster gehen soll. Ein Bibelwort lässt ihn nicht los: Jesus fordert den reichen Jüngling auf, seinen Besitz den Armen zu geben und ihm nachzufolgen. Ausgerechnet er: ein selbstständiger Mensch, der bei den Maltesern bereits Führungsaufgaben übernommen hat. Kann er sich dem Gehorsam einer Ordensgemeinschaft unterstellen?  

In einer Bibelrunde fragt er, ob Gott ihn als Welt- oder Ordenspriester wolle. Eine Studentin antwortet: „Dich will er.“ Der Satz trifft ihn. 1982 wird Lagleder zum Priester geweiht und tritt bei den Missionsbenediktinern in St. Ottilien bei München ein. 1986 legt er seine feierliche Profess ab. Am 6. Januar 1987 wird er als Missionar nach Südafrika ausgesandt. 
    

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In Südafrika lernt Lagleder zuerst zuzuhören

Eigentlich waren die Philippinen für ihn vorgesehen. Doch im südafrikanischen Zululand fehlen Missionare. Lagleder zögert: Wie würde man ihn als Weißen im Land der Apartheid aufnehmen? Tatsächlich erlebt er offene Arme. Er lernt die Sprache der Zulu und beschäftigt sich mit ihrer Kultur, ihren religiösen und medizinischen Vorstellungen. Er will verstehen, wie die Menschen denken und fühlen.  

Ab 1990 übernimmt er Verantwortung als Pfarrer, später für zwei Pfarreien, in deren Gebiet rund 250.000 Menschen leben. Nur etwa vier bis fünf Prozent sind katholisch. Für Lagleder ist das keine Grenze: Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen. Bei Krankenbesuchen erlebt er Menschen, die durch Vernachlässigung sterben. Da kann er als Priester und Malteser nicht vorbeigehen. Doch allein wird er wenig ausrichten: „Ich habe aber nur zwei Hände und zwei Beine und einen Kopf. Ich brauche hunderte von Händen und Beinen und Köpfen.“

30 Jahre Care Center: Pflege, Hospiz, Kinderheim

Am 28. Oktober 1992 gründet Lagleder gemeinsam mit Menschen vor Ort die Brotherhood of Blessed Gérard, die südafrikanische Hilfsorganisation der Malteser. 1996 eröffnet das Care Center. Hilfe wächst hier aus konkreten Bedürfnissen: Pflege für Menschen, die zu Hause nicht versorgt werden können, ein Hospiz, später das Kinderheim. Hinzu kommen unter anderem ein Kindergarten, ein Stipendienfonds und Unterstützung für arme Kranke.  

Dass Südafrikaner das Werk tragen und ihren Mitmenschen helfen, macht Lagleder besonders stolz. Seine Dankbarkeit gilt deshalb neben den Spendern in Europa auch den Menschen vor Ort. Sie haben aus seinem Anstoß eine gemeinsame Aufgabe gemacht. 

HIV und Aids: Vom Sterben zum Weiterleben

Die Aids-Epidemie verändert die Arbeit tiefgreifend. Zeitweise werden im Hospiz fast nur noch Menschen mit Aids versorgt. „Zur schlimmsten Zeit sind bis zu fünf Patienten pro Tag gestorben“, erinnert sich Lagleder. Einmal seien es sogar sechs gewesen.  

2004 beginnt die Organisation mit der HIV-Behandlung. Heute betreut sie nach seinen Angaben knapp 700 Menschen, die dauerhaft Medikamente benötigen. Das Hospiz mit seinen 40 Betten nimmt inzwischen wieder häufiger Menschen mit Krebs und anderen schweren Erkrankungen auf. Dazu kommt die Pflege Hunderter Schwerkranker und Sterbender zu Hause.  

Für die Kinder des im Jahr 2000 offiziell eröffneten Heims endet die Unterstützung nicht mit der Schulzeit. Ein Stipendienfonds ermöglicht ihnen eine Berufsausbildung oder ein Studium. Manche ehemaligen Heimkinder arbeiten heute selbst in der Einrichtung. Eine frühere Bewohnerin hat es sogar in Südafrikas Rugby-Nationalmannschaft geschafft. Der Kinderheimleiter hatte ihr Talent beim Spielen entdeckt und sie ermutigt. 

Spenden für die Zukunft des Care Centers

Zu Pater Lagleders Erfolgsgeschichte gehören auch schwere Verluste. 2006 wird Lagleders Stellvertreterin zuhause bei einem Überfall erschossen. Sie war auch für das Kinderheim verantwortlich. Kinder, die ihre Mutter verloren hatten, verlieren damit erneut eine wichtige Bezugsperson. Für Lagleder wird der Mord zu einer schweren Probe des Durchhaltens.  

Seinen Weg bereut er dennoch nicht. Und er bleibt unterwegs: von Vortrag zu Vortrag, von Missionspredigt zu Missionspredigt, um in Europa Spenden zu sammeln. „Ich kann nur das, was mir in die Hände gegeben wird, weitergeben.“ 
 
Sein großer Wunsch ist eine langfristig gesicherte Finanzierung, damit die Arbeit auch in Zukunft weitergeht. Nach fast 40 Jahren als Missionar will Lagleder weiter mithelfen, solange er kann. Bayern bleibt er verbunden, doch zu Hause ist er längst in Mandeni. „Ich sage immer, ich habe ein bayerisches Herz, das in Südafrika für Südafrika schlägt.“ 



Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management