Das Erzengelfest am 29. September
Was sind Engel?
Engel überdauern mit ihrer Popularität die Veränderungen im christlichen Glauben und seinen Traditionen. Was macht sie so beliebt?
Der Erzengel Michael auf dem Altarbild der Himmelfahrtskirche von Chiaia in Neapel Foto: © AdobeStock/Renáta Sedmáková
Engel sehen wir heutzutage überall: besonders zu Weihnachten am Christbaum, aber auch als Glücksbringer an Ketten oder Armbändern oder als Putten mit goldenen Locken auf Wandmalereien. In der Bibel treten Engel aber nicht nur in der Weihnachtsgeschichte auf – und schon gar nicht als hübsche Babys. Ihre eigentliche Bedeutung im christlichen Sinne scheint immer mehr in den Hintergrund zu rücken. In der katholischen Kirche werden sie am 29. September mit dem Erzengelfest und am 2. Oktober mit dem Schutzengelfest gefeiert.
Was sind Engel und was tun sie?
Sie sind „Zwischenwesen“: in ihrer Gestalt selbst weder menschlich noch göttlich, weder weiblich noch männlich, vermittelnd zwischen Himmel und Erde. Die Engel wurden von Gott geschaffen und dienen ihm; in der Bibel werden sie an einigen Stellen auch „Gottessöhne“ genannt.
In erster Linie sind Engel Boten, die von Gott auf die Erde geschickt werden. Sie vermitteln Ankündigungen von Gott an die Menschen; oft erscheinen sie den Personen dafür im Traum. So sind sie nicht nur Boten Gottes, sondern werden selbst zu Botschaften, die Gott wahrnehmbar machen. Dabei verkündigen sie meistens eine große Wende im Leben der Betroffenen. Das berühmteste Beispiel dafür ist wohl der Erzengel Gabriel, der Maria die Geburt Jesu ankündigt und in der Weihnachtsnacht zu den Hirten spricht. Auch als Retter fungieren die Engel in der Bibel. So begegnet der Prophet Elija einem Engel in der Wüste. Als er vollkommen erschöpft und dem Tod nahe ist, gibt ihm ein Engel Wasser und Brot – nur so kann er weitergehen.
Engel gibt es übrigens ebenso im Islam und im Judentum – und das mit vielen Ähnlichkeiten. Auch im Islam ist Gabriel (im Arabischen „Ğibrīl“) der Überbringer von Botschaften: Er verkündet dem Propheten Mohammed den Koran.
Wer sind die Erzengel?
Der Begriff Erzengel bedeutet so etwas wie „Oberengel“. Zu ihnen gehören die drei Engel, die in der Bibel besondere Aufgaben übernehmen. Sie heißen Rafael, Gabriel und Michael – ihnen ist das Erzengelfest am 29. September gewidmet. Dieser Tag war ursprünglich nur der Michaelstag, bis im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils 1969 die Erzengelfeste zusammengelegt wurden.
Alle drei Namen der Erzengel enden auf die Silbe „el“ mit der Bedeutung „Gott“. So bedeutet Gabriel „Kraft Gottes“, Michael „Wer ist wie Gott“ und Rafael „Gott heilt“. Der berühmteste Engel ist Gabriel, der vor allem die Rolle des Boten einnimmt. So ist er es, der Maria die Geburt Jesu ankündigt und in der Weihnachtsnacht zu den Hirten spricht. Deshalb gilt Gabriel als Schutzpatron der Postbeamten. Michael wird meist als Krieger mit einem Schwert, Rüstung und Schild dargestellt. Er soll Adam und Eva nach dem Sündenfall aus dem Paradies gejagt und gegen Satan gekämpft haben. Rafael begleitet Tobias im Alten Testament, um seine Frau Sara wiederzufinden. Dabei hilft er, dessen blinden Vater zu heilen. Er ist heute der Schutzpatron der Pilger und Reisenden und trägt zusätzlich das Patrozinium vieler Krankenhäuser.
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Die Schutzengel
Schutzengel haben heutzutage auch eine Bedeutung für viele Menschen, die nicht an Gott glauben – dabei sind auch diese Engel christlich. Direkt fällt das Wort Schutzengel in der Bibel nicht. Trotzdem gibt es in der Heiligen Schrift und der Theologie Belege dafür, dass die Engel jedem Menschen als Begleiter beistehen. In Psalm 91 heißt es: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ Besonders geprägt hat den christlichen Glauben an die Schutzengel der heilige Basilius der Große (331–379): „Einen jeden Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen.“
Welche Rolle spielen Engel heute noch
für unseren Glauben?
Während andere traditionelle Aspekte des christlichen Glaubens in Vergessenheit geraten, werden Engel immer beliebter. Sie scheinen in die Spiritualität der heutigen Zeit zu passen – möglicherweise, weil sie ein sinnlich wahrnehmbares und greifbareres Symbol von Gottes Anwesenheit darstellen.
Laut Theologen kann der Glaube an Engel Christen daran erinnern, dass es einen Teil der Welt abseits des Himmels gibt, der für uns (noch) nicht erfahrbar ist. Sie können uns ein Verständnis für diese Transzendenz geben – und eine Wärme, die in unserer aufgeklärten und distanzierten Gesellschaft heute nicht selten zu kurz kommt.
Wo begegnen uns sonst noch Engel?
Engel werden immer beliebter – auch abseits der monotheistischen Religionen. Ob Armbänder mit kleinen Schutzengelfiguren oder „Engelmessen“ in der Esoterik: Sie sind mittlerweile zu einem populären Symbol für Schutz und Heilung geworden. Schon in den Märchen der Gebrüder Grimm begegnen uns Engel: So zum Beispiel in Hans Christian Andersens Geschichte „Der Engel“. Hier ist es die Aufgabe der Engel, die Seelen von verstorbenen Kindern zu Gott zu tragen. Auch in dem Märchen „Die Nelke“ der Gebrüder Grimm spielt ein Engel eine Rolle. Er wird hier von Gott auf die Erde geschickt, um einer Frau die Schwangerschaft mit einem Sohn zu verkünden. In diesen Geschichten übernehmen die Wesen also die klassischen Aufgaben von Schutz, Begleitung und Verkündigung.
Ganz besonders häufig wird die Symbolik der Engel in der Esoterik übernommen. Sie stehen hier losgelöst und im Mittelpunkt, statt als Botschafter von Gott. Dabei werden ihnen Merkmale und Fähigkeiten zugeschrieben, die über die der biblischen Figuren hinausgehen. Es wird geglaubt, mit ihnen sprechen zu können, sich von ihnen die Zukunft voraussagen zu lassen, oder geheilt und gereinigt zu werden. Diese Fähigkeiten werden auch vermarktet, um zum Beispiel Engelratgeber, Engelskarten oder Duftsprays zu verkaufen.



