Glaubenswelten
02.03.2026

Buchtipp

Vom Fischer zum Kirchenoberhaupt

Der Augsburger Kirchenhistoriker und Papst-Experte Jörg Ernesti zeichnet in seinem neuen Buch „Die Päpste“ die Entwicklung des Papsttums nach und zeigt, warum viele Vorstellungen über das Amt zu kurz greifen.
   

„Von den bescheidenen Anfängen des Fischers aus Galiläa bis zu Papst Leo XIV. ist es ein weiter Weg“, meint Professor Jörg Ernesti. „Von den bescheidenen Anfängen des Fischers aus Galiläa bis zu Papst Leo XIV. ist es ein weiter Weg“, meint Professor Jörg Ernesti. Foto: © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Das Papsttum – laut dem Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti die „älteste politisch-religiöse Institution Europas“ – fasziniert bis heute. Das hat sich erst im vergangenen Jahr bei der Wahl Leos XIV. wieder gezeigt. „Die Päpste. Von der Antike bis zur Gegenwart“ heißt Ernestis jüngstes Buch. Auf 128 Seiten gibt er einen Überblick über die Nachfolger Petri – von den Anfängen bis heute.

Dabei sei das Wirken des Apostels Petrus nicht einmal historisch gesichert, schreibt der Geistliche. Die Sonderstellung des Bischofs von Rom habe sich in der Spätantike schrittweise herausgebildet und sei im Laufe der Jahrhunderte weiter ausgebaut worden. Seit der Spätantike werde der römische Bischof als Papst bezeichnet. „Das lateinische Wort papa, eine Lehnbildung aus dem griechischen páppas, ist erstmals in einer Katakombeninschrift aus der Zeit des Papstes Mercellinus (296–304) nachweisbar“, führt Ernesti aus. Die Bezeichnung „Stellvertreter Christi“ sei seit Papst Gelasius I. (492–496) gebräuchlich.

     

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Zentralisierung und Machtkonzentration

Im Mittelalter gewannen die Päpste erheblich an politischer Macht; zugleich wurde die Kurie im Stil herrscherlicher Höfe ausgebaut. Im zweiten Jahrtausend kam es zu einer weitgehenden Zentralisierung und innerkirchlichen Machtkonzentration. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung 1870, als das Erste Vatikanische Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes und seine höchste innerkirchliche Rechtsgewalt (Jurisdiktionsprimat) als Dogmen verkündete.

„Von den bescheidenen Anfängen des Fischers aus Galiläa bis zu Papst Leo XIV., der einer Gemeinschaft von 1,4 Milliarden Katholiken vorsteht und zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Welt gehört, ist es ein weiter Weg“, resümiert Ernesti. Es sei ein Weg mit vielen Höhepunkten, aber auch mit vielen Rückschlägen. Mehrfach habe das Papsttum in seiner langen Geschichte vor dem Ende zu stehen geschienen – und sich doch immer wieder erneuert.

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Geschichte als Schlüssel zum Verständnis

Sein Buch habe er für alle Interessierten geschrieben, die verstehen wollten, wie sich das Papsttum zu dem entwickelt habe, was es heute sei. In seiner Arbeit mit Studierenden erlebe er häufig die Vorstellung, das Papsttum sei „vom Himmel gefallen“ und habe schon immer seine heutige Gestalt besessen. „Dem ist aber nicht so“, stellt Ernesti klar. „Wenn man das Papstamt verstehen will, muss man sich seine Entwicklung anschauen.“ Vieles – etwa die universale Regierungsgewalt über die ganze Kirche, die Unfehlbarkeit oder der Prunk der Papstliturgie – habe sich erst im Laufe der Zeit herausgebildet. Mit „Die Päpste. Von der Antike bis zur Gegenwart“ aus der Reihe C.H.Beck Wissen leistet Ernesti einen gut lesbaren Beitrag zum historischen Verständnis dieser bis heute wirkmächtigen Institution.

Ernesti, Jörg Die Päpste
Band 2973
Beck, 2026
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Karin Hammermaier
Artikel von Karin Hammermaier
Redakteurin
Recherchiert und schreibt Geschichten für [inne]halten.