Glaubenswelten
30.10.2025

Gebeine unterm City-Pflaster

Tief unter der Frauenkirche München: In der Krypta finden König Ludwig III., Kardinäle und Gläubige ihre letzte Ruhe – ein stiller Ort voller Geschichte und Andacht. Eine Führung zu Gräbern und Grabdenkmalen in und um den Münchner Dom.
    

Die Frauenkirche in München, seit 1821 auch Dom als  Kathedralkirche der Erzbischöfe von München und Freising. Die Frauenkirche in München, seit 1821 auch Dom als Kathedralkirche der Erzbischöfe von München und Freising. Foto: © IMAGO / Christian Offenberg

Vor 250 Jahren standen rund um die heutige Münchner Frauenkirche Holzkreuze und steinerne Denkmäler. Es war völlig normal, dort einem Leichenzug zu begegnen. Wo heute Pflaster verlegt ist, war einst ein Friedhof. Und im Innern der Kathedrale sind bis heute Grablegen zu finden – für die Erzbischöfe von München und Freising, aber auch für Angehörige des Herrschergeschlechts der Wittelsbacher.

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Die verborgene Geschichte unter der Frauenkirche: Wo Kaiser, König und Kardinäle ruhen

Dompfarrer Klaus Peter Franzl steigt im Chorumgang der Frauenkirche ein paar Stufen hinab. Dort befindet sich der Zugang zum öffentlich zugänglichen Teil der Krypta. Bedeutende Kardinäle wie Julius Döpfner und Michael Faulhaber haben dort ihre letzte Ruhe gefunden. „Hier ist aber auch der letzte bayerische König Ludwig III. bestattet“, sagt der Dompfarrer und deutet auf eine schlichte Grabplatte, hinter der der Monarch liegt. Im Vorgängerbau des heutigen Doms ist auch der erste Kaiser aus dem Hause Wittelsbach beerdigt worden – ebenfalls ein Ludwig. Seine Nachfahren haben ihm ein prächtiges Grabmonument errichtet. Allerdings ist darin nichts von dem bayerischen Kaiser zu finden. Wo er in der alten Frauenkirche 1347 beigesetzt wurde, ist unbekannt.

Dompfarrer Klaus-Peter Franzl (li.) vor dem Grab von Kardinal Julius Döpfner (1913-1976) in der Krypta der Frauenkirche München. Dompfarrer Klaus-Peter Franzl (li.) vor dem Grab von Kardinal Julius Döpfner (1913-1976) in der Krypta der Frauenkirche München. Foto: © SMB/Schlaug

Bei Bauarbeiten rund um den Dom finden sich immer wieder menschliche Überreste. „Diese Gebeine werden in einer Nische in der Krypta beigesetzt“, so der Dompfarrer. Damit werde auch der Wunsch dieser Toten respektiert, in oder in unmittelbarer Nähe der Kirche bestattet zu sein.

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Bei seinen Führungen im November 2025 öffnet Klaus Peter Franzl diesen sonst verschlossenen Teil der Krypta. Dort befinden sich zudem die ältesten erhaltenen Gräber im Dom. Eine gruselige Sightseeing-Tour sollen diese Führungen aber keinesfalls sein: „Ich möchte, dass wir uns an diese oft unbekannten Menschen erinnern, die in oder um diese Kirche bestattet sind, diese Stadt geprägt und ihren Glauben gelebt haben.“


Darum schließt der Dompfarrer seine Führungen mit einem Gebet ab. Und er lädt ein, in der öffentlich zugänglichen Krypta der Frauenkirche München Kerzen für die Toten anzuzünden – für diejenigen, die hier begraben sind, und für diejenigen, die den Teilnehmern im eigenen Leben wichtig waren.

Für die Führungen am 4., 18. und 25. November (jeweils um 19.00 Uhr) unter dem Titel „Heilige – Heiligmäßige – Mäßig Heilige“ ist eine Anmeldung unter dompfarramt@muenchner-dom.de erforderlich.
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Alois Bierl
Artikel von Alois Bierl
Chefreporter und Kolumnenautor
Beschäftigt sich mit wichtigen Trendthemen wie Spiritualität.