Glaubenswelten
08.03.2025

Kolumne

Wie im Himmel so auf Erden

Kurz mal zu Jesus. Das ist der mit dem Kreuz. Wegen ihm gibt es eine ganze Religion, genau, das Christentum.

Jesus ist schon eine Weile tot. Genauer gesagt: Er wurde getötet. Gekreuzigt. Das war damals eine typisch römische Strafe für Schwerverbrecher. Jedenfalls solche, die keine römischen Bürger waren. Eine Foltermethode, langsam und grausam. Ich glaube nicht, dass Jesus aus freien Stücken gesagt hat: Klar, mache ich. Jesus wurde hingerichtet, weil er unbequem war. Er hat die bestehende Ordnung und Hierarchien in Frage gestellt, er hat Massen mobilisiert (mal vier-, mal fünftausend). Er hat Freiheit für Gefangene und Unterdrückte gefordert. Er wollte die Welt gerechter machen.

Damit seine Botschaft weiterlebt, gibt es die Kirche.

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Die Kirche war eine Untergrundorganisation.

Das vergisst man manchmal. Anfangs gab es keinen Reichtum, keinen Prunk, keinen Einfluss. Anfangs war es richtig gefährlich, dabei zu sein. Heute sagen Manche: Die Kirche soll dekorativ sein und Amen sagen und nicht weiter stören. Vor allem soll sie sich nicht in Politik einmischen. Jesus hat ziemlich gestört. Die Mächtigen und die Reichen, er hat die Unterdrücker beim Unterdrücken gestört. Und Männer, die gern vergöttert werden wollten, hat er auch gestört. Eigentlich war das meiste, was er gesagt hat, unbequem und sehr radikal: Liebe deine Nächsten (auch wenn sie anders leben als du). Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. (Warum besitzen einzelne Menschen Milliarden?) Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. (Autsch.) Die Liste lässt sich fortsetzen, nachzulesen in den Evangelien.

 

[inne]halten - das Magazin 03/2026

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Was Jesus sagt, ist unbequem.
Damals wie heute. Die Überlieferungen sind 2000 Jahre alt. Manches wurde nachträglich bearbeitet oder zugefügt. Und natürlich lässt sich nicht alles eins zu eins auf unsere Zeit übertragen. Aber die Botschaft von Jesus bleibt: Ich bin nicht gekommen, Harmonie zu verbreiten, sondern Streitgespräche zu führen. Mischt euch ein. Eine andere Welt ist möglich: Wie im Himmel so auf Erden.  

Wer Kirche will, muss mit Jesus klarkommen. Und wer Jesus will, kann nicht zu allem Ja und Amen sagen.

Susanne Niemeyer
Artikel von Susanne Niemeyer
Freie Autorin
Susanne Niemeyer hält von ihrem Schreibtisch in Hamburg Ausschau nach dem Himmel. Sie hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht und bloggt auf www.freudenwort.de. Im Sommer macht sie Lagerfeuer und hält am liebsten zusammen mit anderen Stockbrot in die Glut.