„Gott kam mir in den Sinn“
Dass man durch einen schlecht erzogenen Hund zum Glauben zurückfindet, ist nicht alltäglich. Aber bei dem TV-Autor Christian Busemann war es so. Seine fernsehreife Geschichte hat Busemann in einem Buch niedergeschrieben.
Christian Busemann vor seinem zur Kapelle umgebauten ehemaligen Kinderspielhaus in seinem Garten in Hamburg. Foto: © Michael Althaus/KNA
Vor gut zwei Jahren stand Christian Busemann vor Fernsehkameras in Mainz. Der TV-Autor war gerade für eine Produktion des ZDF-Fernsehgartens in der Stadt und mitten in den Proben, da schrieb ihm seine Frau eine kurze Nachricht: „Der Hund hat den Postboten gebissen.“
Busemann hatte Hund Kalle über einen Tierschutzverein aus Nordmazedonien bekommen. „Ich war damals ein wenig in der Midlife-Crisis“, sagt er. „Ich habe sehr viel gearbeitet und war unzufrieden. Zwei unserer Kinder sind außerdem kleine Streithähne. Es musste was passieren.“ Seine Idee: ein Hund, der für Abwechslung sorgt. „Meiner Frau gefiel die Idee gar nicht. Aber in einem schwachen Moment stimmte sie mir zu – und ich nutzte sofort die Gelegenheit.“
Vom Fernsehalltag zur Lebenskrise:
Ein Hund verändert alles
Statt Probleme zu lösen, schuf Kalle neue. Als ehemaliger Straßenhund hielt er sich an keine Regeln und war nur schwer zu erziehen. Er rupfte ein französisches Zuchthuhn des Nachbarn, fraß die Weihnachtssüßigkeiten der Kinder, bellte, schnappte und hörte auf niemanden.
„Und nun saß ich in Mainz, las die Nachricht und dachte: All das ist auf meinem Mist gewachsen. So geht es nicht weiter. Ich muss dafür jetzt geradestehen“, sagt Busemann. „Mir war klar: Ich muss jetzt etwas ändern.“
Er überlegte, was ihn früher in Krisenzeiten durchs Leben getragen hatte. Wo er Halt und Kraft gefunden hatte. „Gott kam mir in den Sinn“, sagt Busemann. Dabei war er nicht sonderlich religiös aufgewachsen. Er wurde getauft und konfirmiert, glaubte irgendwie an Gott, besuchte aber nie den Gottesdienst.
„Mein Vater starb, als ich vier Jahre alt war. Und meine Mutter musste in der Kirche einfach immer sofort weinen“, erzählt er.
Als er elf oder zwölf Jahre alt war, änderte sich seine Beziehung zu Gott. In der Schule sollten die Kinder erzählen, welche Berufe ihre Eltern haben. „Da wurde mir richtig bewusst, dass in meiner Familie einer fehlt“, sagt Busemann. Er ging nun regelmäßig zum Grab – und in die Kirche.
„Ich habe gebetet, dass mein Vater zurückkommt. So entwickelte sich eine Art Dialog zwischen mir und Gott“, sagt er. „Ich habe natürlich keine Antworten erhalten, aber es entstand ein Band zwischen uns, eine religiöse Grundlage, die mich immer begleitet hat.“ Doch der Bedarf an dieser Verbindung sei lange gering gewesen.
Rückkehr zum Glauben: Gebet,
Liturgie und katholische Kirche
Bis zu jenem Abend in Mainz. Busemann besann sich auf seine Gottesbeziehung und erinnerte sich an eine Reise nach Assisi. 2018 war er auf dem Franziskusweg gepilgert – und an das Gefühl im Gottesdienst dort.
„Ich bin im Leben ein Chaot. Aber die heilige Messe, der Ablauf, das Feierliche, die klare Struktur – all das hat mich sofort angesprochen.“ Ihm wurde bewusst, dass er seine Spiritualität über Jahre vernachlässigt hatte. „Ich hatte das Gefühl, mich dem wieder zuzuwenden, könnte eine Lösung für meine Unzufriedenheit sein.“
Er begann, täglich in der Bibel zu lesen, besuchte häufiger
Gottesdienste in Hamburg-Blankenese und baute das Spielhaus seiner
Kinder im Garten zu einer kleinen Gebetskapelle um. Er richtete einen
Altar ein, legte einen Meditationsteppich aus, hängte ein Kreuz und eine
Ikone auf.
„Morgens tapere ich dann manchmal früh durch den
Garten, um mich dort für das Gebet zurückzuziehen“, sagt Busemann. „Sich
mit Jesus im Gebet zu verbinden, ist für mich ein Energiespender, ein
Anker im Alltag.“
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Bei einer erneuten Reise nach Assisi entschloss er sich nach einem Gespräch mit einem befreundeten Franziskaner, in die katholische Kirche einzutreten. Noch am selben Tag schrieb er eine E-Mail an das Erzbistum Hamburg. „Fünf Minuten später hat sich eine Frau bei mir gemeldet“, erzählt er.
2024 wurde er von Erzbischof Stefan Heße gefirmt. „Heute sitze ich mit einem anderen Gefühl in der Kirche“, sagt Busemann. Nicht mehr hinten, sondern mittendrin. „Ich gehöre dazu. Ich weiß, was da passiert.“
Heute ist er Mitglied der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL). Die Gruppe trifft sich regelmäßig zum Bibellesen und Austausch über Glauben und Zweifel. „Das ist für mich unabdingbar“, sagt Busemann. „Ich brauche andere Menschen, um über den Glauben zu sprechen.“



