Franziskus‘ Vision weiterleben
Zum zweiten Mal seit seiner Papstwahl war Leo XIV. in Assisi, Stadt des heiligen Franziskus. Auch 800 Jahre nach seinem Tod hat der Schutzpatron der Umwelt wichtige Botschaften - gerade für junge Menschen.
Papst Leo XIV. im Gespräch mit einem Teilnehmer des Jugendtreffens "Go!" zum 800. Todestag des Ordensgründers Franz von Assisi. Foto: © IMAGO / Catholicpressphoto
Papst Leo XIV. hat junge Christen als Zeugen für Glauben und Kirche beauftragt. „Heute suchen Europa und die ganze Welt in euch neue Heilige", sagte er am kirchlichen Hochfest Verklärung Christi vor Tausenden Menschen im mittelitalienischen Assisi. „Wagt es, an das Wort des Evangeliums zu glauben! Werdet mit der Freiheit Jesu Christi menschlich; nehmt die Armut als Schwester an!", so der Papst zum Abschluss des Jugendtreffens „Go!" zum 800. Todestag des Ordensgründers Franz von Assisi (um 1181-1226).
Der Titel des viertägigen Treffens sei „ein Auftrag, eine Aussendung" auf unbekannte Wege. „Go! Geht! Besser noch: Lasst uns gehen! Let's go!", so der Papst bei der Messe in der Basilika Santa Maria degli Angeli. Darin befindet sich die sogenannte Portiuncula-Kapelle, in der der populäre Heilige am Abend des 3. Oktober 1226 starb.
Gegen Resignation und Angst
„Wir sind hier, um Resignation und Angst zu überwinden, um Zweifel zu beheben, die uns ebenso beschäftigen, wie sie die Apostel beschäftigten", ermutigte der Papst die jungen Menschen aus ganz Europa und einigen anderen Ländern der Welt.
Die besondere Spiritualität, die in den verschiedenen franziskanischen Männer- und Frauenorden gepflegt wird, ziele verstärkt darauf, die Beziehungen zu Gott und zu all seinen Geschöpfen wiederherzustellen: „eine Harmonie, die es heute mehr denn je zu bewahren und zu pflegen gilt", mahnte Leo XIV.
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Menschenwürde und Geschwisterlichkeit
In diesem Zusammenhang verwies er auf seine erste Enzyklika „Magnifica humanitas": Jede Generation erbe die Aufgabe, die eigene Zeit so zu gestalten, dass die Würde jedes Menschen gewahrt, Gerechtigkeit gefördert und Geschwisterlichkeit ermöglicht werde, so Leo XIV.
Die jungen Menschen rief er auf, „an die Ränder" zu gehen, „wo die Ungerechtigkeit und Überheblichkeit einiger weniger die Würde und Träume vieler verweigern, von allzu vielen Söhnen und Töchtern Gottes". Freilich liefen sie Gefahr, nicht einmal von ihrer Familie verstanden zu werden, so wie es dem heiligen Franziskus erging: Der reiche Kaufmannssohn gab alles auf, um sich als Bettler um Aussätzige, Arme und Kranke zu kümmern und das Evangelium zu verkünden.
Gegen erfundene Feinde
und aufgezwungene Gewalt
„Sich der Kultur der Macht zu entziehen und die Mauern einzureißen, die Menschen voneinander trennen, bedeutet jedoch niemals, die eigene Familie, Stadt oder Tradition zu verraten, sondern sie von ihren Einbildungen zu befreien", so Leo XIV.: „Von Feinden, die aus Angst und Unwissenheit erfunden worden sind, von Gewalt, mit der man seine eigene kleine Ordnung einer Wirklichkeit aufzwingen möchte, die uns von allen Seiten übersteigt."
Abschließend appellierte der Papst an die Jugendlichen, sich „der Zivilisation der Liebe" zu verschreiben: „Bündelt die besten Kräfte eurer großartigen Menschheit - Studium, Fachkenntnisse, Arbeit, Freundschaften, Liebe, Gebet - und lebt die Vision des Franziskus heute auf unterschiedliche Weisen weiter."
Pilgerboom im Jubiläumsjahr
des heiligen Franziskus
Unterdessen reißen die Besucherströme in Assisi in diesem Jahr nicht ab, berichtet Bruder Thomas Freidel, seit bald 20 Jahren Pilgerseelsorger für deutschsprachige Gäste in Assisi. „Für viele Menschen, ob religiös oder nicht, ist Franziskus eine Sehnsuchtsgestalt, die wichtige Dinge verkörpert: Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfungsverantwortung und eine Verbindung zu Gott", so der Ordensmann.
Hochbetriebstage mit 18.000 Besuchern
Die jährlich rund fünf Millionen Besucher dürften 2026 übertroffen werden. „Allein im Mai habe ich Führungen für 2.300 Leute aus dem deutschsprachigen Raum gemacht", so Freidel. Bis in den November hinein laufen die Buchungen. „Wir haben hier immer mehr Hochbetriebstage mit bis zu 18.000 Besuchern."
So etwa im Frühjahr, als die sterblichen Überreste des populären Heiligen ausnahmsweise für vier Wochen zur Verehrung gezeigt wurden. Das außergewöhnliche Ereignis rund um Italiens Nationalheiligen, der auch als Schutzpatron der Tiere, der Umwelt und vieler anderer Anliegen verehrt wird, zog mehr als 370.000 Menschen an.
„Assisi ist für die Menschen mehr als ein katholischer Wallfahrtsort: Kunst, Glaube, wunderbare Landschaft, Natur - diese große Vielfalt wirkt anziehend." Auch wirke Franz von Assisi mit seiner Botschaft einer armen, engagierten Kirche für viele modern und glaubwürdig.
Sabine Kleyboldt



