"Der Garten tut meiner Seele gut"
Zwischen alten Tomatensorten, Feigenbaum und Zucchini wächst in Rheinbreitbach bei Bonn ein Garten, der bunt ist. Hobbygärtner Tahsin Es freut sich, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen.
Foto: © IMAGO / Zoonar
Es riecht nach Tomaten. Nach Basilikum und feuchter Erde. Im Gewächshaus hängen grüne, gelbe, rote, orangefarbene und sogar violette Früchte an den Pflanzen. Draußen wachsen Chili neben Paprika, Auberginen neben Brechbohnen, dazwischen Zucchini, Salat und sogar ein Feigenbaum. Wer den Garten von Tahsin Es im rheinland-pfälzischen Rheinbreitbach betritt, braucht einen Moment, um alles aufzunehmen. Alles scheint seinen Platz zu haben, und doch wirkt nichts streng geplant, sondern eins fügt sich organisch ins andere.
"Ich liebe den Garten", sagt der Hobbygärtner. "Das ist einfach schön, das Wachsen zu sehen. Der Garten tut mir und meiner Seele gut." Der kaufmännische Angestellte verbringt täglich viele Stunden zwischen seinen Pflanzen. Der Garten ist für ihn Rückzugsort, Experimentierfeld und zugleich eine Art lebendiges Archiv.
150 Tomaten-Sorten und jedes Jahr etwas Neues
Besonders die Tomaten haben es ihm angetan. Rund 150 verschiedene Sorten baut Tahsin Es inzwischen an. Darunter alte und seltenere, die nicht überall zu finden sind. Hybridpflanzen verwendet er nicht. Sie entsteht durch gezielte Kreuzung zweier verschiedener Elternlinien und zeigt in der ersten Generation besonders gewünschte Eigenschaften wie hohen Ertrag oder einheitliches Wachstum, lässt sich aber nicht sortenecht aus eigenem Saatgut weitervermehren. Stattdessen gewinnt er Saatgut aus samenfesten Pfanzen und entscheidet jedes Jahr neu, welche Sorten wieder ins Beet kommen.
"Welche Sorte habe ich schon lange nicht mehr ausgesät?", fragt er sich dann. Einige bewährte Pflanzen bleiben, andere machen Platz für solche, die er eine Weile nicht angebaut hat, wie zum Beispiel die Tomatensorten Green Zebra, Schwarze Krim, Costoluto Genovese, Goldene Königin, Haubners Rote Vollendung, Moneymaker oder Herzförmige Rosa, eine Sorte aus der Türkei.
Seine Leidenschaft für die Vielfalt ist auch der Grund, warum Tahsin Es Saatgut weitergibt. Auf Saatgutbörsen ist er unterwegs, verkauft gelegentlich Saatgut und Jungpflanzen und gibt Interessierten auch direkt etwas aus seinem Bestand ab. "Ich mag es, die Sortenvielfalt zu erhalten", sagt er.
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Ein Garten, der gelerntes Wissen bewahrt
Die Liebe zum Gärtnern hat Tahsin Es von seiner Familie mitgenommen. In seiner Kindheit im Nordwesten der Türkei, in Kırklareli, war er häufig mit seiner Großmutter unterwegs. Später lernte er von seinem Vater, wie man Pflanzen vermehrt und aus Stecklingen neue Pflanzen zieht.
Auch zwei ältere Nachbarinnen haben ihm viel beigebracht. Als sie ihren Garten selbst nicht mehr bewirtschaften konnten, fragten sie den Hobbygärtner, ob er sich darum kümmern wolle. Kartoffeln setzen, Bohnen einlegen, vieles von dem, was heute selbstverständlich zu seinem Garten gehört, lernte er auch von ihnen.
Wenn man mit ihm spricht, merkt man, dass er sich über die Jahre ein breites Wissen rund um das Thema Gärtnern angeeignet hat. Nicht nur Pflanzen wachsen hier, sondern auch altes Wissen und Erfahrungen werden weitergegeben.
Alles hat im Garten seinen Platz
Wer genauer hinsieht, entdeckt zwischen den Pflanzen immer neue Details. Eine gelbe Zucchini hängt kopfüber an der Überdachung herunter, sie darf bleiben, damit Es daraus Saatgut gewinnen kann. Salatpflanzen, die längst hochgeschossen sind, werden nicht einfach entfernt, wie etwa der Pflücksalat namens Teufelszunge: Auch er liefert Samen für die nächste Saison.
Im Boden sind kleine Löcher von Wildbienen zu entdecken. Ein Bienenstock gehört zum Garten sowie eine Wasserstelle für Insekten. Zwischen den Nutzpflanzen wächst Wolfsmilch, eine Pflanze, die gegen Wühlmäuse und Maulwürfe eingesetzt wird.
So entsteht kein Garten in Reih und Glied, sondern ein lebendiges Nebeneinander mit System. Nutzpflanzen, Blumen, Bäume, Insekten und Tiere ergänzen sich.
Hobbygärtner Tahsin Es in seinem Garten mit geerntetem Gemüse, Tomaten und Gurke. Foto: © Sabine Schüller/KNA
Garten-Rituale: gießen, ernten, einkochen
Auch die Hitze dieses Sommers hat der Garten nach Es' Einschätzung gut verkraftet. Gegossen wird vor allem morgens. Das Wasser sollte dabei möglichst nicht zu kalt sein. "Überhaupt muss man lernen, die Pflanzen zu beobachten", sagt der Experte. Nicht jeden Tag automatisch zur Gießkanne greifen - gerade Tomaten vertrügen keine Staunässe.
"Man muss nicht jeden Tag gießen. Man muss schon beobachten, was die Pflanze braucht." Was im Garten wächst, landet außerdem nicht zwangsläufig frisch auf dem Teller. Der Gemüsegärtner verarbeitet deshalb seine Ernte, macht Sirup, kocht und friert ein. Zwei Kühlschränke und Gefriertruhen helfen dabei, die Ernte über die Saison hinaus zu bewahren.
An diesem Tag steht Basilikumsirup auf dem Tisch. Die Blätter dürfen nicht mit kochendem Wasser übergossen werden, erklärt der Hobbygärtner. Etwa 60 bis 70 Grad seien besser, sonst könnten Bitterstoffe entstehen. Nach einer Ruhezeit wird der Sud abgeseiht und nach Geschmack gesüßt. Dann reicht Tahsin Es ein Glas zum Probieren.
Der Garten ist schließlich nicht nur zum Anschauen da. Die Tomaten glänzen in der Nachmittagssonne. Für den Gartenliebhaber ist noch nicht Schluss. "Ich muss jetzt ernten", sagt er und verschwindet zwischen den Pflanzen.
Sabine Schüller
Garten im Herbst: Ernten, lagern, winterfest machen
Tipps von Hobbygärtner Tahsin Es: Wie die Zeit im Garten nach der Sommerernte gelingt.
Wenn die letzten Tomaten, Paprika und Chilis geerntet sind, ist die Gartensaison noch lange nicht vorbei. Hobbygärtner Tahsin Es verrät, wie sich Gemüse richtig lagern und haltbar machen lässt, was im Herbst noch gepflanzt werden kann und wie Beete und Pflanzen gut durch den Winter kommen.
Richtig ernten
Tomaten möglichst mit Fruchtstiel pflücken, damit die Früchte nicht verletzt werden und länger haltbar bleiben. Gegen Ende der Saison können auch Tomaten geerntet werden, bei denen der Reifeprozess bereits eingesetzt hat. Sie reifen im Haus nach, dafür brauchen sie kein Sonnenlicht. Optimal sind 16 bis 20 Grad Celsius. Die Früchte sollten locker nebeneinander und nicht übereinander gelagert werden. Bei niedrigeren Temperaturen verlangsamt sich der Reifeprozess.
Gemüse richtig lagern
Je nach Gemüse gelten unterschiedliche Lagerbedingungen. Karotten, Kohlrabi und Rote Bete mögen es kühl und dunkel. Für die Lagerung über den Winter eignet sich beispielsweise eine unterirdische, sogenannte "Erdmiete". Dafür wird eine etwa 50 bis 60 Zentimeter tiefe Grube mit Maschendraht gegen Wühltiere ausgelegt. Eine rund zehn Zentimeter dicke Sandschicht dient als Drainage. Darauf kommt das Gemüse, anschließend eine Abdeckung mit Holzdeckel oder Ähnlichem. Stroh und Erde sorgen für die nötige Isolierung als Wärmepolster. So lässt sich Gemüse über den Winter lagern.
Sommerernte haltbar machen
Was im Herbst noch reichlich im Garten wächst, lässt sich auf vielfältige Weise konservieren. Tomaten können eingekocht, zu Sugo, italienischer Tomatensoße, meist aus Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen oder Salsa verarbeitet werden. Auch Tomatenmarmelade oder grünes Tomatenchutney sind möglich. Unreife grüne Tomaten lassen sich zudem in einer Salz-Essiglake einlegen. Chili und Paprika können getrocknet und zu Chiliflocken oder Paprikapulver verarbeitet, eingelegt oder zu Sambal Oelek weiterverarbeitet werden.
Jetzt noch pflanzen
Auch nach der Sommerernte ist die Gartensaison nicht vorbei. Im Herbst können unter anderem Feldsalat, Spinat, Mangold und Wintersalate ausgesät oder gepflanzt werden. Knoblauch lässt sich aus einzelnen Zehen setzen. Kräuter und Rhabarber können geteilt werden. Auch Obstgehölze lassen sich über Stecklinge vermehren.
Den Garten winterfest machen
Zwischen Oktober und November beginnt die Vorbereitung auf den Winter. Empfindliche Pflanzen in Töpfen sollten ins Haus oder an einen geschützten, frostfreien Ort gebracht werden. Physalis etwa kann als zweijährige Pflanze überwintern und trägt dann im Folgejahr früher Früchte. Auch der Rasen bekommt seinen letzten Schnitt, anschließend sollte der Rasenmäher gereinigt und gepflegt eingelagert werden. Winterharte Kohlsorten können dagegen im Beet bleiben.
Umgraben oder lockern?
Beim Boden scheiden sich die Geister. In vielen Fällen reicht es, die Erde mit einer Grabegabel zu lockern. Bei schweren Böden kann Umgraben sinnvoll sein: Der Frost lässt die aufgebrochene Erde über den Winter zerbröseln und lockert sie auf natürliche Weise.
Weitere Informationen und Kontakt zu Hobbygärtner Tahsin Es gibt es unter: www.esgarten.de.



