Die Farben des Glaubens
Die muslimische Künstlerin Mahbuba Maqsoodi ist für die Gestaltung beeindruckender Kirchenfenster bekannt. Ihre Werke zeigen alltägliche Erfahrungen gläubiger Menschen. Jeder soll sie verstehen können – unabhängig davon, welcher Religion er angehört.
Religion verbindet: Die Muslima Mahbuba Maqsoodi gestaltet Fenster für Kirchen. Foto: © Marion Krüger-Hundrup
Die Kirche St. Josef im oberpfälzischen Cham, bis vor wenigen Jahren ein schlichter Nachkriegsbau, ist heute ein Pilgerort für Kunstinteressierte. Ein faszinierendes Farbenspiel aus Blau, Violett, Rot, Orange und Gelb durchdringt den Raum.
Mahbuba Maqsoodi gestaltete 14 Kirchenfenster mit Motiven aus dem Alten und Neuen Testament. Dabei sollen diese, so die Künstlerin,
„deutungsoffen bleiben. Ich überlasse die Interpretation dem Betrachter, ich kann nichts vorgeben – außer eine kompositorische Bewegung mitzudenken: Wohin geht der Blick des Betrachters zuerst, bevor er das ganze Fenster sieht?“
Von Kindheit an beschäftigt sich die Muslima mit biblischen Narrativen. Während ihres Kunststudiums in St. Petersburg kam sie mit christlicher Kunst aller Epochen in Berührung. Seitdem ist Religion für sie ein Thema, das untrennbar mit dem alltäglichen Leben verbunden ist – ein Thema, das trennt und zugleich verbindet.
Ein Leben zwischen den Welten
Geboren 1957 im afghanischen Herat, besuchte Mahbuba Maqsoodi eine Mädchenschule, die ihr liberaler Vater eigens für seine sieben Töchter gegründet hatte. Nach Studien in Chemie, Biologie und Miniaturmalerei unterrichtete sie zunächst als Gymnasiallehrerin.
Als ihre Schwester Afifa 1979 von einem Islamisten auf offener Straße erschossen wurde, verließ sie Afghanistan. Seit 1994 lebt sie in München.
Einem größeren Publikum wurde sie bekannt, als sie 29 der 32 Fenster in der Kirche der Benediktinerabtei St. Mauritius in Tholey (Saarland) gestaltete – die restlichen drei Fenster stammen von Gerhard Richter.
„In meiner Kunst lasse ich Grenzen verschwinden“
Spektakulär ist auch Maqsoodis Wandinstallation in der Zentrale des katholischen Hilfswerks missio in München.
Wer den Raum im Dachgeschoss betritt, nimmt zunächst seine lichtdurchflutete Größe wahr. Doch wer sich in der Raummitte umdreht, steht plötzlich vor einer Wand aus dicht aneinandergereihten, farbigen Glasscheiben in Blau-, Gelb-, Grün- und Rottönen – eine Fläche, die sich wie ein Segel aufspannt.
Stilisierte Figuren fließen ineinander, verschmelzen und verdichten sich zu einer Welle.
„In meiner Kunst lasse ich Grenzen verschwinden und sehe immer wieder, dass solche Grenzen fast nur von uns Menschen geschaffen wurden“,
sagt Mahbuba Maqsoodi.
Hinter der Installation steht die Idee, Vielfalt, Bewegung und Hoffnung auszudrücken – und die Bereitschaft, „nach dem Fallen auf den Boden wieder aufzustehen“.
Für Maqsoodi ist jeder Mensch mit anderen und mit der Umwelt verbunden:
„Jeder Mensch nimmt etwas auf und gibt etwas ab – so entsteht ein ständiges Wechselspiel.“
[inne]halten - das Magazin 25/2025
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Kunst für alle – Glaube als universale Sprache
Ihre Kunstwerke laden die Betrachter dazu ein, Teil des Werkes und der Gemeinschaft zu werden – und über die Vielfalt des Glaubens und der Kulturen nachzudenken.
„Ich bin ein Mensch, der an das Humane glaubt, an die Zusammenhänge, die uns Gott oder die Natur geschenkt hat. So betrachte ich alles und fühle mich als Teil des Gesamten“, sagt die Muslima.
Im 21. Jahrhundert müsse die „globale Situation“ auch in der Kunst reflektiert werden:
„Wenn ich etwas so schaffe, dann wird jeder – gleich ob Muslim, Christ, Buddhist oder Atheist – eine Empfindung, eine Bindung für und an diese Bilder haben.“
Sie sieht darin kein Problem, sich als Muslima mit christlichen Inhalten, dem Alten und Neuen Testament oder Heiligenbiografien auseinanderzusetzen: „Die sind ja nicht vom täglichen Leben getrennt!“
Gerade die Arbeit des Hilfswerks missio für Menschenrechte, Bildung und gegen Hungersnöte verkörpere Werte, „die ich sehr schätze“. Diese Werte drücke sie auch in ihrer Kunst aus – über alle Grenzen hinweg.
„Ich male für alle Menschen, völlig losgelöst vom Standpunkt ihres jeweiligen Glaubens“,
sagt Maqsoodi.
Ihr jüngstes Werk ist das Friedensfenster in der evangelisch-lutherischen Kirche St. Cosmae et Damiani in Dörverden, das am Ostersonntag 2025 der Gemeinde übergeben wurde.
Marion Krüger-Hundrup
Ausstellungstipp: „Zwischen Ferne und Nähe“ in Berlin
Noch bis zum 14. November zeigt Mahbuba Maqsoodi in der Berliner Galerie Olymp ihre Ausstellung „Zwischen Ferne und Nähe“.
Sie widmet sich der Kraft der Farbe Blau, die für Maqsoodi „Hoffnung, Tiefe, Geborgenheit und Spiritualität“ bedeutet. Blau ist für sie auch die Farbe Marias – Sinnbild sowohl der himmlischen Ferne als auch der tröstenden Nähe, die den Menschen mit dem Göttlichen verbindet.
Weitere Informationen: www.galerieolymp.de.



