Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung
Urwald, Ölfeld, Gletscher, Sumpf
Im Erzbistum München und Freising befinden sich nicht nur wunderschöne Landschaften von den Alpen bis in die Hallertau, sondern auch außergewöhnliche Naturdenkmäler und geografische Besonderheiten. Von der bizarren Felsformation bis zum Gletscher, vom Urwaldrelikt bis zur Höhle – zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung am 1. September stellen wir einige von ihnen vor.
Der Georgenstein in der Isar. Foto: © Burghardt
Hohle Linde
Als „eine der skurrilsten Baumgestalten des Bundesgebiets“ sowie als „europaweit einzigartig“ wurde die etwa 400 Jahre alte Hohle Linde in Obermarbach bei Petershausen (Landkreis Dachau) bezeichnet. Auffällig ist vor allem ihr bizarrer, aus einem steilen Erdhang wachsender Stamm.
Die Hohle Linde bei Obermarbach. Foto: © Burghardt
Isar
Der längste Fluss im Erzbistum München und Freising ist die Isar. Von der österreichischen Grenze bei Mittenwald, wo sie als Gebirgsbach aus dem Karwendel nach Bayern eintritt, fließt sie bis Landshut rund 193 Kilometer weit durch das Erzbistum. Im ersten Abschnitt, zwischen Wallgau und dem Sylvensteinspeicher, ist die Isar noch als Wildfluss erhalten. Doch auch weiter flussabwärts, zum Beispiel zwischen Bad Tölz und Wolfratshausen, weist die Isar stellenweise noch „wilde“ Flusslandschaften mit sich ständig verändernden Kiesbänken und Nebenarmen auf.
Zwischen Bad Tölz und Wolfratshausen erinnert das Isartal stellenweise an eine Wildflusslandschaft. Foto: © Burghardt
Ölfeld
1982 wurde in Prittlbach nördlich von Dachau Erdöl entdeckt, das seitdem auch gefördert und industriell verarbeitet wird. Die Fördermenge beträgt weniger als 2.000 Tonnen jährlich. Die Förderanlage befindet sich südlich des Dorfs Prittlbach auf freiem Feld.
Ölförderanlage bei Prittlbach. Foto: © Burghardt
Hallertau
Weltbekannt, aber zugleich kaum Ziel von Tourismus und Ausflugsverkehr ist die Hallertau im Norden des Erzbistums, das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Von Mai bis September, wenn der Hopfen wächst und schließlich meterhoch an den Gerüsten hängt, ist ein Besuch in dieser außergewöhnlichen Kulturlandschaft besonders lohnenswert, doch auch im Winter geben die dann nackten Hopfenstangen interessante Fotomotive ab.
Der reife Hopfen wird meist ab Ende August und bis Ende September geerntet. Foto: © Burghardt
Tertiärhügelland
Der nördliche Teil des Erzbistums ist vom Tertiärhügelland geprägt, welches bereits lange vor den Eiszeiten entstand. Wer dort in die Tiefe gräbt oder den freiliegenden Hangaufschluss bei Dachau-Etzenhausen besucht, findet kaum feste Steine, sondern eher feinen, sandigen Untergrund. Der Etzenhausener Steilhang ist ein Paradies für Insekten wie Wildbienen, die unzählige Löcher in die sandigen Schichten gegraben haben.
Nur selten bilden sich im Tertiärhügelland steile Hangabbrüche wie hier bei Etzenhausen. Foto: © Burghardt
Moränenlandschaften
Bis Erding reichte die am weitesten nach Norden vordringende Gletscherzunge in der Riß-Kaltzeit vor etwa 200.000 Jahren. Kein Alpengletscher schaffte es auf Bistumsgebiet jemals weiter. Abzulesen sind diese eiszeitlichen Vorgänge noch heute anhand von Seiten- und Endmoränen, also Hügelformationen, die aus mitgeführtem Geröll von den Gletschern geschaffen wurden.
Wo eiszeitliche Gletscher ihr Werk getan haben, ist das Landschaftsbild oft abwechslungsreich und lieblich, so wie hier am Egglburger See bei Ebersberg. Foto: © Burghardt
Münchner Schotterebene
Die größte Ebene im Bistumsgebiet ist die flache, karge, steinige Münchner Schotterebene. Im Norden geht sie in die ebenfalls völlig flachen ehemaligen Moorgebiete des Dachauer, Freisinger und Erdinger Mooses über, die seit dem 19. Jahrhundert allerdings großenteils trockengelegt sind.
Rund um München ist vielerorts Schotterebene in Reinform anzutreffen: völlig flach und karg. Foto: © Burghardt
Findlinge
Besonders spannende Relikte der Eiszeit sind die Findlinge: Dabei handelt es sich um einzelne Felsblöcke aus den Alpen, die von einem Gletscher viele Kilometer weit transportiert wurden – bis der Gletscher abschmolz und der Felsbrocken zum Liegen kam. Viele dieser Findlinge befinden sich in Gegenden, in denen es ansonsten gar keine Felsen gibt; sie wurden daher schon früh als Fremdkörper erkannt und oftmals als „Teufelssteine“ benannt.
Manche Findlinge sind viele Tonnen schwer, wurden aber trotzdem vom Gletscher weit transportiert. Foto: © Burghardt
Georgenstein
Er sieht aus wie ein eiszeitlicher Findling, ist aber keiner: der Georgenstein, ein einzelner, auffälliger Felsblock in der Isar auf der Höhe von Baierbrunn. Seine Herkunft ist viel profaner als bei den eiszeitlichen Findlingen, die vom Gletscher aus den Alpen ins Flachland transportiert wurden: Er ist einfach nur aus dem Isar-Steilhang oberhalb seines jetzigen Standorts abgebrochen.
Der meterhohe Georgenstein stellte früher eine Gefahr für die Flößer auf der Isar dar. Foto: © Burghardt
Alte und hohe Bäume
Die ältesten Bäume innerhalb der bistumseigenen Forste sind die etwa 350 Jahre alten Eichen im Klosterwald von Maria Eich bei Planegg, direkt vor den Toren Münchens. Der höchste Baum in den bistumseigenen Forsten steht aber an anderer Stelle: Es ist vermutlich eine rund 48 Meter hohe Douglasie nahe Marwang bei Traunstein.
Die Wallfahrtskirche Maria Eich liegt mitten in einem wunderschönen Eichenwald. Foto: © Burghardt
Größter Wald
Mit 90 Quadratkilometern Fläche – das ist knapp ein Drittel der Fläche Münchens – ist der Ebersberger Forst das größte zusammenhängende Waldgebiet außerhalb der Alpen.
Wald ohne Ende, mal dicht, mal licht, gibt’s im Ebersberger Forst zu erkunden. Foto: © Burghardt
Starnberger See
Mit einer Fläche von 56 Quadratkilometern ist der Starnberger See der zweitgrößte See im Bistumsgebiet nach dem Chiemsee. Zählt man aber nur Seen, die vollständig im Erzbistum München und Freising liegen, ist der Tegernsee mit neun Quadratkilometern der zweitgrößte.
Der Starnberger See an einem Sommertag. Foto: © Burghardt
Hoher Peißenberg
Mit 988 Metern Höhe bildet der Hohe Peißenberg die höchste Erhebung im Alpenvorland. Mit meteorologischer Station, Wallfahrtskirche und Gasthof auf seinem Gipfel ist er ein hervorragender Aussichtspunkt mit Fernsicht in alle Richtungen und deswegen auch ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel.
Blick vom Hohen Peißenberg auf den Ort Hohenpeißenberg und in die Alpen. Foto: © Burghardt
Zugspitze und Höllentalferner
Mit 2962 Metern ist die Zugspitze der höchste Berg in ganz Deutschland. Auf seiner schattigen Nordostseite liegt etwa 500 Meter unterhalb des Gipfels der Höllentalferner, der letzte echte Gletscher Deutschlands. Alle anderen Gletscher – Watzmanngletscher und Blaueis in den Berchtesgadener Alpen sowie Nördlicher und Südlicher Schneeferner im Zugspitzgebiet – sind infolge der Klimaerwärmung bereits verschwunden oder zu Gletscherresten zusammengeschmolzen.
Höchster Punkt Deutschlands: die Zugspitze. Foto: © Burghardt
Urwaldrelikt
Nur noch selten gibt es echte Urwälder, denn selbst schwer zugängliche Bergwälder wurden in früheren Jahrhunderten oft zur Brennholzgewinnung abgeholzt. Sogar die Wälder rund um den Königssee – heute im streng geschützten Nationalpark Berchtesgaden – wurden einstmals nahezu vollständig gerodet, da man das Holz als Brennmaterial zur Salzgewinnung brauchte. Ein noch unberührtes kleines Urwaldrelikt ist in den Blaubergen nahe dem Achenpass zu finden.
In den Blaubergen ist noch ein Urwaldrelikt erhalten. Foto: © Burghardt
Teufelsgraben bei Holzkirchen
Durch den Teufelsgraben floss noch vor einigen tausend Jahren die Isar, bevor sich ihr Lauf zur heutigen Route änderte. Das einstige Flusstal ist heute noch als weitgehend trockener Graben auf einer Länge von knapp 15 Kilometern erhalten. Dass man sich früher die Entstehung eines solchen Grabens ohne vorhandenen Flusslauf nicht erklären konnte, mag wohl ausschlaggebend für die Benennung als „Teufelsgraben“ gewesen sein. Wer sich den Teufelsgraben einmal selbst anschauen will: Der S-Bahnhof Kreuzstraße liegt genau darin; auf einem Wanderweg kann man durch den Teufelsgraben bis ins Mangfalltal gehen, wo die Mangfall in Richtung Rosenheim fließt.
Die Mangfall bei Grub, wo vor Tausenden von Jahren noch die Ur-Isar durch den Teufelsgraben einmündete. Foto: © Burghardt
Moore und Filze
Die Rosenheimer Stammbeckenmoore zwischen Bad Feilnbach und Raubling sind ein großes Feuchtgebiet, das wie die meisten Moorgebiete teils trockengelegt und durch Torfabbau verändert wurde. In den Sterntalfilzen ist jedoch noch echte Sumpflandschaft enthalten.
Sterntalfilze zwischen Bad Feilnbach und Raubling. Foto: © imago/imagebroker
Inn
Mit rund 120 Kilometern Fließstrecke von Kiefersfelden bis Töging ist der aus den Schweizer Alpen stammende Inn der zweitlängste Fluss innerhalb des Erzbistums.
Inntal bei Brannenburg. Foto: © Burghardt
Chiemsee
Der mit weitem Abstand größte (und zugleich auch inselreichste) See des Erzbistums ist der Chiemsee mit einer Fläche von 80 Quadratkilometern. Nach dem Bodensee und der Müritz ist er der drittgrößte See Deutschlands.
Der Chiemsee wird auch „Bayerisches Meer“ genannt. Foto: © imago/Westend61
Hindenburglinde
Zu den größten Linden in Europa zählt die geschätzt 700 Jahre alte Hindenburglinde in der Ramsau bei Berchtesgaden.
Die Hindenburglinde im Frühjahr 2017. Foto: © imago/Westend61
Felsklammen
In den Bayerischen Alpen haben sich zahlreiche Bäche tief ins Gestein eingegraben und Schluchten von außergewöhnlicher Schönheit geschaffen. Viele dieser Felsschluchten sind mit Steiganlagen zugänglich gemacht worden. Zu den spektakulärsten Klammen zählen – von West nach Ost – die Höllentalklamm und die Partnachklamm im Wettersteingebirge, die Sulzleklamm und die Seinsbachklamm auf der Westseite des Karwendelgebirges, die Krottenbachklamm, die Dürrachklamm, die Walchenklamm und die Hühnerbachklamm in den Karwendel-Vorbergen, die Entenlochklamm und die Weißbachschlucht in den Chiemgauer Alpen und die Wimbachklamm sowie die Almbachklamm in den Berchtesgadener Alpen.
Natürliche „Badewannen“ in der Almbachklamm bei Marktschellenberg. Foto: © Burghardt
Steinerne Agnes
Zu den außergewöhnlichsten Felsformationen zählt die Steinerne Agnes, ein pilzförmiger Felsturm von mehreren Metern Höhe im Lattengebirge im Berchtesgadener Land. Der Name geht auf mehrere Sagen zurück, nach denen es sich bei dem Felsgebilde um eine versteinerte Frau handelt.
Wie eine Faust aus Fels reckt sich die Steinerne Agnes in den Himmel. Foto: © Burghardt
Kilometerlange Höhlen
Vor allem in den Karstgebirgsmassiven der Berchtesgadener Alpen befinden sich Hunderte von Höhlen. Zu den berühmtesten zählen die erst 1996 entdeckte Riesending-Schachthöhle im Untersberg – mit 1.149 Metern Tiefe die tiefste und mit 22,6 Kilometern Länge die längste Höhle Deutschlands – und die 1959 entdeckte Salzgrabenhöhle im Steinernen Meer, in der es einen unterirdischen Fluss gibt.
Der Eingang der Salzgrabenhöhle, von innen her gesehen. Foto: © Burghardt
Watzmann
Der Watzmann ist nach der Zugspitze und dem Hochwanner der dritthöchste Berg Deutschlands und sogar der höchste, der komplett auf deutschem Staatsgebiet steht. Zu den Besonderheiten dieses einzigartigen Bergs zählt die Watzmann-Ostwand, die höchste Felswand der gesamten Ostalpen, und die Eiskapelle an ihrem Fuß, ein ganzjährig vorhandenes hohles Eisgebilde, das sich aus dem Lawinenschnee aus der Ostwand speist. Auch das zwischen Watzmann und Hochkalter gelegene Wimbachtal, ein von fließendem Geröll angefülltes Hochgebirgstal, ist alpenweit eine Besonderheit.
Blick aus der Watzmann-Ostwand zu den Watzmannkindern und zum Kleinen Watzmann. Foto: © Burghardt
Königssee und Obersee
Der Königssee ist mit 190 Meter Tiefe der tiefste See auf Bistumsgebiet. Trotz Hunderttausender Besucher aus aller Welt ist er dank strengster Schutzmaßnahmen noch immer ein urtümliches Naturjuwel mit Trinkwasserqualität. Der Obersee, sein kleinerer, stillerer und vielleicht noch idyllischerer Nachbar, steht ihm in nichts nach. Der oberhalb des Obersees herabstürzende Röthbachfall ist mit über 400 Metern der höchste Wasserfall Deutschlands.
Idyllischer geht es kaum: Felswände spiegeln sich im Wasser des Obersees. Foto: © Burghardt
Funtensee
Große Bekanntheit erlangte der Funtensee, ein kleiner Gebirgssee auf 1600 Meter Höhe im Steinernen Meer, als in einer Winternacht –45,9 °C gemessen wurden – die niedrigste jemals in Deutschland gemessene Temperatur. Seitdem gilt der Funtensee als „Kältepol“ Deutschlands.
Der Funtensee gilt als kältester Ort Deutschlands. Foto: © Burghardt



