Kultur und Wissen
13.06.2025

Die Rose - die Königin der Blumen

Ob im Garten oder als Strauß zum Geburts- und Hochzeitstag: Die Rose ist sehr beliebt. Aus der gewöhnlichen Hagebutte wurden bisher 30.000 verschiedene Sorten gezüchtet. Von der Kirche erst beargwöhnt, hat sie heute große Symbolkraft.
    

Wahrlich riesig: der Rosenstock am Hildesheimer Dom. Etwa zwei Wochen im Jahr blüht er prachtvoll. Wahrlich riesig: der Rosenstock am Hildesheimer Dom. Etwa zwei Wochen im Jahr blüht er prachtvoll. Foto: © Daniel Pilar/KNA

Sie steht unbeachtet an fast jedem Straßenrand, und ein Gärtner würde ihr wohl eher als Unkraut zu Leibe rücken, aber wenn sie wie in diesen Tagen in Hildesheim ihre Knospen öffnet, ist es zumindest den norddeutschen Medien regelmäßig eine Nachricht wert: Der Hildesheimer Rosenstock blüht! Das Ereignis lockt die Besucher an, staunend stehen sie an der Apsis des Doms und bewundern die eher unscheinbaren zartrosa Blätter. Zwei Wochen etwa dauert das Schauspiel, dann ist es wieder vorbei und das Hildesheimer Wahrzeichen ist das, was es eigentlich ist: eine gewöhnliche Hundsrose.

Triebe schoben sich durch die Trümmer

Legendär sind ihr Alter und ihre Symbolkraft: Vor tausend Jahren, beim Bau der Bischofskirche, soll der Rosenstock der Legende nach gepflanzt worden sein. Und als der Dom in den letzten Kriegswochen nach der Bombardierung am 22. März 1945 wie der Rest der Stadt in Schutt und Asche lag, da dauerte es nicht lange, bis sich die ersten Triebe wieder durch die Trümmer schoben – für die Bewohner der Stadt ein Zeichen der Hoffnung, für viele ein Wunder. Egal, ob man das so sieht oder es eher der unbändigen Kraft einer Wildpflanze zuschreibt: Inzwischen, 80 Jahre später, ist die Rose wieder viele Meter hoch und braucht ein geschmiedetes eisernes Stützgerüst.

Die wohl bekannteste Rose Norddeutschlands hat optisch so gar nichts zu tun mit ihren hochgezüchteten Schwestern, die leidenschaftlich in den Beeten gepflegt und gerne als Zeichen der Liebe und Zuneigung verschenkt werden. Mehr als 30.000 Sorten gibt es heute, betörend duftend und in unzähligen Farbnuancen. Sie wollen Aufmerksamkeit ohne Ende, machen Arbeit, stechen mit ihren Dornen – und trotzdem gilt die Rose als Königin der Blumen, begleitet den Menschen nachweisbar seit der Antike und ist verbunden mit symbolbeladenen Geschichten, Sagen und Mythen.
    

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Christen war die Rose zu protzig

Archäologen sagen, dass es die Ur-Rose seit etwa 25 Millionen Jahren gibt, aber es waren die alten Griechen, die ihr viel später besondere Aufmerksamkeit widmeten, die sie in Liedern besangen und sich an ihrer damals noch einfachen Schönheit erfreuten. Auch die Ägypter hatten ihren Anteil. Kleopatra, gleichermaßen berühmt wie berüchtigt für ihre Verführungskünste, soll ihren Geliebten Marcus Antonius in einem Gemach empfangen haben, dessen Boden über und über mit Rosen bedeckt war. Immerhin war die Blume zu Zeiten der ägyptischen Königin bereits ihrer Erdverbundenheit enthoben und der Liebesgöttin Isis geweiht. Und die Römer nicht zu vergessen: Sie kultivierten die Rose auf Feldern als Schmuck und Glücksbringer, Kaiser Nero in seiner durchgeknallten Extravaganz ließ Wege, die er beschritt, mit ihren Blüten bestreuen.

Prunk, Verschwendungssucht und Laster verbanden die ersten Christen zunächst mit der Rose, sie sahen in ihr angesichts solch vermeintlicher Verkommenheit ein zutiefst heidnisches Symbol, mit dem sie nichts zu tun haben wollten. Und das, obwohl sie in der Bibel zumindest an den wenigen Stellen, in denen sie vorkommt, in höchsten Tönen gepriesen wird. „Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern“, heißt es beispielsweise im Hohelied der Liebe – gemeint ist die Erhabenheit, mit der diese Freundin als etwas ganz Besonderes unter all den anderen Frauen hervorsticht. 

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Pflanzenteile als Heilmittel

Erst Karl der Große erreichte, dass die Rose ihren gebührenden Platz bekam: In seiner Landgüterverordnung von 794 verpflichtete er alle kaiserlichen Höfe, die „Rosa gallica ‚Officinalis‘“, die gewöhnliche Hagebutte, anzubauen. Denn mittlerweile war bekannt, dass Blätter, Samen und Wurzeln gegen Entzündungen helfen, das Herz stärken und Schmerzen lindern.

Damit gab auch die Kirche ihre anfängliche Zurückhaltung auf, die Rose hielt Einzug in die Kunst, wurde zum Symbol, beispielsweise für Maria, die Mutter Jesu. Weil sie der christlichen Lehre nach von Anfang an ohne Erbsünde ist, wurde sie zur „Rose ohne Dornen“. Seit dem 11. Jahrhundert ist der Rosenkranz bekannt, eine besondere marianische Gebetsübung; der Name erinnert an die Tradition, Marienfiguren mit Blüten- oder Rosenkränzen zu schmücken. 

Zeichen für die Auferstehung 

Gerade in diesen Tagen entfaltet eine Blume ihre Blütenpracht, die zwar landläufig als Pfingstrose bezeichnet wird, aber botanisch zu den sogenannten Hahnenfußgewächsen gehört. Sie spielt in der christlichen Symbolik ebenfalls eine wichtige Rolle – als Zeichen für die Auferstehung und das Leben nach dem Tod, also auch wie eine Rose ohne Dornen.

Zu dieser Familie gehört übrigens auch die Butterblume, an sich hübsch anzusehen, aber bei Gärtnern zurecht als hartnäckiges Unkraut gefürchtet: In den Beeten breitet sie sich mit ihren Ausläufern in Windeseile aus. Freude und Verdruss liegen in der Pflanzenwelt also mal wieder dicht beieinander.

Stefan Branahl