Deswegen ist Tolkien heute noch Kult
Vom Hobbit bis zum „Herrn der Ringe“: J.R.R. Tolkiens Werke haben Kultstatus. Beim Internationalen Tolkien-Lesetag am 25. März stehen in diesem Jahr die „unerwarteten Helden“ im Mittelpunkt.
Szene aus dem zweiten Teil der Verfilmung des „Herrn der Ringe“ von 2002. Foto: © imago/Everett Collection
„In einer Höhle unter der Erde lebte ein Hobbit“ – mit diesem unscheinbaren Satz begann eine literarische Erfolgsgeschichte, deren Ende bis heute nicht abzusehen ist. Der britische Oxford-Professor J.R.R. Tolkien kritzelte ihn in den 1930er Jahren auf die Rückseite einer Examensklausur. Aus der spontanen Eingebung entstand zunächst „Der Hobbit“ (1937), später folgte mit „Der Herr der Ringe“ (1954/55) ein monumentales Werk, das längst zu den Klassikern der Weltliteratur zählt. Bis heute begeistern die Bücher Generationen von Leserinnen und Lesern in der ganzen Welt – nicht nur am Internationalen Tolkien-Lesetag am 25. März.
Ins Leben gerufen wurde dieser Aktionstag von der britischen Tolkien Society. Jedes Jahr steht der Tag unter einem eigenen Motto, 2026 lautet es „Unlikely Heroes“ – „Unerwartete Helden“. Damit rückt eine Facette von Tolkiens Werk in den Mittelpunkt, die viele Leser besonders anspricht und Hoffnung gibt: die stillen, oft unterschätzten Figuren, die über sich hinauswachsen.
Das Datum mit Bedacht gewählt
Dass der Lesetag ausgerechnet am 25. März begangen wird, ist kein Zufall. In „Der Herr der Ringe“ wird an diesem Datum der Eine Ring vernichtet und der Dunkle Herrscher Sauron besiegt, womit das Dritte Zeitalter Mittelerdes endet. Zugleich beginnt eine neue Zeit. Die Deutsche Tolkien Gesellschaft weist darauf hin, dass in Gondor an diesem Tag sogar das neue Jahr anbricht – der Lesetag wird so gewissermaßen zur literarischen Neujahrsfeier.
Auch historisch und religiös ist das Datum aufgeladen. Tolkien, ein konservativer britischer Katholik, legte den entscheidenden Sieg über das Böse auf den Tag von Mariä Verkündigung. An diesem Fest erinnert die Kirche daran, dass der Engel Maria die Geburt Jesu ankündigt. Bis ins Jahr 1752 wurde der 25. März in Großbritannien und seinen Kolonien zudem als offizieller Neujahrstag gefeiert, bekannt als „Lady Day“.
Wie kann man sich beteiligen?
Was muss man tun, um teilzunehmen? Man greift zu Tolkiens Werken wie „Der Hobbit“, „Der Herr der Ringe“ oder dem komplexen „Silmarillion“. Die Tolkien Gesellschaft fordert dazu auf, das in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #TolkienReadingDay zu posten. Oder man nimmt an den Veranstaltungen der Deutschen Tolkien Gesellschaft teil. In Dresden etwa widmen sich die Städtischen Bibliotheken gemeinsam mit einem Tolkien-Stammtisch dem Thema „Frauen in Mittelerde“.
Was aber macht die besondere Anziehungskraft aus? „Tolkiens Welt ist unfassbar vielschichtig“, sagt der 18-jährige Frederik, der das Werk „Der Herr der Ringe“ zum ersten Mal mit neun Jahren gelesen hat. „Es gibt unzählige Lieder, Mythen, Vorgeschichten und natürlich die verschiedenen Sprachen. All das sowie zahlreiche Nebenhandlungen hat Tolkien perfekt in das große Bild des Epos eingeflochten. Diese Details verleihen der Handlung eine unglaubliche Tiefe.“
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Wunderschöne Parabel
Johannes, heute 35, hat nach seiner Erinnerung mit etwa 12 Jahren zum ersten Mal den „Herrn der Ringe“ gelesen, weil seine Mutter und seine Brüder mit großer Begeisterung von den Büchern sprachen. „Dieses Motiv des großen Bösen, das in einem Ring gebannt ist und nur durch dessen Zerstörung besiegt werden kann, hat mich immer fasziniert. Und dann die Hobbits, die eigentlich unscheinbaren kleinen Figuren, die am Ende die wahren Helden sind – das ist eine wunderschöne Parabel.“
Zum diesjährigen Motto „Unerwartete Helden“ fallen Frederik sofort mehrere Figuren ein: „Sam natürlich. Aber auch Pippin und Merry. Sie zeigen alle erst gegen Ende richtig, was sie in sich haben, und plötzlich sind sie, die vorher eher mitgezogen und beschützt wurden, die Helden der Geschichte.“ Johannes hält – ähnlich wie Frederik – Pippin für einen „unerwarteten Helden“: „Er ist zwar oft für die komischen Momente zuständig, hat aber trotzdem eine wichtige, tragende Rolle. Seine Unbedarftheit und sein Mut machen ihn für mich zu einem sehr sympathischen, unerwarteten Helden.“
Die Bücher von Tolkien faszinieren mittlerweile mehrere Generationen von Lesern und Leserinnen. Das, was sie vielleicht gerade im Moment so ansprechend macht, ist, dass sie in dieser unübersichtlichen Welt Hoffnung geben: Der Hobbit Frodo und seine Gefährten kämpfen für das Gute und sie siegen am Ende, um eine neue friedliche Welt im Auenland aufzubauen.
Christiane Laudage



