Fußball Mönchengladbach
Der katholische Kern der „Fohlen“
Die „Fohlen-Elf“ aus Mönchengladbach gehört zu Deutschlands bekanntesten Fußballvereinen, auch international. Der Welterfolg vom Niederrhein, der die Preußen im Namen trägt, hat auch einen knallkatholischen Kern.
Szene in einem Europapokalspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Twente Enschede im Mai 1975 Foto: © imago/piemags
Der „Bökelberg“ im Stadtteil Eicken, wo Legenden wie Günter Netzer, Berti Vogts oder Jupp Heynckes in den 1970er Jahren fünf Deutsche Meisterschaften feierten, ist heute nur noch ein grüner Park mit Straßenlaternen, breiten Treppen und einer Umbauung von Wohnhäusern. 2004 zog Borussia Mönchengladbach in den neu erbauten Sportpark Nord um. Doch mit dem allerersten Platz, auf dem die Borussia ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts kickte, hatte es eine besondere Bewandtnis.
Eicken im Norden Mönchengladbachs entwickelte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts aus einigen verstreut liegenden Häusern zu einem Stadtteil mit einer eigenständigen Infrastruktur. Die rasante Entwicklung der Textilindustrie ließ die Bevölkerung dort rasch anwachsen. Im Dezember 1876 wurde die erste eigene Kirche am Ort geweiht: Sankt Maria Rosenkranz.
Ein Fußballplatz für katholische Jünglinge
Wenige Jahre später wurde in Deutschland eine Sportart populär, die der Oberschicht zunächst durchaus ein Dorn im Auge war: Fußball. Doch der Kaplan von Maria Rosenkranz begriff rasch die Zeichen der Zeit – und stellte der „Marianischen Jünglingskongregation“ am Ort einen Fußballplatz zur Verfügung. Wohl auch deshalb hatte dieser Verein junger Männer, der eine gemeinsame Freizeitgestaltung im Sinne der katholischen Kirche zum Ziel hatte, in Eicken regen Zulauf.
Parallel gründete sich im November 1899 in der Eickener
Gastwirtschaft „Anton Schmitz“ eine lose Spielgemeinschaft namens „FC
Borussia“. Die jungen Kicker hatten zwar Lust auf Leibesübungen – aber
eben keinen Spielplatz. Zum Jahresbeginn 1900 beschlossen die Borussen
also, geschlossen in die Marianische Jünglingskongregation einzutreten;
freilich unter interner Beibehaltung des Namens Borussia. Am 1. August,
vor 125 Jahren, folgte die offizielle Vereinsgründung des Fußball-Klubs
„FK Borussia 1900“ München Gladbach oder kurz: M.Gladbach, wie man
damals noch schrieb.
Konflikt mit der Sonntagspflicht
Auf der halbfrommen Verbindung von Kicken und Kirche lag allerdings kein Segen. Da die Borussia ambitioniert war und ihre sportlichen Wettkämpfe sonntags austrug, litt natürlich der damals noch verpflichtende Gottesdienstbesuch. Streit mit dem Präses der Marien-Kongregation, Kaplan Johannes Honnef, war programmiert. In einem Rundschreiben „An meine Kongreganisten“ beklagte er: „Was nützt es, wenn ich Fußballklubs einrichte, und die Mitglieder lassen sich durch das Spiel von der Kirche abhalten?“
In der Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Borussia liest man
von „Mißhelligkeiten zwischen den Vorständen der Kongregation und dem FC
Borussia“; und weiter: „Die Leitung der Mar. Jüngl. Cong. stellte uns
die Annahme eines Reglements zur Bedingung, welches ein ferneres
Bestehen des Clubs unmöglich machte.“ So habe man – „nach langen
unerquicklichen Verhandlungen“ – schließlich am 24. Mai 1903 einstimmig
den Austritt aus der Kongregation beschlossen.
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Ab in die Kiesgrube
So blieb die Verbindung zwischen der Pfarrei Sankt Maria Rosenkranz und der Borussia nur eine Episode. Später – 1914 beziehungsweise 1919 – zog der Verein um auf ein Gelände der einstigen Kiesgrube „De Kull“ an der Bökelstraße. Von diesem Bökelberg-Stadion als eigener Festung zog der Provinzverein vom Niederrhein dann aus, um Fußball-Europa zu erobern.
In der Fußgängerzone von Eicken, nur einen Katzensprung vom alten Stadion entfernt, erinnert die Bronzeplastik „Fohlen-Kicker“ des Bildhauers Bonifatius Stirnberg von 1975 an diese goldenen Zeiten; sie zeigt die drei Gladbacher Legenden Berti Vogts, „Hacki“ Wimmer und Günter Netzer.
Übrigens: Nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerte sich die Borussia wieder ihrer vergangenen Verbindung zur Eickener Pfarrei. An den Kosten zur Beseitigung der Kriegsschäden im Inneren der Kirche Maria Rosenkranz beteiligte sich der Verein 1951 mit den Einnahmen eines Freundschaftsspiels.
Alexander Brüggemann



