Kultur und Wissen
10.03.2026


 Das war die Katastrophe von Fukushima 

15 Jahre ist es her, dass sich im japanischen Fukushima ein mehrfaches Unglück ereignete, das die ganze Welt in Atem hielt. Die Entsorgungsarbeiten könnten noch Jahrzehnte dauern. Die Folgekosten der Dreifach-Katastrophe (Seebeben, Tsunami, Kernschmelze) werden auf Hunderte Milliarden Euro beziffert. Zum 15. Jahrestag zeichnet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) wichtige Stationen der dramatischen Ereignisse nach. 
    

Hubschrauberaufnahme des havarierten Kernkraftwerks vom 16. März 2011. Hubschrauberaufnahme des havarierten Kernkraftwerks vom 16. März 2011. Foto: © imago/ABACAPRESS


11. März 2011: Um 14.46 Uhr (deutsche Zeit: 06.46 Uhr) beginnt östlich der japanischen Hauptinsel Honshu das sogenannte Tohoku-Seebeben. Das Epizentrum liegt etwa 160 Kilometer vom Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi („Fukushima I“). Wenige Sekunden später wird die Schnellabschaltung der Reaktoren 1 bis 3 ausgelöst. Gleichzeitig wird durch die Stärke des Bebens die externe Stromversorgung zerstört. Dieselgeneratoren starten eine Notstromversorgung. Alle sechs Blöcke von Fukushima I schalten zunächst problemlos auf Notkühlung um. 

Nach 15.30 Uhr treffen am Kraftwerk Tsunami-Wellen von 13 bis 15 Meter Höhe ein. Die rund zehn Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Reaktorblöcke 1 bis 4 werden bis zu fünf Meter überspült. Die Meerwasserpumpen werden zerstört; Wärme kann nicht mehr ins Meer abgegeben werden. Die Hälfte der Notstromaggregate fällt aus. 400 Mitarbeiter der Betreiberfirma Tepco werden für den Notfalleinsatz mobilisiert – viel zu wenige. Gleichzeitige Unfälle in mehreren Blöcken sieht der Notfallplan nicht vor. Trümmer und Straßenschäden behindern die Arbeiten. Die meisten Kommunikationswege sind ausgefallen. Um 19.03 Uhr ruft die Regierung einen „nuklearen Notstand“ aus. 

Durch den Stromausfall („Schwarzfall“) reicht die Kühlung nicht mehr aus. Generatorfahrzeuge kommen wegen Verkehrsbehinderungen, überschwemmter Anschlusspunkte und zu kurzer Kabel zu spät, um die einsetzende Unfallserie zu stoppen. Durch Überhitzung dringt Wasserstoff in die Reaktorgebäude. Im Reaktor 1 ereignet sich die erste Kernschmelze; radioaktive Stoffe gelangen in die Umwelt und werden von wechselnden Winden in verschiedene Himmelsrichtungen verteilt. 

12. bis 15. März: Mehrere Explosionen ereignen sich in den Blöcken 1, 3 und 4. Die Reaktorgebäude werden teils schwer beschädigt, die Rettungsarbeiten zusätzlich erschwert. Hoch radioaktiver Schutt wird hinausgeschleudert. In Block 2 tritt extrem kontaminiertes Wasser aus. Block 4 brennt. 

Am 12. März erweitert die Regierung die Evakuierung von zunächst 3 auf 20 Kilometer Umkreis. Am Abend ordnet Ministerpräsident Naoto Kan die Einleitung von Meerwasser an; hierdurch nehmen die Reaktoren zwangsläufig Schaden. Kernschmelze in Reaktor 1. 

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13. März: Kernschmelze in Reaktor 3. 

14. März: Aufgrund der Strahlenbelastung auf dem Gelände erwägt Tepco, das Kraftwerk aufzugeben und alle Mitarbeiter abzuziehen, erhält aber keine Erlaubnis der Regierung. Kernschmelze in Block 2. 

15. März: Wasserstoffexplosion in Block 4. Der folgende Brand erlischt bald wieder. Nach Einschätzung der US-Atomaufsicht hätte eine Kettenreaktion in diesem Reaktor bis zu 200.000 Menschen durch freiwerdende Strahlung töten können. Alle Tepco-Mitarbeiter bis auf rund 50 sowie 130 weitere Arbeiter von Fremdfirmen, Feuerwehr und Streitkräften werden vorübergehend evakuiert. 

17. bis 22. März: Provisorische Kühlung mit Wasserwerfern. Von einer benachbarten Hochspannungsleitung aus werden neue Leitungen verlegt, um die Kühlsysteme wieder ans Netz zu bringen. Die Reaktorblöcke 5 und 6 sind ab 20. März wieder stabil. Block 1 und 2 werden ans Stromnetz angeschlossen, bis 22. März alle übrigen Blöcke. Die Reaktoren 1 und 3 sind weiter instabil; mehrmals steigt die Aktivität des Reaktorkerns. Überdruck, Kernschmelzen und Meerwasser haben die Druck- und Sicherheitsbehälter beschädigt; laufend entweichen kontaminierter Dampf und Kühlwasser. 

25. März: Die Regierung rät allen Bewohnern im Umkreis von 30 Kilometern, das Gebiet freiwillig zu verlassen. Die 20-Kilometer-Zone wird bestätigt. Die Kühlung wird schrittweise von Meer- auf Süßwasser umgestellt. 

Ende März: In den Reaktoren 1 bis 3 wird das Kühlwasser weiter in großen Mengen hoch radioaktiv verseucht. Teile davon verdampfen und sind je nach Wetterlage als weiße Dampfschwaden über den Reaktorblöcken zu sehen. Bis 4. April sammeln sich so rund 60.000 Tonnen radioaktives Wasser. Der Boden des Geländes wird damit durchtränkt, was weitere Arbeiten an elektrischen Systemen verhindert. Verseuchtes Wasser gelangt ins Meer.  

Bis 10. April pumpt Tepco weitere rund 10.000 Tonnen kontaminierten Wassers mit einer Radioaktivität von 150 Milliarden Becquerel ins Meer, um Platz für die Lagerung des kontaminierten Abwassers zu schaffen. Japanische Fischer sowie die Anrainer Südkorea, Russland und China protestieren. 

6. April: Als erste längerfristige Sicherungsmaßnahme beginnt das Binden radioaktiven Staubs mit gesprühtem Kunstharz. Durch die Explosionen versprengte radioaktive Abfälle auf dem Gelände räumt Tepco über ein Jahr mit unbemannten Spezialfahrzeugen ab. Die Emissionen ins Meer gehen bis Ende April durch Abdichtungsarbeiten auf ein Bruchteil zurück. 

22. April: Die 20-Kilometer-Zone wird offiziell zum Sperrgebiet erklärt, da immer wieder Bewohner eindringen und zurückkehren wollen. 

Ende September:
Die bedingte 30-Kilometer-Evakuierungszone wird aufgehoben. 

Oktober: Die Temperatur aller geschmolzenen Reaktoren liegt wieder stabil bei unter 100 Grad. 

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375.000 Gebäude zerstört 

Insgesamt starben durch die Flutwelle an der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu mehr als 18.000 Menschen. Fast eine halbe Million Personen wurden in Notunterkünften untergebracht. 375.000 Gebäude wurden ganz oder zum Teil zerstört. Untersuchungen zufolge kommt es unter den Umgesiedelten etwa fünfmal häufiger zu psychischen Störungen als im Landesdurchschnitt. 

Unter den betroffenen Senioren stieg die Sterblichkeit in den ersten drei Monaten um das Dreifache. Die Zahl der Toten im havarierten Kraftwerk sowie durch die Evakuierung oder ihre Folgen wird auf etwa 600 beziffert. Insgesamt wird langfristig mit bis zu 10.000 Toten durch die Atomkatastrophe und ihre Folgeerkrankungen gerechnet. Direkte Strahlungserkrankungen machen davon nur den geringeren Teil aus. 

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KNA
Artikel von KNA
Katholische Nachrichten-Agentur
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