Preisverleihung 2024
Ausgezeichnete Kinderbibliotheken und Jugendbuchautoren
Zum 18. Mal ist der Kinderbibliothekspreis vergeben worden. Er will Büchereien unterstützen, die sich der Leseförderung und der Bildung junger Menschen widmen.
Foto: © SMB/Bierl
Martina Leßmann und Anita Gmell strahlen in die Kameras: Die Leiterinnen der Bücherei Ergolding bei Landshut haben am 11. Juli den Sonderpreis des Kinderbibliothekspreises 2024 entgegengenommen. Mit 5.000 Euro ist er dotiert und „die gehen natürlich gleich in die Anschaffung neuer Medien“, erklärt Martina Leßmann. Und ihre Kollegin ergänzt: „Eine Bücherei muss aktuell sein und mit der Zeit gehen.“ Gerade seien unter jungen Lesern Mangas, Comics und Graphic Novels gefragt, Bücher, in denen Bilder eine große Rolle spielen. Anita Gmell findet das auch gar nicht schlimm: „Im Gegenteil, diese Medien sind eine Brücke für leseschwächere Kinder, denen sich über das Bild der Text öffnet und die dadurch Spaß am Buch finden.“ Den vermittelt die Bücherei in Ergolding schon den Kleinsten bei Vorlesestunden für Kinder ab zwei Jahren.
Martina Leßmann und Antia Gmell aus Ergolding bei Landshut durften den Sonderpreis des Kinderbibliothekspreises 2024 entgegennehmen. Foto: © SMB/Bierl
Spielzeug gehört zur Bibliothek wie Bücher
Und wenn zwischendurch die Aufmerksamkeit erschlafft, gibt es eine Spielzeugecke. Büchereien wie in Ergolding sorgen dafür, dass Buben und Mädchen Schlüsselfähigkeiten erwerben: Lesen lernen, sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten erfahren, mit Medien und Informationen umgehen können. Den „normalen“ Kinder- und Jugendbibliothekspreis haben die Ergoldinger schon einmal vor ein paar Jahren gewonnen. Mit dem darf eine Bücherei nicht zwei Mal ausgezeichnet werden. Doch wer weiterhin glänzt, kann den Sonderpreis gewinnen. „Der ist wirklich eine besondere Auszeichnung, weil die Gewinner nicht aufgehört haben, gut zu sein, und sich nicht ausgeruht haben“, sagt Stefan Eß, der Direktor des katholischen Büchereifachverbandes Sankt Michaelsbund. Auch er darf den Preis genießen, denn Ergolding gehört dem Sankt Michaelsbund an, der die bibliothekarische Arbeit in über 1.000 haupt- wie ehrenamtlich geführten öffentlichen Büchereien unterstützt: vom Regalkauf bis zur Katalogisierung, von Besprechungen neuer Bücher bis zur Fortbildung.
Viel Grund zur Freude beim Sankt Michaelsbund
Und Stefan Eß hat noch mehr Grund zur Freude. Denn von den vier regulären Kinderbibliothekspreisen gingen zwei ebenfalls an Michaelsbund-Büchereien: im mittelfränkischen Wolframs-Eschenbach und im oberfränkischen Baunach, ebenfalls mit je 5.000 Euro dotiert. „Dieser Glanz fällt auch auf alle anderen unserer Büchereien“, erklärt Stefan Eß mit einigem Stolz, „denn überall leisten sie hervorragende Arbeit bei der Leseförderung und für die Kultur gerade abseits der Großstädte.“ Die beiden weiteren Preise 2024 gingen nach Winhöring in Oberbayern und Markt Stockstadt in Unterfranken, die der staatlichen Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen angeschlossen sind.
Gute Kinderbibliotheken brauchen gute Kinderliteratur
Kinderbibliotheken sind jedoch auf gute Literatur angewiesen. Darum wird zusammen mit dem Kinderbibliothekspreis auch der Korbinian – Paul-Maar-Preis an Nachwuchsautoren vergeben. „Bücher machen Kinder fit für die Zukunft, und da kommt’s in erster Linie auf die Qualität an“, erläutert Claudia Pecher, die als Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in der Jury sitzt. Diese Qualität soll der Preis unterstützen und deutschsprachige Autoren fördern, die sich insbesondere gegen viele Übersetzungen aus dem Englischen behaupten müssen. In diesem Jahr hat Anne Becker den Preis für ihren Roman „Luftmaschentage“ über ein ungleiches Freundespaar erhalten. Neben der finanziellen Unterstützung „ist es vor allem die öffentliche Aufmerksamkeit, die ein solcher Preis bewirkt, und deshalb bin ich doppelt dankbar“, so Anne Becker, deren Werk die Jury vor allem wegen seiner sprachlichen Meisterschaft und der ebenso spannenden wie unterhaltsamen Geschichte überzeugt hat.
Verleihung des Paul-Maar-Preises an die Nachwuchsautorin Anne Becker (v.l.n.r. Paul Maar, Anne Becker, Claudia Pecher) Foto: © SMB/Bierl
Lesen schafft Gemeinschaft
Neben dem berühmten Sams-Erfinder Paul Maar stiftet die Bayernwerk AG diese mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung. Ebenso finanziert das Energieunternehmen den dieses Jahr zum 18. Mal vergebenen Kinderbibliothekspreis sowie die 50 sog. „Lesezeichen“, die Büchereien vor allem auf dem Land mit je 1.000 Euro fördern. Ein Engagement, das dem Vorstandsvorsitzenden des Bayernwerks, Egon Leo Westphal, viel bedeutet. Auch 2024 lässt er sich Preisverleihungen, dieses Mal in Regensburg, nicht entgehen. „Das Lesen ist ein Schlüssel, um Gemeinschaft zu bilden“, sagt Westphal, „und das gibt Rückenwind fürs ganze Leben“. Ein Rückenwind, der vielleicht gerade jetzt besonders wichtig ist und den die vielen Büchereien mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern entfachen helfen. Und das ist in jedem Fall preiswürdig.



