Jahr der Frauen in der Landwirtschaft
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Landesbäuerin Christine Singer kommentiert, was das für Bayern bedeutet – und für sie persönlich.
Nur neun Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern werden von Frauen geleitet. Foto: © imago/photothek
Das UN-Jahr der Landwirtin 2026 lenkt den Blick auf etwas, das wir in den Bauernfamilien längst wissen: Frauen spielen in den landwirtschaftlichen Betrieben eine zentrale Rolle. Sie treiben nachhaltige Entwicklungen voran und tragen zum Erhalt der Wertschöpfung in unseren Regionen bei. Sie sind hoch engagiert, gut ausgebildet und entwickeln unsere Betriebe in die Zukunft.
Aktuell werden aber nur rund neun Prozent der Betriebe in Bayern von Frauen geleitet. In den kommenden Jahren steht bei fast der Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern die Hofnachfolge an. Wenn Frauen dabei nicht selbstverständlich mitgedacht werden, verschenken wir enormes Potenzial, sowohl fachlich und unternehmerisch als auch menschlich. Oft sind es nicht fehlende Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern Rahmenbedingungen, die Frauen von der Betriebsleitung abhalten: unsichere Einkommensperspektiven, viel Bürokratie bei der Betriebsführung, die Kreditvergabe bei Investitionen oder die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Betrieb.
Unterschätzte Mehrfachbelastung
Gerade diese Mehrfachbelastung wird häufig unterschätzt. Viele Frauen
in landwirtschaftlichen Betrieben sind Betriebsmanagerinnen,
Familienorganisatorinnen, Arbeitgeberinnen, Mütter und pflegende
Angehörige zugleich. Sie sichern Einkommen auch durch vielfältige
Einkommenskombinationen, engagieren sich im Ehrenamt und halten das
soziale Gefüge im ländlichen Raum zusammen. Dass viele dieser Leistungen
statistisch und gesellschaftlich oft unsichtbar bleiben, wird ihrer
Bedeutung nicht gerecht.
Ein UN-Jahr der Landwirtin kann hier
viel bewegen. Es kann Wertschätzung schaffen und Vorbilder sichtbar
machen. Es kann gesellschaftliche und politische Impulse setzen wie etwa
bei der gesetzlichen Verankerung des Mutterschutzes für Selbstständige,
der Stärkung und dem Ausbau der Dorf- und Betriebshilfe oder bei fairen
Übergaberegelungen. Vor allem aber kann es das Bewusstsein stärken:
Landwirtschaft ist auch ein Berufsfeld für Frauen, in dem sie mehr
Verantwortung übernehmen, gute Entscheidungen treffen und die Zukunft
mitgestalten können. Dabei geht es ganz besonders um
Betriebsleiterinnen, aber auch um in der Landwirtschaft angestellte
Frauen, um mitarbeitende Familienangehörige – und darum, dass
interessierte Quereinsteigerinnen eine Chance bekommen, einen Betrieb
weiterzuführen.
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„Wir werden an unsere Tochter übergeben“
Es geht auch darum, dass Töchter in Familienbetrieben als Hofnachfolgerinnen gesehen werden. So wie auf unserem familieneigenen Betrieb, bei dem heuer die Hofnachfolge ansteht. Wir werden 2026 den Betrieb an unsere Tochter übergeben und freuen uns, dass wir den „Sandlhof“ an eine gut ausgebildete Landwirtschaftsmeisterin mit großer Leidenschaft für die Tierhaltung und gutem Gespür für betriebliche Entscheidungen übergeben können. So bekommt das UN-Jahr der Landwirtin für mich, meinen Mann und unseren Betrieb unter künftiger Führung der Tochter eine ganz praktische Bedeutung.
Christine Singer, Landesbäuerin des Bayerischen Bauernverbands



