Gerechtigkeit
23.02.2026


Im Wirtshaus Rede und Antwort stehen 

Rechtspopulistische oder rechtsextreme Überzeugungen und Äußerungen nehmen an Häufigkeit und Intensität zu. Zugleich fühlt sich ein Großteil der Bevölkerung ohnmächtig gegenüber dieser wachsenden Gefahr für die Demokratie. Im Dachauer Forum wurde nun ein Kurs entwickelt, in dem Demokratiebotschafterinnen und -botschafter ausgebildet werden.  
     

Annerose Stanglmayr und Norbert Göttler haben das neue Kursformat entwickelt und bisher bereits 33 Demokratiebotschafterinnen und -botschafter ausgebildet. Annerose Stanglmayr und Norbert Göttler haben das neue Kursformat entwickelt und bisher bereits 33 Demokratiebotschafterinnen und -botschafter ausgebildet. Foto: © SMB/Strauß-Richters

„Wir hatten damit gerechnet, dass sich vielleicht zehn Personen anmelden werden. Aber innerhalb kürzester Zeit waren wir bei 40 Anmeldungen. Wir mussten sogar eine Warteliste anlegen“, freut sich Annerose Stanglmayr, die Geschäftsführerin der katholischen Bildungseinrichtung in Dachau.  

An sieben Abenden diskutieren die Teilnehmer Grundsatzfragen wie: Hat unsere Demokratie noch Zukunft? Sind Menschenrechte heute noch universell einforderbar? Mitkonzipiert hat den Kurs der ehemalige Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler. Er hat in der ländlichen Region rund um Dachau Interessantes beobachtet: „Wir haben hier Orte, die haben zum Beispiel 10 Prozent AfD-Anteil und andere Orte, die haben 30, 35 Prozent. Soziologisch sind die völlig gleich. Das heißt, da gibt es jeweils Meinungsmacher, Stimmungsmacher, pro Demokratie oder gegen Demokratie, und wir müssen unsere Seite stärken und Leute ausbilden, die vor Ort, im Wirtshaus, in der Familie, im Verein, Rede und Antwort stehen können.“ 

Demokratie und Menschenrechte 

Denn nur, wer eine gute Wissensbasis hat, kann auch Antworten geben und schlagfertig reagieren. Beispielsweise auf die Behauptung, Demokratie sei doch bloß eine Sache der westlichen Staaten. Man könne das doch nicht auf andere Staaten in Asien oder Afrika übertragen, weil deren Geschichte so anders verlaufen sei, dass ihnen demokratisches Denken fremd sei. Norbert Göttler hält das für rassistisch: Die Form von Demokratie kann ganz unterschiedlich sein, das haben wir ja hier in Deutschland auch erlebt – direkte, indirekte Demokratie und so weiter. Aber eine Form von Demokratie, von Mitbestimmung – die will eine Bevölkerungsschicht überall.“ 

In dem Block, in dem bei der ersten Durchführung des Kurses darüber diskutiert wurde, ob Menschenrechte noch universell einforderbar seien, referierte Göttler eine unter despotischen Staatsführern weitverbreitete Meinung. Die sagten nämlich, Menschenrechte seien auf christlichem Boden gewachsen, also in Westeuropa, und deshalb sei man daran nicht gebunden. „Das ist immer die Argumentation der Mächtigen. Fragen Sie jemanden, der im Folterkeller sitzt oder im Gefängnis, der wird eine andere Meinung haben.“ 
     

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Haltung zeigen 

In einem weiteren Modul ging es um Strategien in schwierigen Kommunikationssituationen. Da sei es abhängig von den Umständen, wie man Haltung zeige, erklärt Annerose Stanglmayr. Manchmal könne man nur mit einer kurzen, auch körperbetonten Geste zeigen, dass man anderer Meinung sei, ohne tiefer ins Gespräch einzusteigen. In anderen Situationen könne man sich aber auch auf ein Gespräch einlassen: „Da empfiehlt es sich, zuzuhören, wo die Hintergründe sind. Und nachzufragen und festzuklopfen auf das Konkrete.“ 

Der Kurs richtet sich ausdrücklich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Allen Teilnehmern sei klar, dass man nach dem Besuch des Kurses nicht alle Rechtsextremen umstimmen kann, meint Göttler. Mit den Parteifunktionären, die sich ideologisch komplett festgelegt hätten, sei kein Dialog mehr möglich. Aber es gebe noch die andere Gruppe von Menschen, „die unsicher und unzufrieden sind und in einer ersten Reaktion dann populistische Parteien wählen. Das ist die Szene, auf die wir einwirken und mit der wir auch persönlich ins Gespräch kommen wollen. Die sind meines Erachtens noch gesprächsfähig.“ 

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Es geht um langfristige Arbeit

Es seien auch nicht nur die Kommunalwahlen im März, auf die der Kurs hingearbeitet habe. Dem Bildungswerk gehe es um langfristige Arbeit. Denn man sei „überzeugt, dass uns eine solche Thematik noch Jahre und Jahrzehnte beschäftigt“. 33 Demokratiebotschafterinnen und -botschafter konnten im Dezember ihr Zertifikat entgegennehmen – der nächste Kurs ist bereits ausgeschrieben. 

Der nächste Kurs für Demokratiebotschafter beginnt am 13. April.
Anmeldung unter www.dachauer-forum.de.

Innehalten-Hörtipp
Brigitte Strauß-Richters
Artikel von Brigitte Strauß-Richters
Redakteurin