Gertrud Müller

Brückenbauerin zwischen Bayern und Polen - Biografie
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Bayern im Buch-Rezension
Bewahrung der kulturellen Identität und aktive Integration in die neue Heimat.
Die Historikerin Daniela Neri-Ultsch widmet sich in diesem Buch der Rolle der Frauen in den Bereichen Flucht, Vertreibung, Neustart und Integration, speziell in Bayern. Die Autorin beschreibt und analysiert diese belastenden Erfahrungen an der Biografie von Gertrud Müller, geb. Jonas, die ab ihrem 10. Lebensjahr durch das Engagement ihres Vaters in der „Landsmannschaft der Oberschlesier (LdO)“ mit den Problemen Heimatverlust, Glaube, Tradition, kulturelle Identität, aber auch mit Integrationsbemühungen konfrontiert war und sich mit zunehmendem Alter mit diesen Themen auseinandersetzte und sich in diesen Feldern stark engagierte. 1936 in Gleiwitz (Oberschlesien) geboren und geprägt von Traditionen und einem tiefen katholischen Glauben, erlebt Gertrud die Flucht mit ihrer Mutter und den Geschwistern - u.a. die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945 -, das Ankommen im niederbayerischen Gossersdorf und eine vor Ort mühsame Integration. Nach der Rückkehr des Vaters zieht die Familie nach München. Gertrud engagiert sich in der LdO, wird Gruppenleiterin, fördert die Zusammenarbeit mit einheimischen Gruppen und Vereinen sowie die aktive Teilnahme an gesellschaftlichen Ereignissen, hält aber gleichzeitig an oberschlesischen Bräuchen und Traditionen fest, z.B. Barbara-Tag, St. Anna-Fest. Dieses offene Miteinander, das Zugehen auf andere und das gleichzeitige Bewahren und Weitergeben ihrer oberschlesischen Traditionen vertritt Gertrud Müller in Gesellschaft und Politik, besonders nach dem Zerfall der UdSSR und der Öffnung der Grenzen. Sie wird zur Brückenbauerin zwischen Bayern und Polen, organisiert und unternimmt Fahrten in die alte Heimat und initiiert grenzüberschreitende kulturelle Zusammenkünfte. Gertrud Müllers Lebensgeschichte zeigt, dass gerade Frauen, die als Flüchtlingskinder nach Bayern kamen, durch ihr privates wie öffentliches Engagement zu einem neuen Frauenbild beitrugen und großen Anteil an den neuen gesellschaftlichen Entwicklungen hatten. - Speziell, dennoch empfehlenswert!
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Artikelbeschreibung

Das Buch beleuchtet die Rolle von Frauen bei Flucht, Vertreibung und Neubeginn in Bayern anhand der Lebensgeschichte von Gertrud Müller (geboren 1936 in Gleiwitz/Oberschlesien). 1945 floh sie als Kind mit ihrer Familie nach Bayern, wo ihre Jugend geprägt war von Verlust und Verantwortung. Dann wird sie vom »Flüchtlingsmädchen« im Internat zur erfolgreichen Industriekauffrau und Direktionsassistentin bei der Modefirma März. Als Vorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier engagierte sie sich für kulturelle Identität und wirkte nach 1990 als Brückenbauerin nach Polen. Gertrud Müllers Biografie zeigt, wie vertriebene Frauen durch Bildung, Beruf und Engagement neue Rollenbilder prägten und zur gesellschaftlichen Entwicklung sowie zur Verständigung zwischen Bayern und Polen beitrugen.

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Personeninformation

Prof. Dr. Daniela Neri-Ultsch lehrt Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Regensburg und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle »Kultur und Erinnerung. Heimatvertriebene und Aussiedler in Bayern«, die an der Universität Regensburg und am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg verankert ist. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Europäische Zeitgeschichte nach 1945, Demokratie- und Geschlechtergeschichte. Anlässlich »75 Jahre Flucht und Vertreibung nach 1945« präsentierte das Haus des Deutschen Ostens die Wanderausstellung »Ungehört - die Geschichte der Frauen. Flucht, Vertreibung und Integration« für die Daniela Neri-Ultsch das Ausstellungskonzept erarbeitete.
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