Die Abschottung der Welt

Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen. 1933-1945
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Buchprofile - Rezension
Wie schwer es jüdische Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland hatten, irgendwo Aufnahme zu finden.
„Mit dem Beginn des Massenmordes dauerte es noch mehr als ein Jahr, bis die Alliierten diesen öffentlich verurteilten und die Bestrafung der Täter androhten. Doch ihre Haltung gegenüber den Verfolgten änderte sich nicht.“ Dieses ernüchternde Ergebnis, das ja nur die Situation der jüdischen Bevölkerung ab 1941 in Deutschland und in den besetzten Gebieten im Blick hat, benennt die Historikerin Susanne Heim als nur einen Punkt im dramatischen Scheitern der internationalen Flüchtlingshilfe während der NS-Zeit. In diesem fundiert recherchierten Buch gelingt ihr eine umfassende Analyse, die zugleich eine historische Bestandsaufnahme (Abläufe, Verträge, Abkommen) darstellt, die „perfiden Barrieren“ zahlreicher, demokratisch verankerter Länder aufzeigt und kritisch hinterfragt, aber auch Parallelen zur heute praktizierten Flüchtlingspolitik anklingen lässt. Die Thematik untersucht sie unter vier Gesichtspunkten: Unterschiedliche Fluchterfahrungen, ungleiche Chancen (Geschlecht, Alter, Vermögen), freiwillige Emigration oder Zwang – Verhalten der Zufluchts- oder Aufnahmeländer, humanitäre Verpflichtung gegen nationales Interesse, Arbeitsmarktbelastung, Sicherheitsrisiko – Uneinigkeit und Konkurrenz auf internationaler Ebene – Rolle diverser Hilfsorganisationen und Interessenvertretungen. In ihren Ausführungen betont die Autorin die besonders problematische Situation der jüdischen Bevölkerung, die ja keinen eigenen Staat hatte, der sie rechtlich vertreten oder absichern konnte, und die durch NS-Gesetze (u.a. Berufsverbot, Enteignung, Reichsfluchtsteuer) meist mittellos und rechtlos war. Historisch genau und gut lesbar beschreibt Heim die systematische Ausschaltung der Juden aus dem öffentlichen Leben bis hin zum Vollzug der Endlösung, erarbeitet jedoch auch kritisch das Verhalten der potenziellen Zufluchtsländer, die großteils nationales Interesse über humanitäres Handeln stellten. Für geschichtlich Interessierte sehr empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

"Deutschland muss ihnen ein Land ohne Zukunft sein": Nach dieser Devise wurden Juden in Deutschland bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs entrechtet, enteignet und gedemütigt, um sie außer Landes zu treiben. Doch wohin? Susanne Heim hat erstmals systematisch untersucht, welche perfiden Barrieren die freien Länder der Welt gegen die Flüchtlinge errichteten. Ihr anschaulich erzähltes Buch führt eindringlich vor Augen, warum nur so wenigen Juden die Flucht gelang - bis der NS-Staat die Emigration verbot und den Massenmord organisierte.

In Deutschland drangsaliert und verfolgt, versuchten viele Juden verzweifelt, sich ins Ausland zu retten. Doch potenzielle Zufluchtsstaaten schlossen ihre Grenzen und schotteten sich mit jeder weiteren deutschen Expansion stärker ab. Der Völkerbund und die US-Regierung bemühten sich erfolglos, die Flüchtlingspolitik zu koordinieren: Auf der Konferenz im französischen Évian berieten im Juli 1938 Staaten und Hilfsorganisationen über die Aufnahme von Flüchtlingen - ohne Ergebnis. Die Nazis höhnten, niemand wolle die Juden haben. Weil Flüchtlingen eine reguläre Einreise verwehrt blieb, bestiegen sie seeuntüchtige Boote, bezahlten Fluchthelfer und gingen illegale Wege, um sich in Sicherheit zu bringen. Susanne Heims konzises und anschauliches Buch ist ein großer Wurf: Noch nie wurden die internationale Flüchtlingspolitik und ihr dramatisches Scheitern so umfassend beschrieben. Eine notwendige und beklemmende Lektüre, denn die demokratischen Staaten scheinen bis heute nur wenig dazugelernt zu haben.

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Personeninformation

Susanne Heim, Historikerin und Politikwissenschaftlerin, war Projektleiterin der wissenschaftlichen Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 bis 1945", Gastprofessorin in Wien und hat an einschlägigen Institutionen und Archiven in Jerusalem, Washington, Cincinnati und New York geforscht.

Pressestimmen

"Es ist ein grundlegendes Werk: Noch nie wurden die internationale Flüchtlingspolitik und ihr dramatisches Scheitern so umfassend beschrieben. Eine notwendige und beklemmende Lektüre, denn die demokratischen Staaten scheinen bis heute nur wenig dazugelernt zu haben."
taz

"Eine umfassende historische Untersuchung: sorgfältig dokumentiert, analytisch und zurückhaltend im Ton ... Susanne Heims hervorragendes Buch ist unverzichtbar, um zu verstehen, warum die Flucht der europäischen Juden so oft scheiterte. Zugleich erinnert es daran, dass die Geschichte der Verfolgung immer auch eine Geschichte der verweigerten Aufnahme ist."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tania Martini

"Eine eindringliche Studie über das Versagen der Staatengemeinschaft vor dem Holocaust."
Sachbuchbestenliste von Deutschlandfunk Kultur, ZDF und DIE ZEIT, Platz 7, April 2026

"Was bis lang fehlte, war die umfassende, systematische Darstellung der Vertreibung und Flucht aus (und vor) Nazideutschland und der Hilfe für die Geflüchteten. Diese Leerstelle hat Susanne Heim jetzt geschlossen ... Nein, wir streben heute keine gute Welt an. Allen, die eine bessere wollen, sei Heims fundiertes und spannendes Werk als Pflichtlektüre empfohlen."
Der Freitag, Klaus Lederer

"Bravo für das materialreiche Buch!"
FALTER, Alfred Pfoser
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