Die Fremde

Band 887
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Buchprofile - Rezension
Autofiktionaler Roman auf der Suche nach einer Bestimmung, bzw. Definition von Fremdheit.
Die Autorin erzählt ihre eigene außergewöhnliche Geschichte. Sie ist das Kind gehörloser Eltern. Die Tochter lernt mühsam mit der Situation umzugehen. Die Familie – es gibt auch einen Bruder – wandert nach New York aus, wo die Tochter zur Welt kommt. Sie bringt sich die Sprache der Gehörlosen mühevoll selbst bei. Die Familie wird in den USA nicht nur wegen der Gehörlosenproblematik nicht glücklich und kehrt wieder nach Italien zurück, in den Süden des Landes. In der Region Basilicata, einer rückständigen, verarmten Gegend, muss die Tochter nun wieder eine Sprache lernen, auch die Gebärdensprache ist anders als in Übersee. Wie in Amerika erlebt sie nun auch in der neuen ihr unbekannten Heimat die Fremdheit, ihr Anderssein wegen ihrer Eltern. Sie ist nicht Claudia, sie ist immer die Tochter der Stummen. Es geht hauptsächlich um die Beziehung zur Mutter und deren Ansprüche, Bedürfnisse, und wie die Tochter indem schwierigen Feld rebelliert, ohne die Pflichten, die Betreuung der Mutter zu vernachlässigen. Die Geschichte enthält groteske Passagen und gefühlvolle Beschreibungen der Alltäglichkeiten. Das Buch, erstmals 2021 im Wiener Zsolnay Verlag auf Deutsch erschienen, ist außergewöhnlich, sowohl was die Sprache als auch die Handlung angeht. Es sind aneinander gereihte Themenkapitel ohne chronologische Abläufe. Aber es ist eine sehr eingängige, teils humorige und berührende Geschichte, die ob ihrer Besonderheit durchaus Beachtung und eine zahlreiche Leserschaft verdient.
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Artikelbeschreibung

Ihre Mutter und ihr Vater lernen sich kennen, als er versucht, sich in Rom vom Ponte Sisto zu stürzen. Sie rettet ihn. Nein, es war anders: Vater und Mutter lernen sich kennen, als er sie vor einem Überfall am Bahnhof Trastevere rettet.Der Anfang des Familienmythos ist umstritten. Fest steht aber: Claudia Durastanti erzählt in diesem Roman eine ganz besondere Geschichte - ihre eigene. Beide Eltern sind gehörlos. In den sechziger Jahren sind sie nach New York ausgewandert, Claudia kommt in Brooklyn zur Welt. Als kleines Mädchen zieht sie mit Mutter und Bruder in ein abgelegenes Dorf in Süditalien. Mit Büchern, Comics und Fernsehen bringt sie sich selbst die Sprache bei, die ihr die Eltern nicht geben können.Unsentimental, mit viel Humor und einem Blick für leuchtende Details erzählt Durastanti von den Facetten der Fremdheit, von Migration und Einsamkeit, von Suche und Sucht nach Sprache.

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Kontakt: mail@wagenbach.de

Personeninformation

Claudia Durastanti, 1984 in Brooklyn geboren, ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie war Fellow an der American Academy in Rom und gehört zu den Gründern des Italian Festival of Literature in London. Ihr gefeierter vierter Roman »Die Fremde« stand auf der Shortlist für den Premio Strega und wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Sie lebt in Rom.

Pressestimmen

»Claudia Durastantis Roman ist eine Rettungsboje in den dunklen Gewässern der Erinnerung.« Ocean Vuong
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