Liebe Wut Wahnsinn

Roman. Übersetzt von Claudia Steinitz, mit einem Nachwort von Kaiama L. Glover, aktualisiert und kommentiert von Nathalie Lemmens
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Buchprofile - Rezension
Aktualisierte Neuausgabe eines der wichtigsten literarischen Werke Haitis.
In drei voneinander unabhängigen Novellen schildert die Autorin das ewige Drama ihres Heimatlandes Haiti, das durch immer wieder aufflammende bürgerkriegsähnliche Zustände, Despotismus und den Hass verschiedener Bevölkerungsgruppen aufeinander nicht zur Ruhe kommt. Seit der Unabhängigkeit Haitis, das Joch der weißen Kolonialherren kaum abgeschüttelt, erheben sich hellhäutige "Mulatten" über die dunkleren und Schwarze und umgekehrt. In "Liebe" lässt Vieux-Chauvet Claire, als Einzige in einer hellhäutigen verarmten Mulattenfamilie dunkel, von der damit verbundenen persönlichen Tragik erzählen, die sie zur 39-jährigen Jungfer werden ließ, ihre lustvollen Sehnsüchte verbergend, voll Eifer- und Rachsucht, aber auch Dünkel und Überheblichkeit gegenüber den Schwarzen, die sich schließlich entladen im Mord am schwarzen Bezirkskommandanten. In "Wut" opfert sich die blutjunge Tochter, um dem Vater den Ruin zu ersparen und wird als Pfand für Geldgeschäfte 30 Tage zum Sexspielzeug des "Gorilla", ebenfalls ein schwarzer Despot. Dem "Wahnsinn" verfällt ein liebeskranker Dichter aus dem Armenviertel, Angst und Hunger im Schnaps ertränkend, um sich schließlich mit Todesmut den uniformierten Teufeln entgegenzuwerfen, die über die Stadt gekommen sind. Nicht alles, aber viel davon stellt einen direkten Bezug zum damals brutal herrschenden "Papa Doc" Duvalier und seinen "Tonton Macoutes" her, Vieux-Chauvets Mann kaufte deswegen alle in Haiti befindlichen Exemplare auf, Vieux-Chauvet musste dennoch bald ihr Heimatland verlassen. Ein mutiger Aufschrei gegen Unterdrückung, Diskriminierung und Hass, inhaltlich vielschichtig und sprachlich vollendet geschrieben.
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Artikelbeschreibung

«Nennt mich schamlos und unmoralisch. Verpasst mir die schlimmsten Schimpfnamen, wenn es euch erleichtert, aber ihr werdet mich nicht mehr einschüchtern.»

In «Liebe» beobachtet Claire voller Sehnsucht das Liebes- und Eheleben ihrer beiden Schwestern. Als Einzige mit dunkler Haut geboren, bleiben ihr Glück und Erfüllung verwehrt. Doch gegen ihre erotischen Wünsche ist Claire machtlos. Die heimliche Liebe zu ihrem Schwager steigert sich zur Besessenheit, als sie sich plötzlich mit einem Messer in der Hand wiederfindet.

In «Wut» wird die junge Rose vom Vater genötigt, sich einem Soldaten hinzugeben, um die gewaltsame Okkupation ihrer Ländereien zu verhindern. Doch ihre Mutter und ihr Bruder wissen, dass man sich vor gesetzlosen Despoten nicht der Ohnmacht ausliefern darf. Sie setzen alles daran, das Schlimmste zu verhindern.

In «Wahnsinn» wartet der Dichter René auf seine Hinrichtung. Wehrlos den Handlangern der Diktatur ausgeliefert, scheint es für ihn keine Hoffnung mehr zu geben. Da, in seiner dunkelsten Stunde, verleihen ihm die Seelen der Toten und die Einflüsterungen der Poesie ungeahnte Kräfte.

Marie Vieux-Chauvets Roman in drei Novellen ist ein Plädoyer für Freiheit und Menschlichkeit, dessen souveräne, kompromisslose Erzählkunst über alle Schrecknisse der Wirklichkeit triumphiert. Die schonungslose Anklage gegen das haitianische Regime, das die Autorin einst ins Exil trieb, entpuppt sich aus heutiger Sicht als zeitlose Chronik des Widerstands gegen Rassismus, Willkür und das Unrecht des Stärkeren.

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Personeninformation

Marie Vieux-Chauvet (1916-1973) wurde in Port-au-Prince in Haiti geboren. Ihr Vater war haitianischer Politiker, die Mutter stammte von den ehemals spanischen, seit 1898 zu den Vereinigten Staaten gehörigen Jungferninseln. Sie besuchte die l'Annexe de l'École Normale d'Institutrices und machte 1933 ihren Abschluss als Grundschullehrerin. Kurz darauf heiratete sie Aymon Charlier, einen Arzt, ließ sich aber vier Jahre später scheiden. Ihren zweiten Mann, Pierre Chauvet, heiratete sie 1942. Ab 1947 trat sie als Theaterautorin in Erscheinung. Ihr erster Roman «Töchter Haitis» (Fille d'Haïti) erschien 1954 und wurde mit dem Prix de l'Alliance Française ausgezeichnet. Es folgten die Romane «Tanz auf dem Vulkan» (La Danse sur le Volcan, 1957) und «Wiedersehen in Fonds-des-Nègres» (Fonds des Nègres, 1960), für letzteren wurde sie mit dem Prix France-Antilles geehrt. Als François Duvalier Präsident wurde und sich als Papa Doc zum Diktator aufschwang, bedeutete das für sie massive Einschränkungen. Sie war einziges weibliches Mitglied in der haitianischen Autorenvereinigung «Les Araignées du Soir». Die Trilogie «Liebe, Wut, Wahnsinn» (Amour, Colère, Folie, 1968) erschien auf Fürsprache Simone de Beauvoirs. Aus Angst vor Repressalien kaufte ihr Mann alle in Haiti befindlichen Exemplare auf. Schließlich musste sie ins US-amerikanische Exil gehen und lebte bis zu ihrem Tod in New York. Dort schrieb sie auch ihren letzten Roman, «Die Raubvögel» (Les Rapaces), der 1971 erschien.
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