Matei entdeckt die Freiheit

"Wenn Catalin Dorian Florescu erzählt, blühen die Seiten." Der Standard
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Buchprofile - Rezension
Rumänien. Ein ehemaliger politischer Gefangener blickt nach dem Sturz der Diktatur auf sein Leben zurück und beschließt, die ausbleibende Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen.
Nach dem Sturz der Diktatur in Rumänien Anfang der 1990er-Jahre trifft Matei in einem Bus in Bukarest zufällig auf Leutnant Pana, der Matei nach dessen Festnahme 1956 gefoltert hat. Acht Jahre saß Matei damals in einer der Strafkolonien dafür, dass er sich in Gedichten für mehr Freiheit einsetzte. Trotz der Liebe Monicas, die ihn nach der Haft bei sich aufnahm und ihm eine Stelle als Sargmacher besorgte, gab Matei seine alten Träume, Dichter zu werden, auf und fügte sich phlegmatisch in ein unauffälliges Leben. Als nun die Demokratie in Rumänien aufzublühen beginnt, wartet er vergeblich auf Gerechtigkeit. Da er mehr und mehr die Hoffnung verliert, beschließt Matei, selbst für Gerechtigkeit zu sorgen und sperrt Pana in ein selbst gebautes Gefängnis. In seinem Roman lässt Florescu die brutale Welt der rumänischen Straflager wiederaufleben. Einfühlsam beschreibt er die Grausamkeit, die Demütigungen und die Rücksichtslosigkeit der damaligen Diktatur, die versprach, das Land in ein goldenes Zeitalter zu führen. Doch auch der moralische Verfall der Gesellschaft wird analysiert. Denunziationen, Hunger und Armut bestimmten den Alltag. Und dennoch blieb auch in jener Zeit ein Funken Hoffnung, dort wo Solidarität und Liebe herrschten.
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Artikelbeschreibung

Ein kurzer Blick im Bus. Matei erkennt in Bukarest seinen früheren Peiniger aus dem Gefängnis wieder. Es sind die befreiten 1990er-Jahre, alles scheint möglich, sogar Gerechtigkeit ...

Der junge Matei wächst auf im pulsierenden Bukarest der 30er-Jahre, doch in der Diktatur verliert seine Familie alles. Und Matei wird wegen politischer Gedichte verurteilt, zur Lagerarbeit im Donaudelta, wo die Natur faszinierend, aber unbarmherzig ist und das Leben hart, mitunter tödlich. Die Menschlichkeit unter den Häftlingen hält ihn am Leben - und auch der Hass. Nach Jahren wird er begnadigt, erfährt Familienglück, doch nie echten Frieden. Als Matei nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in der neuen, großen Freiheit den «schönen Pana», einen Verhöroffizier, wiedersieht, will er sich den Geistern der Vergangenheit endlich stellen. Und fasst einen Plan.

Entlang eines Lebens erzählt Catalin Dorian Florescu wendungsreich, in aufwühlenden, poetischen Bildern das Drama des europäischen Ostens, das bis heute anhält. Eine große Reflexion über Glück, Rache, Gerechtigkeit und die Frage: Wann ist der Mensch wirklich frei?

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Personeninformation

Catalin Dorian Florescu, 1967 in Rumänien geboren, hat seine Kindheit in der kommunistischen Diktatur verbracht. 1982 gelang es seiner Familie, in den Westen zu gehen. Florescu studierte in Zürich Psychologie und arbeitet in einer therapeutischen Praxis. Für seine Romane, darunter Wunderzeit, Jacob beschließt zu lieben oder Der Mann, der das Glück bringt, hat er zahlreiche Preise erhalten, unter anderem den Schweizer Buchpreis, den Anna Seghers-Preis und den Eichendorff-Literaturpreis; in Rumänien wurde ihm die Kavaliersmedaille für kulturelle Verdienste verliehen. Catalin Dorian Florescu lebt in Zürich.

Pressestimmen

Stupende Erzählkraft und beeindruckende Sensibilität ... Kaum je zuvor ist von der Frühgeschichte und den Spätfolgen eines Gewaltregimes so eindringlich erzählt worden wie in diesem Roman. Deutschlandfunk Kultur
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