Die allerletzte Kaiserin

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die Lebensgeschichte der Johanna Fialla, die sich für die Enkelin von Thronfolger Rudolf hält.
Man könnte diesem Roman den Untertitel geben "Wie die Wirtstochter Claudia Hendl zur Schriftstellerin wurde", denn Diwiak erzählt nicht nur, wie sich Johanna Fialla ihre Abstammung aus dem Haus Habsburg-Lothringen zurechtgebastelt hat, sondern auch wie die biedere Wirtstochter in den Buchprozess einsteigt. Eine skurrile alte Dame mit aristokratischen Manieren betritt eines Tages die elterliche Gaststätte und Claudia gewinnt ihr Vertrauen, so dass sie ihre Lebensgeschichte erzählt. In eine Wiener Industriellenfamilie geboren, wächst sie mehr als behütet auf. Die Zeitläufe ziehen von ihr unbeachtet vorbei, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg einen ehrgeizigen Mann heiratet und bald in Depressionen verfällt. Die Wende kommt, als ihr der Soldat wiederbegegnet, den sie schon in einem Lazarett begeistert hat. Er ist aus familiären Gründen ein Habsburg-Geschichtsforscher geworden und überzeugt Johanna davon, dass sie die Enkelin von Thronfolger Rudolf ist, der die Tragödie von Schloss Mayerling überlebt hat. Über eine dritte Ehe und ein Hotel in Tirol mit ihrer Mutter verarmt Johanna und verdient sich ihren Alterslebensunterhalt mit der Zurschaustellung ihrer hochadeligen Herkunft. Claudia überträgt getreulich die aufgezeichneten Schilderungen der betagten Frau. Doch die Freundin lässt sie gegen Ende bös abblitzen, ehe beider Lehrerin den Humor in Claudias Texten erkennt. – Es wäre falsch, die Schilderungen der Johanna als Lebenslüge abzutun. Mit eben dem Humor, den Diwiak Claudia attestiert, lässt sie dadurch die jüngere Geschichte Österreichs Revue passieren und spießt Gedankengänge von Kaisertreuen auf. Die Gliederung mit den "Zwischenworten", in denen sie Claudia Zeit für Selbstreflexionen und Erfahrungen mit dem Schriftstellerwesen einräumt, gibt der Haupterzählung ein retardierendes und damit Spannung aufrechterhaltendes Moment. Eine vergnügliche Lektüre.
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Artikelbeschreibung

Kaiserin ist, wer sich selbst für eine hält

Claudia Hendl ist nicht unbedingt glücklich und noch weniger fantasiebegabt - bis eines Tages eine alte, egozentrische Dame in ihr Wirtshaus kommt. Ihr Name ist Johanna Fialla, und nachdem sie Vertrauen zu Claudia gefasst hat, eröffnet sie Unglaubliches: Sie, Johanna, sei in Wahrheit die Enkeltochter von Kronprinz Rudolf. Der habe sich nämlich gar nicht erschossen, sondern sei nur untergetaucht und habe unter falschem Namen eine neue Familie gegründet, dessen Sprössling Johannas Vater gewesen sei. Nach und nach erzählt Johanna ihre Lebensgeschichte, und Claudia, die niemals schriftstellerische Ambitionen gehabt hat, beginnt sie aufzuschreiben. Dabei erfährt sie vielleicht nicht unbedingt historische Fakten - aber sie erkennt, dass ein bisschen Fantasie das Leben erst lebenswert macht.

Irene Diwiaks Roman sprüht vor Witz, Biss und Originalität. Mit liebevoller Ironie und immerwährendem Augenzwinkern schenkt sie ihrer Protagonistin einen letzten großen Auftritt, der es in sich hat.

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Personeninformation

Irene Diwiak, geboren 1991 in Graz, ist eines der großen Erzähltalente ihrer Generation. Für ihre literarischen Texte sowie ihre Theaterstücke wurde sie vielfach ausgezeichnet. Ihr Debütroman »Liebwies« stand bereits auf der Shortlist für den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises. Es folgten ihre Romane »Malvita« sowie »Sag Alex, er soll nicht auf mich warten«.

Pressestimmen

»[Irene Diwiaks] mittlerweile vierter Roman steckt voller schräger Figuren, gut recherchierter Fakten und fantasievoller Fiktion.« Kleine Zeitung, Karin Waldner-Petutschnig
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