Die Überwindung der Schwerkraft

Roman
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Buchprofile - Rezension
Erinnerung sprich: Heinz Helles Roman-Monolog über einen verlorenen Bruder.
Der dritte Roman des Schweizer Schriftstellers Heinz Helle führt in die Nachtwelt der Erinnerung. Auslöser der Handlung ist der Tod der zweiten Hauptfigur, des älteren Bruders des Ich-Erzählers, was diesem die lange und aufwendige Reminiszenz an eine nächtliche Kneipentour in München abnötigt. Aus dem Nebel von Alkohol und Nikotin kristallisiert sich in diesem Erinnerungsmonolog so etwas wie ein globales Requiem heraus. Darin spielen die Kriegsvergangenheit der Eltern und Großväter, Geschichten von Mord und Kindesmissbrauch in Europa ebenso eine Rolle wie amerikanische Weltallbesiedlungspläne, Batman-Filme und das UN-Kinderhilfswerk. Und das alles in einem durchlaufenden Text, ohne Absätze, assoziativ gegliedert, was einen eigentümlichen Sog erzeugt, in den der Leser unweigerlich gezogen wird. Für größere Bestände.
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Artikelbeschreibung

Zwei Bier, und dann noch zwei - mehr braucht es nicht für etwas Nähe. Doch dass die Wärme des Alkohols nicht wirklich gegen die Kälte hilft, die draußen herrscht, wissen auch die beiden Brüder, die von Kneipe zu Kneipe ziehen. Der ältere trinkt längst ohne jeden Anlass, aus Trauer oder Wut angesichts einer Welt, die von Schmerzen und Leid, von Kriegen und Gewalt bestimmt ist. Und doch erzählt er dem jüngeren an diesem Abend nicht nur von Stalingrad und Marc Dutroux, sondern auch von seinem baldigen Vaterglück. Was beide nicht wissen: Es wird danach kein Wiedersehen geben. Nur einmal telefonieren sie noch miteinander. Der nächste Anruf, neun Monate später, ist die Nachricht vom Tod des älteren Bruders. Was bleibt, sind die Erinnerungen an ihn und Fragen: Warum das Ganze? Was wollen wir auf der Welt? Und was genau soll das überhaupt sein, leben und sterben?
Virtuos verknüpft Heinz Helle in seinem neuen Roman die Suche nach den Spuren des verstorbenen Bruders mit der Suche nach den Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Wie genau er die Geschwister dabei seziert, ist schmerzhaft-schön: ein gezielter Schlag in die Magengrube, durchfunkelt von Trost und Hoffnung.

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Personeninformation

Heinz Helle, geboren 1978, studierte Philosophie in München und New York und arbeitete als Texter in Werbeagenturen, bevor er Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel studierte. Seine Romane erscheinen im Suhrkamp Verlag, zuletzt Wellen 2022, eine literarische Auseinandersetzung mit Männlichkeit und Vaterschaft. Sein Roman Eigentlich müssten wir tanzen wurde in Helles eigener Fassung 2018 am Schauspiel Leipzig uraufgeführt. Prisma Bros ist sein erster originärer Theatertext, eingeladen zum Schweizer PLAY Festival im Mai 2026, die Uraufführung folgt in der Spielzeit 26/27 am Staatstheater Kassel. Helle lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Julia Weber, und den beiden gemeinsamen Töchtern in Zürich.

Pressestimmen

»Es geht ... in Helles Erinnerungsbuch zeitlich, thematisch, und erzählperspektivisch drunter und drüber. ... Dass der Leser dabei den Überblick nicht verliert, zeugt von Helles großer, erzählerischer Kunst und Verdichtung.« Philipp Haibach DIE WELT 20181201
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