Die Welt in ihren Händen

Die Abenteuer der Gertrude Bell in Mesopotamien.
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Buchprofile - Rezension
Reportageartiger Historienroman über Mesopotamien bzw. den Irak.
Gertrude Bell ist das Kind immens reicher englischer Eltern. Sie ist intelligent, wissbegierig und lernt mehrere Sprachen, unter anderem Arabisch. Sie beschäftigt sich mit Archäologie, und so ergibt es sich bald, dass sie in die historisch interessanteste Gegend im Mittleren Osten, nach Mesopotamien, reist, noch vor dem Ersten Weltkrieg. Dann im Krieg trifft sie auf Thomas Edward Lawrence, später bekannt als Lawrence von Arabien. Außerdem hat sie Kontakte mit den örtlichen Stammesfürsten. Die englische Regierung betraut sie aufgrund ihrer Kenntnisse und Kontakte mit heiklen Missionen als Orientsekretärin. Wie Lawrence versucht auch sie, den Arabern, trotz all deren politischer und religiöser Unterschiede, den vielen Claninteressen, einen eigenen Staat zu verschaffen. Wären da nicht die von England und Frankreich bereits im Vorfeld insgeheim getroffenen Absprachen wie das Sykes-Picot-Abkommen. Letztlich geht es um das Öl, das sich beide Mächte unbedingt sichern wollen. Lawrence und Bell scheitern zu guter Letzt mit ihren Vorstellungen, wie sich ein eigener arabischer Staat konstituieren sollte. Gertrude Bell ist, trotz all der Kenntnisse und des Ideenreichtums, ohne Fortune. Das trifft auch auf ihr Privatleben zu. Zeit ihres Lebens bleibt sie, trotz einiger unerfüllter Liebeleien, allein. – Für diesen Roman wäre der Originaltitel „Mesopotamia“ treffender. Das Buch ist außergewöhnlich informativ und faktenreich, von detaillierter Sachkenntnis geprägt. Das Romanhafte ist immer dann im Vordergrund, wenn es um die privaten Einblicke in das Leben der Gertrude Bell geht. Störend ist die zeitliche Verwürfelung der Geschehnisse. Immer wieder springt die Geschichte vom Ende des 18. Jh. in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und in die 1920er Jahre. Es ist ein äußerst interessantes, lehrreiches Buch. Auch für historisch bewanderte Leser:innen gibt es sicher neue, bisher unbekannte Aspekte zu entdecken. Gerne empfohlen.
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Was für ein Leben muss man führen, um die Geschichte einer ganzen Region mitzugestalten? Olivier Guez erzählt in seinem Roman „Die Welt in ihren Händen“ die Geschichte von Gertrude Bell, einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war und dennoch heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Bell wurde 1868 in England geboren und wurde Archäologin, Bergsteigerin, Forschungsreisende, Kartografin und schließlich politische Beraterin des britischen Empire. Jahrzehntelang bereiste sie den Nahen Osten, lernte Sprachen, erforschte antike Stätten und knüpfte enge Beziehungen zu arabischen Stammesführern. Dieses Wissen machte sie während und nach dem Ersten Weltkrieg zu einer der einflussreichsten Stimmen Großbritanniens in der Region. Olivier Guez schildert eindrucksvoll, wie Bell an der politischen Neuordnung des Nahen Ostens beteiligt war und eine entscheidende Rolle bei der Gründung des modernen Irak spielte. Dabei wird deutlich, wie stark die damaligen Entscheidungen bis heute nachwirken. Der Roman eröffnet damit nicht nur den Blick auf eine außergewöhnliche Frau, sondern auch auf die Ursprünge vieler aktueller Konflikte und Debatten über Kolonialismus, Machtpolitik und nationale Identität. Guez rekonstruiert kenntnisreich die Entstehung des modernen Nahen Ostens und zeichnet ein komplexes Bild der politischen Verhältnisse jener Zeit. Weil er die historische Tiefe eines Sachbuchs mit der erzählerischen Kraft eines Romans verbindet, liest sich das Buch trotz der großen Stofffülle erstaunlich leicht und spannend. Gertrude Bell bleibt dabei emotional oft schwer greifbar. Doch genau das empfinde ich als Stärke des Buches. Guez versucht nicht, ihr Innenleben künstlich auszuleuchten oder Gefühle zu erfinden, die sich historisch nicht belegen lassen. Stattdessen nähert er sich seiner Protagonistin mit respektvoller Distanz und lässt ihre Taten, ihre Entscheidungen und ihren Einfluss für sich sprechen. „Die Welt in ihren Händen“ ist eine ambitionierte, hervorragend recherchierte Romanbiografie über eine faszinierende, lange unterschätzte Frau. Gleichzeitig ist es ein Buch, das Geschichte lebendig macht und zeigt, wie eng die großen politischen Entwicklungen der Welt mit einzelnen Persönlichkeiten verbunden sein können. Wer sich für historische Stoffe, starke Frauenfiguren oder die Geschichte des Nahen Ostens interessiert, wird hier eine spannende Wieder- beziehungsweise Neuentdeckung erleben.

Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch
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Artikelbeschreibung

Das faszinierende Leben der Gertrude Bell, eingebettet in die bewegte Geschichte MesopotamiensBestsellerautor Olivier Guez verwebt die Lebensgeschichte von Gertrude Bell mit den Ereignissen im Nahen Osten nach dem Ersten Weltkrieg. Eine grandiose Mischung aus emotionalem Frauenporträt und eindrucksvollem Orientpanorama.Archäologin, Abenteurerin, Agentin des Britischen Empire: Gertrude Bell war mit Lawrence von Arabien seelenverwandt, eine enge Vertraute von Winston Churchill und die einzige Frau unter den mächtigen Männern Mesopotamiens. Sie liebte den Orient und wollte diese Region um jeden Preis befrieden. Bell war die missverstandene Tochter einer reichen viktorianischen Familie. Sie verlor viel zu früh ihre Mutter, kämpfte gegen die Erwartungen des Vaters und ging fast an einer tragischen Liebe zugrunde.Auf zwei Ebenen erzählt Guez atmosphärisch dicht und historisch versiert von den Ursprüngen der heutigen Konfliktregion und setzt der zu Unrecht Vergessenen ein fesselndes Denkmal.

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Pressestimmen

»pendelt [...] Olivier Guez routiniert zwischen Fakten und Fiktion, zwischen temporeicher Reprotageprosa und literarischer Seelenerkundung« Christoph Vormberg WDR Westart 20260606
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