Mama Odessa

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein Schriftsteller überdenkt das Verhältnis zu seiner Mutter, die aus Odessa nach Deutschland ausgewandert ist.
Die Familie des jüdischen Schriftstellers Mischa Grinbaum ist Anfang der 1970er Jahre von Odessa nach Deutschland emigriert. Ursprünglich wollte der Vater nach Israel auswandern, doch man ist in Hamburg hängengeblieben. Der Vater verlässt die kleine Familie wegen einer Deutschen, die Mischa abfällig „die Nazihure“ nennt. Nach dem Tod seiner Mutter Aljona durchforstet Mischa die Wohnung und findet Briefe, die nie abgeschickt wurden und unveröffentlichte Texte. Denn auch die Mutter hat in Deutschland angefangen zu schreiben und einen Band mit Erzählungen herausgegeben. – Maxim Biller erzählt in seinem neuen Roman fragmentarisch von Themen, die seinen Leser*innen vertraut sind. Wie bereits in „Sechs Koffer“ (BP/mp 18/931) geht es um die Liebe zur Literatur, um Familienverhältnisse, Herkunft, Ausgrenzung und den Holocaust. Er erinnert an die Ermordung Tausender Juden am Talbuchinplatz in Odessa durch rumänische Truppen und betont die Bedeutung der historischen Ereignisse für die Gegenwart. Gleichzeitig ist der Roman eine späte Annäherung eines Mannes an seine Mutter, deren Verhältnis stets zwischen Nähe und Distanz schwankte. Gerne empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Die Welt der russisch-jüdischen Familie aus Hamburg, um die es in Maxim Billers neuem Roman 'Mama Odessa' geht, ist voller Geheimnisse, Verrat und Literatur. Wir lesen aber auch ein kluges, schönes und wahrhaftiges Buch über einen Sohn und eine Mutter, beide Schriftsteller, die sich lieben, wegen des Schreibens immer wieder verraten - und einander trotzdem nie verlieren.Mit beeindruckender Leichtigkeit spannt Maxim Biller einen Bogen vom Odessa des Zweiten Weltkriegs über die spätstalinistische Zeit bis in die Gegenwart. Alles hängt bei der Familie Grinbaum miteinander zusammen: das Nazi-Massaker an den Juden von Odessa 1941, dem der Großvater wie durch ein Wunder entkommt, ein KGB-Giftanschlag, der dem Vater des Erzählers gilt und die Ehefrau trifft, die zionistischen Träumereien des Vaters, der am Ende mit seiner Familie im Hamburger Grindelviertel strandet, wo nichts mehr an die jüdische Vergangenheit des Stadtteils erinnert - und wo er aufhört seine Frau zu lieben, um sie wegen einer Deutschen zu verlassen. Dennoch scheint ständig ein schönes, helles Licht durch die Zeilen dieses oft tieftraurigen, außergewöhnlichen Buchs.'Mama Odessa' ist ein literarisches Meisterstück von größter Präzision und poetischer Kraft, wie es auf Deutsch nur selten gelingt.

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