Gedicht für den unvollkommenen Menschen

Gedichte Edition Lyrik Kabinett bei Hanser
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Buchprofile - Rezension
Gedichte einer bislang wenig bekannten israelischen Dichterin.
Die aktuelle politische Aufmerksamkeit für Israel steht in keinem Verhältnis zur Aufmerksamkeit für literarische Neuigkeiten aus diesem Land. Ganz besonders trifft diese Beobachtung auf die Lyrik-Szene in Israel zu. Schon der Titel des jetzt in der "Edition Lyrik Kabinett" erschienenen Bandes von Ari Mishol motiviert aber für eine Lektüre: "Gedicht für den unvollkommenen Menschen". Die Eingangszeilen des Gedichts für den ‚unvollkommenen Menschen lauten: "Mit Makeln behaftet wie er ist geliebt bedauert/ wie er eben ist wütend und gespalten/ hungrig durstig zürnend wollend schwebend/ über den Abgrund der Tiefe …". Überhaupt sind die Titel der hier versammelten Gedichte von großer Originalität, oft nicht ohne ironischen Unterton. "Wie du mit dem Navi zu mir kommst" oder "Linke Hemdtasche" oder "Was mir die Wahrsagerin gesagt hat". Erstaunt ist man, dass in diesen aufgewühlten Zeiten der Gewalt in Israel hier ein Gedichtband publiziert wird, in dem eine ganz andere, auch leichtere israelischen Kultur aufscheint. Vielleicht ist auch das die besondere Bedeutung dieses Gedichtbandes: man muss sich bei der Lektüre nicht zu irgendwelchen politischen Positionen bekennen, sondern kann sich ganz einfach freuen, eine so sprach- und phantasiestarke Schriftstellerin kennenzulernen, die in ihrer hebräischen Sprache schreibt, einer Familie von Shoah-Überlebenden entstammt und vielleicht gerade deshalb ungemein lebensfreudige Lyrik für "unvollkommene Menschen" schreibt.
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Artikelbeschreibung

Die erste deutsche Sammlung der populärsten israelischen Dichterin Agi Mishol. Hochaktuell, lebendig und zutiefst bewegend"Ein Palmenwischer streicht von der Himmelsscheibe / Wörter die blieben nachdem die Liebe ging." Agi Mishol ist die populärste Dichterin Israels, ihre Gedichte sind melancholisch, selbstironisch und berühren durch die Lebendigkeit ihrer erstaunlichen Bilder. Als Tochter von Holocaustüberlebenden geht die Lyrikerin auch den Spuren des heutigen Leids nach, ob sie über einen umgepflanzten Olivenbaum schreibt, der für die Entwurzelung der Palästinenser steht, oder von einer zwanzigjährigen Schahidin, die "unterm weiten Kleid schwanger mit Sprengstoff" geht. Trotz aller Konflikte überwiegen in Mishols Gedichten die Lichtblicke, denn auch wenn es "unter der Sonne nichts Neues gibt / über ihr vielleicht schon".

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Personeninformation

Agi Mishol wurde 1946 als Tochter von Überlebenden des Holocaust in Rumänien geboren. Die Familie emigrierte nach Israel. Sie studierte Hebräische Literaturwissenschaft an der Hebrew University in Tel Aviv. 1972 erschien der erste ihrer bisher 20 Gedichtbände, die allesamt Bestseller sind. Ihre Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und erschienen in Anthologien auf der ganzen Welt. Agi Mishol wurde vielfach ausgezeichnet, 2019 mit dem internationalen Zbigniew-Herbert-Literaturpreis. Auf Deutsch erschien 2024 der Band »Gedicht für den unvollkommenen Menschen«, der u.a. den Preis der Bayerischen Akademie sowie den Rückertpreis gewann. Anne Birkenhauer, 1961 geboren, studierte Germanistik und Judaistik in Berlin und Jerusalem und lebt seit 1989 in Israel. Neben Prosaautoren wie Aharon Appelfeld, David Grossman und Tomer Gardi übersetzte sie Gedichtbände von Dan Pagis, Yitzhak Laor und Jehuda Amichai.

Pressestimmen

"Agi Mishols Gedichte sind federleicht und voller doppelter Böden. Sie sind fatalistisch, rütteln aber auch leidenschaftlich am menschlichen Los. Sie kommen privat daher und können das große Ganze fassen. Sie haben einen trockenen Humor und sind berührende Klagelieder." Franziska Hirsbrunner, SRF Kultur, 07.10.24 "Agi Mishol ist nicht eine Dichterin der großen Worte. Was sie über den Tod, das Sein der Dinge und Verantwortung schreibt, berührt durch einen Tiefsinn, der im Konkreten wurzelt." Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung, 26.08.24 "Agi Mishols Lyrik hat es in sich, sie birgt bei all ihrer Schönheit bisweilen tiefste menschliche und politische Abgründe. Und ihre Wirkung entfaltet sich sukzessive, diese Gedichte bleiben nicht nur im Kopf, ihr Klang nicht nur im Ohr, sie dringen tiefer vor - in die Seele, ins Herz, den Geist, wie auch immer man es nennen will." Tobias Schwartz, Berliner Morgenpost, 20.08.24 "Gedicht für den unvollkommenen Menschen' ist ein zu entdeckender Planet. ... Ein Gedichtband, der so vielseitig, gegensätzlich und wundersam wie das Leben im Heiligen Land ist. Wo Lachen und Weinen so nah beieinander liegen wie vielleicht nirgendwo sonst." Moritz Holler, WDR5, 02.08.24 "Mir tut jedes Bücherregal leid, in dem dieses Buch nicht steht." Christian Metz, Deutschlandfunk, 30.07.24 "Eine längst überfällige Entdeckung!" Sigrid Brinkmann, Deutschlandfunk Kultur, 29.07.24 "Ein literarischer Paukenschlag ... Wenn es Dichtungen gibt, die an Vollkommenheit grenzen, dann muss Agi Mishols Auswahlband 'Gedicht für den unvollkommenen Menschen' dazugezählt werden" Alexandru Bulucz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.24 "Agi Mishol konstruiert einen paradoxen Denkraum, um mit dem Vorher und Nachher umzugehen, das durch das Massaker der Hamas und den folgenden Krieg gesetzt wurde. ... Ihre Dichtung ist immer noch imstande, an Bisheriges anzuknüpfen: an die Aufgabe der Dichtung, zu bezeugen und eine Zukunft zu denken." Insa Wilke, Republik, 05.06.24
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