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Buchprofile - Rezension
Abtauchen und Aufschwingen: Nico Bleutges Gedichte bannen die „Ach-Kraft“ der Poesie.
Abtauchen und Aufschwingen sind die Hauptbewegungen der Gedichte des 1972 geborenen Nico Bleutge. Sie erinnern an die altehrwürdige Macht der Poesie, uns zu bewegen, indem sie den Dingen auf den Grund geht und sie zugleich erhebt. Die Mittel, um dies im Gedicht zu bewerkstelligen, sind auch in Bleutges fünftem Band die Kraft der Einbildung und die Mikro-Beobachtung. Die Texte sind nicht immer leicht zu lesen, aber gar nicht so schwer zu verstehen: Es gelingt ihm, mit einfachen Wörtern, die konsequent durch Kleinschreibung gleichgestellt werden, sich an die Limits von Erleiden und Erleben heranzutasten, den Routen von Geräuschen, Lichtquellen und immer wieder von Vögeln zu folgen. So entstehen überraschende postromantische Verbindungen. Auch sprachlich funkeln viele Gedichte geradezu von Lautmalereien („färben und federn“), Wahrnehmungssensationen („löwen ohne gepäck“) und kalkulierten Bildbrüchen („funkenwelle“). Gedichte, die die „zeit in stücken“ festhalten und die „Achkraft“ der Poesie beschwören, über die Bleutge zur Eröffnung der Frankfurter Lyriktage im Mai 2023 Auskunft gab.
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Artikelbeschreibung

NEUE GEDICHTE VON NICO BLEUTGE <BR> <BR>Anfangen, wieder. Ein Kind wird geboren. Richtet die Wahrnehmung neu aus. Euphorie wechselt sich ab mit Erschöpfung. Zugleich ist da der Schmerz des Verlustes. Ein geliebter Mensch ist kurz zuvor gestorben. Der Schock hallt nach, schneidet ein in den Körper und in die Laute. Wie lassen sich Gefühle und Gedanken ineinander übersetzen? Wie hängen Wörter und Ich zusammen? Erfüllende Momente und Leid? Nico Bleutge holt diese Fragen in das Sprechen und gewinnt aus ihnen seinen ganz eigenen Rhythmus. Darin reflektiert er die elementaren Widersprüche und Veränderungen unserer Gegenwart, wie sie der flimmernde Titelzyklus spürbar macht. Wir folgen Falken und Staren an den Tiber, sehen Risse in den Bildern, die den Rissen in der Landschaft ähneln. Und die Erinnerung speist scheinbar Nebensächliches ein. Verse über das Beginnen, über Sprache vor der Sprache und über das Verhältnis von Erinnerung und Präsenz. Die Zeit dehnt sich oder schießt im Spiel der Laute zusammen: 'dies nagen, ineinanderdrehen / von wolken, beginn: nicht eine / silbe zum stehen, stauchen / alles drin'. <BR><BR>Mit großem sprachlichen Gespür geht Nico Bleutge den Lücken in der Wahrnehmung nach und zeigt uns die Kraft der Wörter, klangstark, lustvoll, ebenso konkret wie imaginär. <BR> <BR> - Neue Gedichte von Nico Bleutge über Glück und Verlust - Verse über das Anfangen, über Erinnerung und Präsenz<BR>

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