Drei Fliegen

Über Gedichte
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Buchprofile - Rezension
Betrachtungen eines Lyrikers zur Faszination von Gedichten.
Übergänge vom Tag in die Nacht, vom Fühlen zum Denken, vom Wort zum Gedicht. Davon ist der Schriftsteller Nico Bleutge, der seit seiner Jugend Gedichte schreibt, fasziniert. Er hat in diesem Band Texte zusammengefasst, die er zwischen 2005 und 2019 geschrieben hat. Kleine Erzählungen wechseln mit Gedichtinterpretationen, Bildbetrachtungen und Essays. In der titelgebenden Geschichte vergleicht er je einen Text von Erich Fried und Robert Musil mit eigenen Erfahrungen. - Philosophische Fragen über das Wesen der Erinnerung laden zum Nachdenken ein. Zahlreiche Querverweise zu anderen Schriftstellern wie Walter Benjamin, Vladimir Nabokov oder Brigitte Kronauer möchten zum Weiterlesen verführen. Die anspruchsvollen Texte eignen sich für ein literatur- und lyrikbegeistertes Publikum. Eher für große Bestände.
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Artikelbeschreibung

Kann man an der Zimmerdecke schlafen? Kann man unter die Tapete gehen? Nur Gedichte können so etwas, denke ich. Mich hier und zugleich dort sein lassen. Die Sprache dehnen, ohne daß es auch nur im mindesten gedehnt aussehen würde. Mich anregen, vorbehaltlos in die Verse einzutauchen, von mir abzusehen, für Momente jedenfalls. Selbstvergessenheit. Nachdenken. Die Lust des Staunens. <BR> <BR>Manchmal genügt der eigene Schreibtisch. Ein Blick auf Zettel, Stifte, die Maserung des Holzes - und schon nehmen die Assoziationen ihren Lauf. Nico Bleutge tastet der Bedeutung von Wörtern und historischen Schichten nach. Seine Sätze schenken uns überraschende Verbindungen und machen etwas spürbar von der Lust der Wiederholung. Ob es sich um ein Gedicht von Elizabeth Bishop handelt, ein Bild des niederländischen Malers Jacques de Gheyn II. oder einen Gedächtnissplitter aus der Kindheit - stets verknüpft er den genauen Leseblick des Dichters mit autobiografischen Erkundungen und Reflexionen über Erinnerung und Sprache. In seinen Essays und Skizzen taucht Bleutge in die Sprachwelten anderer Dichterinnen und Dichter ein und bringt dabei zugleich Gedanken über das eigene Schreiben an die Oberfläche. Hier lauscht er den morgendlichen Fliegen am Fenster, vertraut der Kraft der Imagination und wird am Ende selbst zur Fliege. Dort versucht er dem Staunen der Tiere auf die Spur zu kommen. So wie Tiere immer ein Moment des Anderen, des Ungleichen an sich haben, suchen diese Texte nach dem Geheimnis der Phänomene, drehen das scheinbar Bekannte, um es uns neu sehen zu lassen.

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