Rituale
23.04.2026

Welttag des Buches

Mit einem Krimi ins Kloster

Einmal im Monat lädt Schwester Josefa Maria Grießhaber zu einer Lese-Auszeit bei den Barmherzigen Schwestern in München. Vom Thriller bis zum Sachbuch kann alles mitgebracht werden.
 

„Ich möchte einfach zeigen, dass wir offene Türen haben, einen Raum fürs Lesen, für Ruhe und Entdeckungen bieten können“, sagt Schwester Josefa Maria Grießhaber. „Ich möchte einfach zeigen, dass wir offene Türen haben, einen Raum fürs Lesen, für Ruhe und Entdeckungen bieten können“, sagt Schwester Josefa Maria Grießhaber. Foto: © SMB/Bierl

Wie üblich trägt Schwester Josefa Maria Grießhaber ihren weißen Kopfschleier und ihr graues Ordensgewand. In der Hand hält sie ein Buch über eine schillernde Frau, eine Ikone des Feminismus – Frida Kahlo. Wie sich die weltberühmte mexikanische Malerin in einer Männerwelt behauptete und schwere Traumata verarbeitete – das hat Schwester Josefa Maria neugierig gemacht. In diese Biografie wird sie sich in den nächsten eineinhalb Stunden vertiefen. Dabei ist sie nicht allein mit ihrem Buch. Einmal im Monat lädt die Ordensfrau zur „Lese-Auszeit“ im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern im Münchner Stadtteil Berg am Laim ein. 

Seit ihrer Kindheit gehören Bücher zu ihrem Leben dazu. Aber in den vergangenen Jahren hat sie immer öfter gemerkt, „dass ich mir zu selten bewusst Zeit zum Lesen nehme“. Wenigstens einmal im Monat wollte sie das unbedingt schaffen. Und weil es „in Gemeinschaft noch mehr Freude macht“, hat sie zu diesem Treffen auf der Interseite ihres Klosters eingeladen.
   

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Keine „Bekehrungsstunde“

Gleich bei den ersten Terminen waren ein gutes halbes Dutzend Frauen im Alter von etwa 30 bis 65 Jahren dabei. Männer haben sich bisher nicht dazugewagt. „Vielleicht haben die nicht genug Schneid und trauen sich nicht in ein Frauenkloster“, sagt die Ordensfrau und lacht. Die Befürchtung, dass es in der Lese-Auszeit nur fromm zugeht, räumt Schwester Josefa Maria jedenfalls gleich aus: „Es muss keiner Angst haben, dass wir hier eine Bekehrungsstunde halten.“ Jede und jeder darf die Lektüre mitbringen, die ihn oder sie gerade beschäftigt. Egal ob Thriller oder Sachbuch. „Ich möchte einfach zeigen, dass wir offene Türen haben, einen Raum fürs Lesen, für Ruhe und Entdeckungen bieten können.“ 

Diesen Raum schätzt Marlies Moretti: „Zu Hause ist immer Trubel, das Handy klingelt – hier wird es ausgeschaltet und ich kann mich viel besser auf ein Buch einlassen.“ Dann schlägt sie die mitgebrachten satirischen Kurzgeschichten des italienischen Schriftstellers Stefano Benni auf.

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Austausch und neue Anregungen

In der Lese-Auszeit ist eine Kurzgeschichte oder ein einzelnes Buch-Kapitel gut zu schaffen. Beim anschließenden Austausch über das Gelesene hört Margot Brunner aufmerksam zu. „Ich lese meistens Krimis, habe also immer das gleiche Genre und freue mich, wenn ich da neue Anregungen bekomme.“ 

Die hat Bettina Dicken-Rieger schon gefunden. Sie lässt Krimis meistens links liegen, greift lieber zu Erzählungen des Engländers Julian Barnes. Jetzt ist sie durch eine andere Teilnehmerin auf die Qualitäten von Agatha Christie aufmerksam geworden. Vielleicht nimmt sie nächstes Mal ein Buch der englischen Krimi-Königin mit. Oder sie findet es im Kloster. Schwester Josefa Maria zeigt auf ein offen zugängliches Regal, in dem die Ordensfrauen Bücher abstellen, die sie gelesen haben und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Neben spirituellen Titeln sind ziemlich viele Kriminalromane darunter.

Wissenswert

Der nächste Termin der Lese-Auszeit in der Münchner Vinzenz-von-Paul-Straße 1 ist am Samstag, 23. Mai, um 15 Uhr. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten an: Sr.Josefa-Maria@barmherzige.net

Alois Bierl
Artikel von Alois Bierl
Chefreporter
Beschäftigt sich mit wichtigen Trendthemen wie Spiritualität.