Rituale
14.02.2025

Halleluja und Helau

Fasching und christlicher Glaube haben mehr gemeinsam, als man denkt: Freude, Feiern und klare Rituale. Warum Christen keine Kinder der Traurigkeit sind, und was wir von Narren lernen können, erklärt Fabian Brand.

Foto: © IMAGO/Bihlmayerfotografie

„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“: Unter dieses Leitmotiv hat der heilige Johannes Bosco sein Leben gestellt. Don Bosco nimmt dabei einen Gedanken auf, der auch in den biblischen Schriften immer wieder durchklingt: Christliches Leben darf und sollte von Freude durchzogen sein. So bringt es ja auch der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde von Philippi zum Ausdruck: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (4,4) Auch viele andere biblische Stellen sprechen von der Freude. Und es gibt auch viele Heilige, denen durchaus etwas mehr Lebensfreude nachgesagt wird.
 

Anzeige

Fasching und Glaube: Unerwartete Parallelen zur christlichen Tradition

Besonders im Fasching kommt für viele Menschen heutzutage die Freude zum Ausdruck. Fasching, das bedeutet für viele, sich zu verkleiden und in Kostüme zu schlüpfen, ausgelassenes Feiern, Freude, die ansteckt, buntes Narrentreiben auf Prunksitzungen und zahlreiche Faschingsumzüge, die sich durch die Dörfer und Städte schlängeln. Die fünfte, die närrische Jahreszeit wird von vielen Anhängern mit großer Begeisterung begangen. Vor allem in den Faschingshochburgen herrscht schon ab dem 11. November um 11.11 Uhr buntes Treiben. Und es hält an bis zum Faschingsdienstag um Mitternacht, denn: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“ Auch wenn die Verbindung zwischen der Religion und dem Fasching gar nicht so groß ist, gibt es doch einige Parallelen. Und auch als Christen können wir etwas von den Närrinnen und Narrhalesen lernen, die in diesen Tagen ihr Unwesen treiben.

Zunächst ist der Fasching ohne das Christentum gar nicht denkbar. Der Begriff Karneval, der mancherorts auch für den Fasching verwendet wird, stammt vom Lateinischen „carne vale“. Das heißt auf Deutsch so viel wie: „Fleisch lebe wohl“. Karneval, das ist jene Zeit, in der man von den Speisen Abschied nimmt, die in der Fastenzeit verboten sind. Das ausgelassene Leben des Faschings kommt eben daher, dass mit dem Aschermittwoch die strenge österliche Bußzeit beginnt. Früher waren die Regeln für die Fastenzeit noch viel strenger als heute. Die Menschen damals wollten noch einmal so richtig feiern, bevor am Aschermittwoch die strenge Fastenzeit begann. So hat sich der Fasching entwickelt. Ohne die Fastenzeit, ohne die Vorbereitung auf das Osterfest gäbe es den Fasching in dieser Form gar nicht!

Übrigens hat auch der Narrenruf „Helau“, der in vielen Orten erschallt, vielleicht christliche Ursprünge. Es gibt einige Vermutungen, die nahelegen, dass der Narrenruf „Helau“ von „Halleluja“ abstammt. Das Halleluja verstummt mit dem Aschermittwoch in den christlichen Gottesdiensten und erklingt erst wieder in feierlicher Form in der Osternacht. Vielleicht wollte man in den Tagen vor dem Aschermittwoch noch einmal so viel Halleluja wie möglich singen! Immerhin ist ja auch der Halleluja-Ruf ein Ausdruck von Freude, von Lob und Preis. Wer sich also in den Faschingstagen mit „Helau!“ begrüßt, der drückt damit Freude aus und blickt schon jetzt wehmütig auf den Abschied des Halleluja mit dem Aschermittwoch.

Der Fasching ist eine klar begrenzte Zeit im Jahreslauf. Er beginnt mit dem 11. November und endet mit dem Anbruch des Aschermittwochs. Übrigens hat der Faschingsbeginn am 11. November überhaupt nichts mit dem heiligen Martin von Tours zu tun, dessen man ebenfalls an diesem Tag gedenkt. Aber auch dieser eindeutig abgegrenzte Zeitraum des Fasching ist eine Parallele zur christlichen Religion. Denn auch dort bietet das Kirchenjahr einen klaren Rahmen für die Festzeiten an: Die Fastenzeit zum Beispiel beginnt am Aschermittwoch und endet am Karsamstag. Und die Osterzeit beginnt am Ostersonntag und endet an Pfingsten. Hier wie dort gibt es keine Diskussionen darüber, wie lange eine Festzeit nun dauert und ob sie nicht auch manchmal länger dauern könnte. Der Fasching hat seine eindeutige Zeit im Jahr. Und das ist durchaus eine Parallele zum christlichen Kalender, der ebenfalls mit festen und klar begrenzten Festzeiten arbeitet.

Warum Freude ein zentraler Bestandteil des Christentums ist

Und dann ist da natürlich noch die Freude: Wer die Prunksitzungen im Fernsehen verfolgt oder gar live dabei ist, der spürt, dass der Fasching keine traurige Zeit ist. Wer in der Bütt mit Witzen und Pointen um sich wirft, der möchte die Menschen unterhalten. Das Lachen ist das Wichtigste am Fasching! Ohne die Freude wären die bunten Tage vor dem Aschermittwoch gar nicht denkbar. Und damit sind wir schon ganz nah an unserem christlichen Glauben dran.

Denn wie bereits am Anfang erwähnt, ist die Freude doch auch ein zentraler Pfeiler des christlichen Glaubens. Wir Christen sind keine Kinder von Traurigkeit. Sondern wir haben allen Grund über das ganze Gesicht zu strahlen: Denn durch Christus sind wir erlöst, durch seinen Tod hat er das ewige Leben für uns alle erschlossen. Wir sind Kinder Gottes und seiner besonderen Fürsorge anvertraut. Das alles ist doch ein Grund zu unsagbarer Lebensfreude! Schon Paulus mahnt deshalb: Wir Christen dürfen und sollen uns unseres Lebens im Herrn Jesus Christus erfreuen. Denn es gibt nichts mehr, das uns ängstigen könnte, weil die Liebe Gottes immer größer ist als es sämtliche irdische Schicksalsschläge jemals sein könnten.

[inne]halten - das Magazin 25/2025

Suche nach Einheit

Papst Leo beschwört am Ort des Konzils von Nizäa die Gemeinschaft der Christen.

Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.

Von der Narrenzeit lernen: Mehr Lebensfreude im Glauben finden

Und doch vergessen wir Christen diese Freude allzu oft. „Die Christen müssten erlöster aussehen“, hat schon Friedrich Nietzsche einmal gemahnt. Und auch Papst Franziskus mahnt immer wieder zur Freude. Erst kürzlich hat er gesagt, wir Christen sollen nicht mit einem Gesicht wie „Essiggurken“ herumlaufen. Was er damit meint? Die Freude, aus der wir leben, darf man uns Christen gerne ansehen! Wir sollten freudig und offen auf die Menschen zugehen und bei der Verkündigung des Evangeliums immer bedenken, was es ist: eine frohe Botschaft!

Die Faschingszeit kann damit auch ein willkommenes Korrektiv zu unserem christlichen Leben sein. Wenn die Freude im Leben eines Christenmenschen wieder einmal zu kurz kommt, kann der Fasching ermahnen: Man soll und darf sich freuen – immer wieder und immer wieder neu. Denn ohne Freude kommt keine Stimmung auf. Ohne Freude wäre das ganze Leben doch recht fad!

Manche würden behaupten, dass auch das Verkleiden eine Parallele zwischen dem Fasching und dem Christentum ist. Zumindest ziehen sich die Priester im Gottesdienst bunte Gewänder an und erwecken damit mitunter den Eindruck, sie würden sich „liturgisch verkleiden“. So ganz abwegig ist der Gedanke doch auch gar nicht. Denn das Messgewand hat ja vor allem einen Zweck: Die Person des Priesters soll verschwinden, damit Christus in den Vordergrund treten kann. Der Priester zieht gewissermaßen Christus an, in dessen Person er dann dem Gottesdienst vorsteht.

Masken im Alltag: Warum wir vor Gott kein Kostüm brauchen

Aber für uns Christen im Allgemeinen gilt das freilich nicht. Wir brauchen uns nicht zu verkleiden, wir brauchen uns nicht zu kostümieren. Denn Gott kennt uns und schaut uns ins Herz hinein. So manche Maske, die wir manchmal im Alltag tragen, hat vor Gott keinen Bestand. Er weiß, dass es nur Masken sind und er kennt unser wahres Gesicht. Verkleidungen ablegen statt Masken aufsetzen: Das ist ein wirklich christliches Leben!

Am Faschingssonntag ist es mancherorts üblich, dass der Pfarrer eine gereimte Predigt hält. Das kann uns Christinnen und Christen daran erinnern, dass es Parallelen gibt zwischen dem Fasching und der Religion. Das erinnert uns daran, dass Lachen gesund ist und die Freude tief in unser Christsein eingeschrieben ist. Und doch bezieht sich diese Freude nicht nur auf die wenigen Wochen zwischen dem 11. November und dem Aschermittwoch. Das ganze Jahr über feiern wir Eucharistie, das Geheimnis unseres Glaubens. Wir feiern jeden Tag die Liturgie und haben jeden Tag Grund zu Freude.

Mit dem Aschermittwoch ist für uns Christen die ausgelassene Freude nicht vorbei. Sie ist zwar bis Ostern etwas gedämpft, aber wir feiern dennoch weiter. Denn wir haben allen Grund zu feiern: Gott ist mit uns an jedem Tag. „Halleluja“ dürfen wir deswegen singen, Gott loben und preisen, weil er unsere Lebenswege mitgeht und hinter unsere Masken schaut.

Fabian Brand
Artikel von Fabian Brand
Autor
Fabian Brand hat Katholische Theologie in Würzburg und Jerusalem studiert. Der habilitierte Theologe schreibt Bücher aus dem Bereich Pastoral und Spiritualität und ist regelmäßig mit Vorträgen zu Theologie und Brauchtum im ganzen Land unterwegs.