Erwachsenentaufe
Wie ein Todesfall zur Taufe führte
Jan Schumann ist in Brandenburg aufgewachsen und konfessionslos. Heuer in der Osternacht lässt sich der 34-jährige Rechtsanwalt, der inzwischen in München lebt, katholisch taufen. Den Anstoß dazu gab der Tod seiner katholischen Großmutter vor zwei Jahren.
Jan Schumann wird in der Osternacht in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael getauft. Foto: © SMB/Hammermaier
Mit seiner Taufe hole er einen Schritt nach, der sich länger abgezeichnet habe, meint Jan Schumann. In Ortrand, an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen aufgewachsen, wurde er als Kind nicht religiös erzogen. Seine Eltern waren beide nicht in der Kirche aktiv, auch wenn seine Mutter evangelisch getauft war. Nur seine aus dem Sudetenland stammende katholische Großmutter besuchte sonntags den Gottesdienst. Als sie 2024 starb, war das für den Enkel der Anlass, sich intensiver mit Glaubensfragen zu befassen: „Ich muss schon sagen, dass mich dann ein Bedürfnis erfasst hat, mich der katholischen Kirche und dem Glauben mehr zu nähern“, erinnert sich der 34-Jährige.
Dabei stellte er fest, dass sein Leben auch in der Vergangenheit bereits von einer Beziehung zu Gott geprägt war. So nahm er als Grundschüler am Religionsunterricht teil, der als freiwilliges Zusatzfach angeboten wurde. Dort lernte er ausgewählte Bibeltexte kennen. Und er fragte sich im Laufe der Jahre in bestimmten Situationen immer wieder: „Hat das was mit Gott zu tun?“
Gespräche über Glaubensinhalte
Insbesondere während einer Reise ins Heilige Land stellte er sich 2012 diese Frage des Öfteren. Im Jahr danach zog er zum Jurastudium nach München – und blieb. Er lernte seine Lebensgefährtin Christina kennen, deren Familie im katholischen Glauben verwurzelt ist, regelmäßig den Gottesdienst besucht und das ganze Jahr über christliche Rituale pflegt. Und er freundete sich mit einem Arbeitskollegen an, dessen Vater Professor für Religionspädagogik war. Als dieser Vater – ebenso wie Schumanns katholische Großmutter – starb, sprachen die beiden Anwälte viel miteinander. „Dann kamen wir in unseren Gesprächen natürlich auch oft auf Glaubensinhalte“, berichtet Schumann. Dieser Kollege sei es auch gewesen, der ihn auf die Glaubensorientierung der Erzdiözese München und Freising in St. Michael aufmerksam gemacht habe.
Dort bereiteten sich Schumann und 41 weitere Erwachsene – 60 Prozent mehr als im Vorjahr – in den vergangenen Monaten auf die Taufe vor. „Das sind alles Themen, die wie an einer Art Lehrplan orientiert sind – den Glauben an sich kennenlernen, Jesus Christus kennenlernen bis hin zum Verhalten im Gottesdienst“, beschreibt Schumann die Kursinhalte. Die Vorbereitung hat ihm so gut gefallen, dass er sich vorstellen könnte, künftige Taufinteressenten als Taufbegleiter zu unterstützen. Schließlich könnten die hauptamtlichen Mitarbeiter der Glaubensorientierung angesichts der gestiegenen Teilnehmerzahl „helfende Hände“ gut gebrauchen. Und er möchte anderen Taufanwärtern gern von den Erfahrungen berichten, die er auf dem Weg zu diesem Sakrament gemacht hat.
[inne]halten - das Magazin 08/2026
Mein Draht zum Himmel
Wie kann ich den Kontakt zu Gott finden und stärken? Unsere neue Serie gibt Antworten
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Hoffnung auf Stärkung des Glaubens
Zum Beispiel hatte er einen Streit mit einer guten Freundin, den sie beilegen konnten, nachdem er darum gebetet hatte: „Das sind so Sachen, wo ich glaube, dass meine Gebete erhört werden oder dass mein Suchen in eine richtige Bahn geschoben wird“, resümiert Schumann. Von der Taufe, die er in der Osternacht in St. Michael empfängt, erhofft er sich, dass dieser Glaube gestärkt wird.
Nachgefragt
Herr Hürten, seit wann beobachten Sie eine Zunahme der Erwachsenentaufen?
Einen Anstieg gibt es seit 2024 (17, dann 37, jetzt voraussichtlich 63, wenn man die 21 hinzuzählt, die sich schon auf die Taufe im Oktober vorbereiten).
Wie lässt sich dieser Anstieg erklären?
Wir haben noch keine Erklärung für diesen Anstieg, zumal er noch nicht lange genug anhält, um als beständig eingestuft zu werden. Allerdings kommt die Gruppe derer, die als Säuglinge nicht getauft wurden, weil die Eltern diese Entscheidung für die Kinder nicht treffen wollten oder konnten, jetzt vermehrt an. Und: Schüler/-innen machen andere Schüler/-innen stärker auf ihren Glauben aufmerksam. Alle anderen Gründe bleiben bestehen: Liebe zu einem christlichen Partner, Nachdenklichkeit aufgrund der Erfahrung von Tod oder des Bösen (in der Welt), Dankbarkeit, Selbststudium, Übertritt aus dem Islam (bei circa 15 Prozent) …
Welche Rolle spielen diese Katechumenen in der katholischen Kirche? Wo verorten Sie sich?
Die Neugetauften gehen nach dem Studium oft an andere Orte. Sind sie Teil junger Familien, finden sie in den Gemeinden relativ leicht Anschluss. Einige wenige bleiben in St. Michael. Tatsächlich wissen wir darüber aber sehr wenig, weil wir zu zwei Drittel Menschen unter 30 Jahren bei den Getauften haben und damit solche, deren Lebensläufe noch nicht ortsfest geworden sind.
Interview: Karin Hammermaier
Thomas Hürten ist Pastoralreferent und Fachreferent in der Glaubensorientierung in St. Michael. Foto: © Walter Glück



