Erwachsenentaufe
Weihnachten nach der Taufe: Wenn der Glaube neu beginnt
Ein neues Familienmitglied, Verluste, Umzüge: Trotz feststehender Rituale verändert sich das Weihnachtsfest im Laufe des Lebens. Dabei kann auch der Glaube eine Rolle spielen. Simone Pfleger hat sich als Erwachsene zur Taufe entschieden – dieses Jahr erlebt sie Weihnachten zum ersten Mal als Katholikin.
Die Taufe kann dem Weihnachtsfest eine neue Dimension geben. Foto: © AdobeStock/Peter Heckmeier
„Es ist einfach dieser neue Blick, ich bin ganz anders dabei und ich fühle mich in der Kirche auch ganz anders – geborgen, zuhause“, so beschreibt Simone Pfleger ihr Gefühl im Gottesdienst. Im vergangenen Oktober hat sie sich taufen lassen. Seit dem Taufkurs in der Glaubensorientierung des Erzbistums München und Freising hat sich für sie in diesem Jahr einiges verändert – auch die Erwartungen an das Weihnachtsfest.
Kindheit in der DDR:
Weihnachten ohne Glaube
In ihrer Kindheit spielte der Glaube für Simone Pfleger keine Rolle – sie ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen: „Uns wurde das immer negativ vermittelt. Einmal ist meine Lehrerin mich wegen einer Kreuzkette angegangen, wie ich mit so einem Symbol in die Schule kommen könnte – für mich war das damals einfach ein Schmuckstück ohne Bedeutung.“ Ein Interesse am Christentum setzte sich in der Jugend dann doch ein wenig durch. In der Bibliothek schlug sie die christlichen Feiertage nach: „Ich wollte wissen, was wir an Weihnachten eigentlich feiern – viel davon habe ich nicht verstanden.“
Weihnachten war für ihre Familie nicht wichtig. In Pflegers Erinnerung wirken die Feste eher ernüchternd: „Ich habe Anfang Januar Geburtstag – da wurde dann gesagt, es gibt nicht so viel wegen meines Geburtstags. Und an meinem Geburtstag wurde gesagt, es war ja erst Weihnachten.“
Simone Pfleger hat sich im Oktober 2025 katholisch taufen lassen. Foto: © privat
Glaubensorientierung: Der Weg
zur Erwachsenentaufe
Ein besinnliches Weihnachten erlebte Pfleger erst mit ihrem Mann. Er ist Katholik, in seiner Familie war der Glaube und das Weihnachtsfest schon immer wichtig. Mit ihm wurde der Glaube auch ein Teil von Pflegers Leben – zunächst passiv. Auf einer Reise nach Rom zündete das Paar in jeder Marienkapelle eine Kerze an und betete. Jahrelang sprachen die beiden nicht darüber, was sie sich dort gewünscht hatten – bis zur Taufe in diesem Jahr: „Wir hatten damals Probleme, Kinder zu bekommen. In Rom haben wir uns jedes Mal dasselbe gewünscht: Kinder.“ Kurz darauf wurde Pfleger schwanger; mittlerweile haben sie drei Kinder. Hochzeit, Taufen und Kommunion folgten. Heute nennt sie ihre Schwangerschaften einen Segen – und der hat ihren Glauben entscheidend geprägt.
Die Gottesdienstbesuche mit ihrer Familie brachten sie zum Nachdenken: „Ich saß da immer und habe mir gedacht, es fehlt etwas. Eigentlich glaube ich schon an Gott.“ Vergangenes Ostern fasste sie den Entschluss, sich taufen zu lassen. Die Glaubensorientierung und der Taufkurs haben bei Pfleger einen inneren Wandel ausgelöst, sagt sie. „Da habe ich gemerkt, dass da doch wesentlich mehr als ein einfacher Glaube an Gott dahintersteckt. Ich stehe noch am Anfang meines Weges und spüre, dass sich mein Leben immer weiter mit dem Glauben verwebt.“ Deshalb meint sie, wird dieses Weihnachten ein ganz anderes als die vielen davor – auch wenn Rituale wie die selbst geschnitzte Krippe und die Lieder aus dem Gotteslob sich nicht verändern.
[inne]halten - das Magazin 02/2026
Sterntalers Gottvertrauen
Was Märchen und die Bibel verbindet.
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Weihnachten im katholischen Glauben
Als Familie haben sie schon immer schön gefeiert, äußerlich wird vieles bleiben wie zuvor. Mit drei Kindern bedeute das Fest immer auch Trubel. Im Laufe des Abends werde es aber ruhig; da spüre sie die Nähe zu den Kindern und ihrem Ehemann ganz besonders. Durch ihren Glauben sei die Familie noch mehr zusammengewachsen, erzählt Pfleger. In diesem Jahr werden sie an Heiligabend auch gemeinsam beten.
Für Pfleger hat sich die Bedeutung des Weihnachtsfests grundlegend geändert: Es ist nicht mehr der Geburtstag von Jesus, sondern die Menschwerdung Gottes. Die Vorstellung von Jesus als Baby in der Krippe berührt sie besonders: „Ich finde das Bild unglaublich, dass Gott sich in diese Situation eines hilflosen Kindes begeben hat, den ersten Atemzug erlebt oder das erste Mal im Arm seiner Mutter gestillt wird.“ Dieses Jahr wird sie zum ersten Mal mit ihren Kindern die Christmette besuchen. Am meisten freut sie sich darauf, dort einen Dienst zu übernehmen. Für Simone Pfleger ist dieses Fest das erste von vielen in einem neuen Lebensabschnitt – und ein neuer Richtungsweiser auf ihrem Glaubensweg.



