Buchtipp
Mutiger Jesuit
Eine neue Graphic Novel der Illustratorin Stephanie Lunkewitz erzählt die Geschichte von Pater Alfred Delp SJ (1907–1945) und seine Opposition gegen den NS-Staat.
Stephanie Lunkewitz mit ihrem Buch vor dem Pfarrhaus von St. Georg in München-Bogenhausen, wo Pater Delp wohnte und verhaftet wurde. Foto: © privat
Den Namen Alfred Delp hatte sie schon als Kind gehört. Obwohl Stephanie Lunkewitz in der DDR aufgewachsen ist. Aber ihre katholische Großmutter erzählte ab und zu von dem Jesuitenpater, den der NS-Staat in Berlin-Plötzensee wegen seiner Nähe zum Widerstandszirkel Kreisauer Kreis foltern und hinrichten ließ. Dann kam vor einem halben Jahr der Verlag Sankt Michaelsbund auf sie zu: ob sie nicht ein kleines Buch über Delp machen möchte. Und sie sagte schnell zu: „Sein Widerstand und dass er noch im Gefängnis in Handschellen schrieb, das hat mich sehr ergriffen“, sagt die Illustratorin. „Und dass er trotz seines Schicksals weiter an das Gute geglaubt und daran festgehalten hat.“
Lunkewitz, die auch in den USA lebt, recherchierte in Büchern und im Netz, arbeitete oft nächtelang am Schreibtisch und sogar im Flugzeug. Das funktioniert, weil sie auf einem Tabletcomputer zeichnet. Dafür braucht es keine Pinsel, keine Stifte und kein Papier. Innerhalb von nur vier Monaten war die 48-seitige Graphic Novel fertig. Immer wieder von Tränen unterbrochen, „weil mich das Schicksal von Delp so bewegt hat“.
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Seligsprechungsverfahren läuft
Weil der Abgabetermin drängte, konnte Lunkewitz keine Originalschauplätze aufsuchen, an denen Delp gewirkt hat. Erst danach hatte sie Gelegenheit, in München die Kirche St. Georg zu besuchen. Dort hatte die Gestapo den Jesuitenpater, für den aktuell ein kirchliches Seligsprechungsverfahren läuft, verhaftet. Ein Denkmal erinnert daran. Gerne hätte sie auch Delps Grab besucht. Aber das gibt es nicht. Das NS-Regime hat seinen Leichnam unmittelbar nach der Hinrichtung verbrennen und die Asche verstreuen lassen.
Diese Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten will Lunkewitz deutlich machen. Dafür besucht sie auch Schulen. Und sie hofft, vor allem junge Menschen zu ermutigen, „sich einzumischen“. So wie es der Titel der Graphic Novel ausdrückt, der ein Motto Alfred Delps war: „Widerstand ist notwendig, wenn das Gute bedroht ist.“



