Kommentar
Staunenswert viele Täuflinge
Tausende junge Menschen lassen sich in Frankreich taufen. Die Bischöfe begegnen diesem Aufbruch mit Staunen. Ein Impuls für die Kirche in Deutschland, Suchenden zuzuhören, mit ihnen zu feiern und Zeugnis vom Glauben zu geben.
Kardinal Reinhard Marx bei einer Erwachsenentaufe in St. Michael in München. Foto: © Kiderle
Beeindruckende Bilder des herzlichen Willkommens, ergreifende Szenen der Begegnungen, Zeugnisse von tief empfundenen spirituellen Feiern und gemeinsamen Gebeten haben Ende September den Besuch von Papst Leo XIV. in Frankreich, der „ältesten Tochter der Kirche“, geprägt. Für viele Beobachter kam es sicher unerwartet, dass sich solch ein Ereignis in dem Land, in dem das politische Ideal der Laizität tief verwurzelt ist und die Katholiken weniger zahlreich als die erklärten Nichtgläubigen sind, so positiv entfaltet.
Hinzu kommt: Allein an Ostern 2026 wurden in Frankreich etwa 13.200 Erwachsene und 8.200 Jugendliche getauft – ein enormer Zuwachs. Was ist dort los mitten im „alten“ Europa, wo doch sonst die Säkularisierung um sich greift? Das Christentum, so schien es, ist dort auf dem Rückzug und breitet sich eher im afrikanischen und asiatischen Kontinent aus.
[inne]halten - das Magazin 21/2026
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„Staunenswert sind deine Werke“
Verantwortliche in der katholischen Kirche in den Nachbarländern insgesamt und auch hier bei uns in Deutschland beobachten diese Entwicklung mit großem Interesse. Von verschiedenen Seiten her gibt es Versuche der soziologischen, theologischen und sogar auch politischen Einordnung, die aber meist eher an Äußerlichkeiten hängen bleiben. Einen Zugang zu den Beweggründen der Menschen, sich auf das Christentum in der Tradition und der Ausprägung der katholischen Kirche einzulassen, fördern diese Versuche nicht.
Die französischen Bischöfe, insbesondere die der Île-de-France, also der Region um Paris, haben einen anderen Weg gewählt. Sie nehmen diese Realität, die auch für sie selbst nicht so einfach und eindimensional zu erklären ist, zunächst einmal mit den Worten des Psalmisten wahr: „Staunenswert sind deine Werke“ (Ps 139,14).
„Zuhören, feiern und Zeugnis geben“
Dieses Vorgehen eröffnet den Horizont dafür, das Wirken Gottes in unserer Welt und an den Menschen mit großer Achtung und hohem Respekt aufzunehmen. Es wird ihm zugetraut, wirkmächtig mit, an und durch die Menschen zu handeln. Die große Freude darüber erscheint mir der erste wichtige Schritt. Um mit den Neugetauften oder denen, die daran interessiert sind und sich vom Glauben und der Kirche angesprochen fühlen, einen weiteren Weg zu gehen, geht es im zweiten Schritt darum, pastorale Handlungsfelder der Willkommenskultur unter den Aspekten „zuhören“, „feiern“ und „Zeugnis geben“ zu eröffnen.
Bei den jungen Erwachsenen in Frankreich habe ich Sehnsucht nach Hoffnung für das eigene Leben wahrgenommen und die Neugier ihrer Suche. Auch für die katholische Kirche in Deutschland kann dies die Richtung für ihr missionarisches Wirken sein: jungen Menschen ein reichhaltiges und tiefgehendes Angebot des Glaubens zu machen und sie gut zu begleiten.
Monsignore Wolfgang Huber, Präsident von Missio München



