Glaubenswelten
19.11.2025

Heiliges Land: Christen zwischen Hoffnung und Not

Barbara Frua vom Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem hat das Heilige Land besucht – eine Reise zwischen Glaubenshoffnung und bedrückenden Einblicken in den Alltag palästinensischer Christen. Ihre Eindrücke zeigen, wie sehr Konflikt, Restriktionen und Siedlungsdruck das Leben prägen – und wieso dennoch Hoffnung besteht.
    

Station auf Barbara Fruas Pilgerreise im Heiligen Land: Katholische Kirche in Zebabdeh im Norden der Westbank. Station auf Barbara Fruas Pilgerreise im Heiligen Land: Katholische Kirche in Zebabdeh im Norden der Westbank. Foto: © IMAGO / ZUMA Press Wire

Barbara Frua aus München ist engagiertes Mitglied im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Vor kurzem reiste sie erneut ins Heilige Land – diesmal als „Pilgerin der Hoffnung“ im Heiligen Jahr. Ziel war die Wallfahrt zur Gottesmutter "Maria Königin von Palästina" in Deir Rafat, einem zentralen spirituellen Ereignis für Christen im Nahen Osten.

Rund 3.000 Pilgerinnen und Pilger kamen in diesem Jahr zu dem Fest Ende Oktober. Doch Frua erlebte auch die Schattenseiten: Während viele Christen aus Galiläa und Jerusalem anreisen konnten, erhielten Gläubige aus der Westbank nur etwa 100 Genehmigungen. Eine bittere Zahl – denn die Menschen dort sind seit Kriegsbeginn stark eingeschränkt, viele haben ihre Arbeitserlaubnisse in Israel verloren. Die wirtschaftliche Lage sei „sehr schlecht“, berichtet Frua.

Pilgerreise ins Heilige Land: Begegnungen mit Hoffnung und Not in Westbank und Negev

Auf ihrer Reise erlebte sie die Situation in der Westbank unmittelbar. Fahrten durch die Region führten vorbei an neuen Siedlungen, Zäunen und Kontrollpunkten. Besonders bedrückend sei der Besuch im Norden der Westbank gewesen, wo sie zu einem Priesterjubiläum reiste. Doch gerade dort erlebte sie auch Hoffnung: eine lebendige Pfarrei, viele junge Menschen und ein starker gemeinschaftlicher Glaube.
    

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Ein weiterer emotionaler Moment führte sie in die Negev-Wüste. Dort besuchte sie den Ort des Nova-Festivals, an dem Beduinen während des Hamas-Angriffs mutig junge Menschen retteten und dafür nun den „Mount Zion Award“ erhielten. Zwischen Gedenkstätte und dem Geräusch aktueller Gefechte trotz Waffenstillstands im nahegelegenen Gazastreifen erlebte Frua eine „surreale Situation“ – Erinnerung an vergangenes Leid und gegenwärtige Gewalt gleichzeitig.

Barbara Frua (2.v.r.) besucht eine Heilige Messe im Norden der Westbank. Barbara Frua (2.v.r.) besucht eine Heilige Messe im Norden der Westbank. Foto: © Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Die Sorge um Gaza begleitet alle Gespräche. Über Kontakte zur katholischen Gemeinde in Gaza-Stadt – insbesondere zu Pater Gabriel Romanelli – erfährt Frua regelmäßig, wie prekär die Lage bleibt. Ein echter Waffenstillstand sei derzeit nicht spürbar.

Auch in der Westbank verschärfen Siedlerangriffe und die schwierige Olivenernte die Not der Bevölkerung. Ein „gerechter Frieden“, so schildern es die palästinensischen Christen, wäre ein Zusammenleben aller seit Jahrhunderten dort verwurzelten Menschen – Christen, Juden und Muslime. Doch Vertrauen müsse mühsam wiederaufgebaut werden.

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Barbara Frua kehrt mit gemischten Gefühlen zurück: tief bewegt von der Not, aber auch gestärkt durch die Hoffnung, die sie in den christlichen Gemeinden erlebt hat. Ihre Reise sei ein Zeichen der Solidarität gewesen – und ein Appell, „die Christen im Heiligen Land nicht allein zu lassen“.

Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management