Glaubenswege
Ein Mann mit zwei Berufungen
Der Kinderarzt Joachim von der Beek lässt sich zum Diakon weihen. Er möchte danach „mit einer anderen Rückendeckung“ auf Menschen zugehen – und ihnen jene Hoffnung weitergeben, aus der er selbst lebt.
Der Kinderarzt Joachim von der Beek lässt sich zum Diakon weihen. Foto: © Marc Gilsdorf
„Das ist kein Pöstchen, das ich noch brauche“, stellt der angehende Diakon Joachim von der Beek klar. Der Kinder- und Jugendarzt sieht das Weiheamt, auf das er sich gerade vorbereitet, vielmehr als „Möglichkeit, mit einer anderen Rückendeckung der Kirche auf Menschen zugehen zu dürfen – sie zu taufen, zu trauen und Trauergespräche mit ihnen zu führen“. Die Nottaufe hat der Oberarzt am Klinikum Garmisch-Partenkirchen bereits drei seiner jungen Patienten gespendet. Er möchte so jene Hoffnung über den Tod hinaus weitergeben, aus der er selbst lebt.
„Ich bin Rheinländer. Im Rheinland wird man fast mit der Muttermilch katholisch“, erzählt von der Beek. So hätten auch seine Eltern ihn und seine vier älteren Geschwister in Erkelenz im Bistum Aachen „ganz klassisch katholisch“ erzogen. Das prägt ihn bis heute. Als Jugendlicher überlegte der heute 60-Jährige, Priester zu werden, entschied sich dann aber – nicht zuletzt wegen der verpflichtenden Ehelosigkeit – für ein Medizinstudium. In einem Krankenhaus in Bocholt lernte er seine damals evangelische Frau Jutta kennen.
Ohne Sonntagsgottesdienst fehlt ihm etwas
Das Ärzte-Paar zog berufsbedingt ins „atheistische Berlin“, wie von der Beek sagt, und bekam zwei Kinder. 2011 ließ sich die Familie in ihrem langjährigen Urlaubsort Garmisch-Partenkirchen nieder. Religiös sei er sein ganzes Leben hindurch geblieben, versichert von der Beek: „Ich bin Katholik mit allen Sinnen. Ich brauche Pathos.“ Er schätzt den Weihrauch und das gemeinsame Singen in katholischen Gottesdiensten, und wenn er es einmal wegen seines Dienstplans zwei Sonntage hintereinander nicht in die Messe schafft, fehlt ihm etwas.
Ähnlich erging es ihm, als er früher mit seiner Frau im wöchentlichen Wechsel evangelische Gottesdienste besuchte. Inzwischen ist seine Frau in die katholische Kirche übergetreten. „Aber ich habe damit nichts zu tun“, fügt von der Beek beinahe entschuldigend hinzu.
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Der Kinderarzt redet mit Patienten
über seinen Glauben
Was er jahrelang nicht wusste, war, dass auch verheiratete Männer in der katholischen Kirche als Diakone wirken können. Davon erfuhr er erst 2019 – während einer Pilgerfahrt ins Heilige Land, an der nur Männer teilnehmen durften. Als er die Wirkstätten Jesu „mit Haut und Haaren“ erlebte, hatte er den Eindruck: „Da ruft mich jemand. Ich kann mich dem jetzt nicht mehr entziehen.“ So beschreibt der Familienvater seine späte Berufung zum Diakon. Seit sechs Jahren bereitet er sich nun berufsbegleitend auf die Weihe vor, studiert an der Domschule Würzburg „Theologie im Fernkurs“ und absolviert ein Pastoralpraktikum in der Pfarrei St. Martin in Garmisch.
Das hat Auswirkungen auf den Beruf. Der Kinderarzt spricht heute mit seinen Patienten offen über seinen Glauben. „Glaubst du an Gott?“ oder „Spürst du Liebe in deinem Leben?“, fragt er zum Beispiel Heranwachsende, die an einer Magersucht leiden oder sich selbst verletzen. „Zu 90 Prozent wird das angenommen, sehr dankbar angenommen“, hat von der Beek festgestellt. „Dann sprenge ich auch manchmal den Zeitrahmen.“
Joachim von der Beek möchte Menschen nahekommen. Egal, ob als Arzt im Krankenhaus oder in Gottesdiensten auf dem Berg oder in der Kirche. Foto: © privat
Zuversicht und Lebensfreude vermitteln
Sein Angebot, für schwerkranke Patienten zu beten, sei ebenfalls noch nie abgelehnt worden, egal, wie diese selbst zum Glauben und zur Kirche stünden, berichtet der Mediziner: „Es hat noch nie einer gesagt: ,Nein, ich möchte nicht, dass du für mich betest.‘“ Im Gebet verarbeitet von der Beek zudem selbst all das Schwere, mit dem er als Arzt täglich konfrontiert wird: „Ich halte jeden Abend den ignatianischen Tagesrückblick. Dann kann ich den Tag wohlwollend mit Liebe abschließen.“ Was er nicht verstehe – Krankheit, Leid, Tod – übergebe er Gott. Aber er habe aufgehört zu fragen: Warum lässt er das zu? „Wenn mich ein Kind fragt: ,Warum habe ich diesen Herzfehler?‘, dann kann ich sagen: ,Das weiß ich nicht. Aber du bist geliebt, so wie du bist, und du bist gut, so wie du bist‘“, berichtet von der Beek.Am 26. September empfängt er von Kardinal Reinhard Marx im Münchner Liebfrauendom die Diakonenweihe. Danach möchte der Vater zweier erwachsener Kinder eine Gruppe für junge Erwachsene ins Leben rufen oder Wort-Gottes-Feiern speziell für diese Altersgruppe anbieten. Wie er im Pfarrbrief betont hat, ist es nämlich sein „Herzensanliegen, die kleinen und großen Kinder und jungen Erwachsenen ernst zu nehmen. Ihnen Zuversicht und Lebensfreude zu vermitteln, damit sie Wegmarken erhalten können, wie sie leben und glauben können“.
Das macht von der Beek schon jetzt in seiner Tätigkeit als Arzt. Und bald nun auch als Diakon. Denn beides, sagt er, seien Berufe, in denen man sehr nahe an Menschen herankomme.



