Glaubenswelten
19.09.2025


Die Heilige Thekla von Ikonium 

Die heilige Thekla: erste Märtyrerin des Christentums

In den ersten Jahrhunderten entwickelte sich ein regelrechter Kult um die Heilige. Heute kennt in Deutschland kaum jemand ihren Namen. Am 23. September feiern wir den Namenstag der heiligen Thekla von Ikonium.
    

Das Gemälde Das Gemälde "Die Heilige Thekla betet für die Pestheiligen" von Giovanni Battista Triepolo am Hochaltar der Kathedrale von Este in Italien Foto: © Flickr/dvdbramhall

Die heilige Thekla von Ikonium ist heute in Deutschland nahezu unbekannt. Dabei gehörte sie im frühen Christentum zu den beliebtesten Heiligen. Thekla lebte im 1. Jahrhundert nach Christus und gilt als die erste weibliche Märtyrerin des Christentums. Zugleich war sie eine Vordenkerin weiblicher Selbstbestimmung.

Die Akten von Paulus und Thekla

Die Legende der heiligen Thekla wird in den Akten von Paulus und Thekla erzählt. Diese Schrift gehört zu den Apokryphen – frühchristlichen Texten, die zwar auf die Bibel Bezug nehmen, aber nicht in den Kanon aufgenommen wurden. Sie entstand in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus und ist stark am Stil der Apostelbriefe orientiert.

Der Legende nach war Thekla etwa 16 Jahre alt, als Paulus in ihrer Heimatstadt Ikonium (heute Konya in der Türkei) predigte. So begeistert war sie von seiner Botschaft, dass sie tagelang am Fenster ihres Hauses verharrte, um ihm zuzuhören. Schließlich versprach sie, Jungfrau zu bleiben, ihren Körper Gott zu weihen und Paulus zu folgen. Ihr Verlobter und ihre Mutter lehnten dies entschieden ab und ließen Paulus verhaften. Thekla jedoch suchte ihn heimlich im Gefängnis auf. Als ihre Familie dies erfuhr, wurde sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt, Paulus hingegen aus der Stadt verbannt. Doch als die Flammen bereits ihre Beine erreichten, bekreuzigte sie sich. Plötzlich stürzte Regen vom Himmel und löschte das Feuer. Daraufhin wurde sie freigesprochen und machte sich auf die Suche nach Paulus. Als sie ihn wiederfand, bat sie ihn um die Taufe. Paulus jedoch verwehrte ihr diesen Wunsch mit der Begründung, sie sei noch nicht bereit.

Trotzdem blieb Thekla bei ihm und begleitete ihn nach Antiochia. Dort erregte ihre Schönheit die Aufmerksamkeit des Stadtoberhaupts Alexander. Er fragte Paulus, ob sie zu ihm gehöre und ob er sie zur Frau nehmen könne. Paulus verneinte, doch Alexander bedrängte Thekla. Diese wehrte sich, riss ihm den Kranz vom Kopf und beschämte ihn öffentlich. Daraufhin wurde sie erneut zum Tod verurteilt – diesmal sollte sie in der Arena wilden Tieren vorgeworfen werden. Bis zur Hinrichtung nahm sie die adlige Tryphäna bei sich auf, die sie vor weiteren Übergriffen schützte. In der Arena geschah Erstaunliches: Eine Löwin – eigentlich freigelassen, um Thekla zu töten – legte sich schützend zu ihren Füßen und verteidigte sie sogar gegen andere Bestien, wobei sie selbst starb. In größter Not sprang Thekla in ein Wasserbecken voller Robben und taufte sich mit den Worten: „Im Namen Jesu Christi taufe ich mich am letzten Tage“ selbst. In diesem Moment tötete ein heller Blitz die Bestien im Wasser. Die Zuschauerinnen erkannten die Unschuld des Mädchens. Sie warfen Blumen und Gewürze in die Arena, deren Duft die Tiere beruhigte. Tryphäna fiel aus Angst um Thekla in Ohnmacht. Da sie eine Verwandte des Kaisers war, wagten die Stadtobersten nicht, Thekla hinzurichten, und ließen sie frei.

Nach einiger Zeit im Hause Tryphänas machte sich Thekla erneut auf den Weg, um Paulus zu suchen. Wieder war er überrascht, sie lebend zu sehen. Er beauftragte sie, in ihre Heimatstadt zurückzukehren und dort das Wort Gottes zu verkünden. Nach vielen Jahren soll sie sich schließlich in eine Höhle bei Silifke zurückgezogen haben, wo sie starb. 

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Symbol weiblicher Selbstbestimmung

Theklas Geschichte zeigt sie als starke, selbstbestimmte Frau. Gegen den Willen ihrer Familie beschließt sie, über ihren Körper selbst zu bestimmen und ihre Verlobung zu lösen. Sie wehrt sich gegen Übergriffe und bewahrt ihre Keuschheit. Später finden sich in der christlichen Geschichte zahlreiche Märtyrerinnen, die wie sie ihren Körper Gott weihten, ihn Männern vorenthielten – und dafür ihr Leben gaben.

Das wichtigste Motiv der Legende ist Theklas Selbsttaufe. Nachdem Paulus ihr die Taufe verweigerte, vollzog sie sie selbst – ohne Zweifel an ihrem Glauben oder an ihrer Fähigkeit dazu. In der englischen Übersetzung heißt es, Paulus habe ihr schließlich aufgetragen, „to enlighten many with the word of God“ (zu Deutsch: „viele mit dem Wort Gottes zu erhellen“). Das zugrunde liegende griechische Verb φωτίζειν bedeutet nicht nur „erhellen“ oder „predigen“, sondern wurde auch als Synonym für „taufen“ verwendet. Es ist also denkbar, dass Paulus ihr indirekt auch die Vollmacht zum Taufen zusprach.

Ihre Rettungen verdeutlichen zudem die enorme Bedeutung von Solidarität unter Frauen: Tryphäna nahm sie in ihr Haus auf, die Löwin beschützte sie in der Arena, und die Zuschauerinnen retteten sie durch ihr gemeinsames Handeln. Dieses Motiv weiblichen Zusammenhalts hat bis heute nichts an Aktualität verloren.

Der frühchristliche Thekla-Kult

In den ersten Jahrhunderten nach Christus entstand in Kleinasien und im ägyptischen Alexandria ein regelrechter Kult um die heilige Thekla. Vom 4. bis zum 7. Jahrhundert war sie eine der meistverehrten Frauen des Christentums. Kirchenväter wie Methodius, Gregor von Nyssa oder Ambrosius von Mailand würdigten sie als erste Märtyrerin und Vorbild für Jungfrauen und asketisch lebende Frauen. Besonders in Ägypten galt sie als Leitfigur für klosterähnliche Gemeinschaften und wandernde Nonnen. Schon im 4. Jahrhundert entstanden in der Türkei, in Syrien und in Ägypten Pilgerstätten zu ihren Ehren.

Trotz ihrer früheren Beliebtheit ist Thekla in Deutschland mittlerweile weitgehend vergessen. Nur wenige Kirchen tragen ihren Namen. Eine davon steht im Gebiet der Erzdiözese München und Freising: die Theklakapelle in Landshut, die in der Barockzeit vom Landshuter Maler Christian Jorhan d. Ä. umgestaltet wurde.

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Pilgerorte: Ayatekla und das Kloster in Maalula

Einige Pilgerstätten ziehen bis heute Gläubige aus aller Welt an. Die wichtigste ist die Ayatekla in 
Silifke (Türkei). Dort, wo Thekla gestorben sein soll, befinden sich die Ruinen einer antiken Kirche sowie eine unterirdische Felsenkirche.

In der syrischen Stadt Maalula liegt ein großes orthodoxes Kloster, das bis heute ein bedeutender Wallfahrtsort für Christen wie auch Muslime ist. Einige muslimische Frauen berichten, nach Gebeten dort Kinder empfangen zu haben. Bereits im 4. Jahrhundert soll es an dieser Stelle einen Klosterbau gegeben haben; das heutige Kloster wurde 1938 errichtet. International bekannt wurde es 2013, als während des syrischen Bürgerkriegs die Oberin, zwölf Ordensschwestern und zwei Angestellte von Terroristen entführt wurden.

Schutzpatronin der Sterbenden

Weil sie sich mehrfach auf wundersame Weise vor dem Tod rettete, gilt Thekla heute als Schutzpatronin der Sterbenden. Besonders bei Gefahr durch Feuer wird sie angerufen. Im Barock war sie zudem eine der beliebtesten Pestheiligen. In der italienischen Stadt Este schrieb man ihren Fürbitten die Beendigung einer Pestwelle zu. In Erinnerung daran entstand 1759 das berühmte Hochaltarbild Die heilige Thekla betet für die Pestkranken von Giovanni Battista Tiepolo, das in der Kathedrale von Este zu sehen ist.

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Wird besorgt
Lilly Krka
Artikel von Lilly Krka
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