Carlo Acutis in Assisi: Der neue Heilige und sein Grab als Ziel für Pilger und Jugendliche
Am 07. September wird Carlo Acutis von Papst Leo XIV. heiliggesprochen. Sein Grab in Assisi ist ein Pilgerziel für Jugendliche aus aller Welt. Bruder Thomas Freidel ist dort Pilger-Seelsorger und berichtet von seinen Erfahrungen mit der Verehrung des jung gestorbenen Cyber-Apostels.
Eine junge Frau betrachtet den präparierten Leichnam von Carlo Acutis in Assisi. Foto: © IMAGO/news licensing
Bruder Thomas Freidel ist im Stress. Wenige Wochen vor der Heiligsprechung des seligen Carlo Acutis zieht es mehr Pilgerinnen und Pilger als sonst üblich an dessen Sarkophag in der Kirche Santa Maria Maggiore in Assisi. Der Franziskaner-Minorit ist für die deutschsprachige Pilger-Seelsorge in Assisi zuständig und hat jetzt vor dem Heiligsprechungs-Termin am 07. September deutlich mehr Führungen auf seiner To-Do-Liste stehen.
Carlo Acutis in Assisi: Wie ein Jugendlicher zum neuen Wallfahrtsziel wurde
Früher kamen die Gläubigen wegen des Heiligen Franziskus nach Assisi, seit einigen Jahren kommen sie aber auch wegen Carlo Acutis. Der sei ein Verehrer von Franziskus gewesen, erzählt Bruder Thomas. Schon zu Lebzeiten habe Carlo seine Eltern gebeten, ein Wochenend-Haus in Assisi zu kaufen, damit Carlo sich in der Nähe seines Lieblingsheiligen aufhalten kann. Auf dem Sterbebett schließlich habe er den Wunsch geäußert, dort auch begraben zu werden. Beide Wünsche haben die Eltern ihrem Sohn erfüllt. Als Grabstätte ließen sie eine Familiengruft anlegen. Als die Verehrung von Carlo begann und immer mehr Menschen an sein Grab kamen, um dort zu beten, sei diese aber zu klein geworden. Und als im Zuge der Seligsprechung entschieden wurde, dass Carlos exhumierter Leichnam in präparierter Form von den Gläubigen verehrt werden dürfte, sei klar gewesen, dass das nur in einer Kirche möglich ist. So kam es, dass der Glas-Sarkophag schließlich in der Kirche Santa Maria Maggiore seinen Platz fand.
Pilgerziel für Jugendliche: Warum so viele junge Gläubige das Grab von Carlo Acutis besuchen
Seit gut vier Jahren führt Bruder Thomas die Pilger bei seinen Führungen auch zu Carlo Acutis letzter Ruhestätte. Ob es vor allem junge Leute seien, die das Grab des bald Heiligen aufsuchen, möchte ich von dem Mönch wissen, der bereits seit 17 Jahren in Assisi lebt. Bruder Thomas bejaht die Frage. Allerdings gibt er zu bedenken, dass Assisi ein Wallfahrtsort sei, der traditionell ein Anziehungspunkt für Jugendgruppen ist. Viele dieser Gruppen „gehen nun ganz bewusst auch an das Grab von Carlo Acutis“. Bruder Thomas vergleicht es mit der Wallfahrt in Altötting: „Wer nach Altötting pilgert, der geht automatisch auch zum heiligen Bruder Konrad, das gehört dort dazu“.
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Aber natürlich kämen auch Jugendliche nur zu Carlo Acutis. So wie das Mädchen aus Deutschland, das im Religionsunterricht von dem jugendlichen „Cyber-Apostel“ gehört hat, der das Internet dazu genutzt habe, den katholischen Glauben zu verbreiten. Nur seinetwegen sei sie nach Assisi gekommen, berichtet der Franziskaner-Bruder. An Carlos Grab habe sie dann aber herausgefunden, dass es in Assisi auch den heiligen Franziskus gibt, den sie schließlich auch noch kennenlernen wollte. In diesem Sinne sieht Thomas Freidel die Verehrung von Carlo Acutis pragmatisch: „Wenn Carlo Acutis der Zugang für manche zum Glauben ist, dann ist es gut. Und wem es nicht weiterhilft, für den erledigt es sich ja von selbst“.
Pilger-Seelsorger Bruder Thomas Freidel führt junge Menschen an das Grab von Carlo Acutis. Foto: © privat
Und so hat Bruder Thomas auch nichts dagegen, dass die Kirche in dem bald Heiligen die Chance sieht, die christliche Verkündigung mit dem modernen Medium Internet zu verknüpfen. Für ihn selbst ist das aber nicht das Entscheidende. Viel wichtiger sei auf das zu schauen, was sich bei Carlos Requiem in Mailand abgespielt habe: Zahlreiche Arme und Obdachlose hätten ihm dort die letzte Ehre erwiesen. Niemand habe gewusst, dass er diese mit Geld- und Sachspenden unterstützt hat. Das ist für Bruder Thomas die wesentliche Botschaft, die von Carlo Acutis ausgeht und der die jungen Menschen nacheifern sollten. Ein moderner Franziskus sei Carlo dennoch nicht gewesen, „aber zumindest einer, der von Franziskus inspiriert nach dem Evangelium gelebt und bestimmte Akzente gesetzt hat“.
Egal ob Franziskus-Nachfolger oder Internet-Apostel: der Hype um Carlo Acutis werde auch nach seiner Heiligsprechung weitergehen, meint Bruder Thomas. Schon jetzt ist die Kirche Santa Maria Maggiore für den Besucherandrang aber zu klein. Ob Carlo Acutis ähnlich wie Pater Pio eine eigene neue Kirche bekommt, könne nur der Ortsbischof entscheiden, sagt Bruder Thomas und verabschiedet sich im gleichen Atemzug, weil schon wieder eine neue Pilgergruppe auf ihn wartet, die er ans Grab des bald Heiligen Carlo Acutis führen darf.
Eines der Wunder geriet in die Kritik, weil es eine mittelalterliche Legende über Hostienfrevel darstellen soll. Solche Legenden wurden historisch oft zur Verbreitung antisemitischer Stereotype genutzt. Der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein, kritisierte diesen Aspekt im Vorfeld des neu angesetzten Heiligsprechungstermins. Die Kirche habe die antijüdischen Aspekte bei ihrer Entscheidung nicht ausreichend bedacht, sagte er der Katholischen Nachrichtenagentur.
Mit 15 starb Carlo Acutis an Leukämie. 2020 wurde er seliggesprochen – als Vorbild für junge Christen im digitalen Zeitalter.



