Jubiläum
600 Jahre Gebet und Hilfe
1426 wurde in München die St. Isidor- und Notburga-Bruderschaft gegründet. Ihre Aufgaben haben sich über die Jahrhunderte kaum verändert: beten und Bedürftige unterstützen. Mitte Mai feiert sie ihr 600-jähriges Bestehen. Mit dabei: Gäste aus Spanien und Tirol.
Der Präses der St. Isidor- und Notburga-Bruderschaft, Pfarrer Daniel Lerch (links), übergibt eine alpenländische Holzfigur des heiligen Isidor an den Vorsitzenden der königlichen Bruderschaft des heiligen Isidor in Madrid, Luis Manuel Velasco Sáinz. Foto: © privat
Sie ist eine der ältesten Bruderschaften im deutschsprachigen Raum: die St. Isidor- und Notburga-Bruderschaft. Gegründet haben sie am 26. Mai 1426 – also vor 600 Jahren – der Münchner Kalkbrenner Andreas Hofer und seine Frau Katharina. „Von Anfang an konnten auch Frauen Mitglieder werden“, unterstreicht Präses Daniel Lerch. Gegenwärtig gehören ihr gleich viele Frauen wie Männer an. „Das Verhältnis ist mit 50 zu 50 ausgeglichen“, informiert Bruderschaftssekretär Edgar Horn.
Absicherung im Krankheitsfall
Auch die soziale Unterstützung, die bei der Gründung – neben dem Selbstverständnis als Gebetsgemeinschaft – im Vordergrund stand, praktiziert die Bruderschaft bis heute. „Die Bruderschaft wurde damals als Tagwerker-Bruderschaft gegründet. Das war eher die untere Schicht unserer Stadtgesellschaft. Sie haben sich gegenseitig abgesichert – wie eine Art Gewerkschaft heute“, erläutert Pfarrer Lerch. „Das war sehr wichtig, denn das waren keine Handwerker. Das heißt, sie gehörten keiner Zunft an und lebten von der Hand in den Mund“, ergänzt Horn. „Das Problem war, wenn einer krank wurde oder sich ein Unfall ereignete, dann gab es keine Einkünfte, und so haben sie sich gegenseitig unterstützt. Man wollte natürlich auch das kirchliche Begräbnis absichern, das ja auch mit Kosten verbunden war.“ Daran erinnert der ursprüngliche Name der Bruderschaft: „Zum Trost der armen Seelen“. Wer sich kein kirchliches Begräbnis leisten konnte, wurde im Mittelalter nämlich außerhalb der Stadtmauer begraben – neben Kriminellen und Hingerichteten.
Heute kümmern sich Bruderschaftsmitglieder zum Beispiel um bedürftige Familien oder Flüchtlinge, etwa aus dem Nahen Osten. Während der jüngsten Wirtschaftskrise in Spanien halfen sie jungen Spaniern zudem bei der Arbeitssuche in München.
Adlige Mitglieder
Im 16. und 17. Jahrhundert traten Wittelsbacher der Bruderschaft bei und unterstützten sie finanziell. „Der bedeutendste war der spätere Kurfürst Maximilian I., der 1596 in die Bruderschaft eintrat und jährlich vier Gulden in die Bruderschaftskasse anweisen ließ“, berichtet Horn. „Damit hat die Bruderschaft einen gesellschaftlichen Status erreicht und es sind auch Adlige beigetreten.“
1752 erwirkten die Kapuziner bei Papst Benedikt XIV. einen vollkommenen Ablass für die Mitglieder der Bruderschaft. Ein Jahr später erfolgte ihre kanonische Errichtung durch den Freisinger Fürstbischof Johann Theodor von Bayern. Im 18. Jahrhundert erhielt die Bruderschaft auch ihren heutigen Namen: „Als 1622 mit Isidor von Madrid zum ersten Mal ein Bauer heiliggesprochen und 1735 die Gebeine der Dienstmagd Notburga erhoben wurden, verbreitete sich ihre Verehrung im Stand der Arbeiter, Bauern und Dienstboten sehr schnell, so auch unter den Münchner Tagwerkern. Sie wählten deshalb diese beiden Heiligen zu den Patronen ihrer Bruderschaft“, weiß der Münchner Kirchenhistoriker Markus Schmitt. Die beiden Namensgeber der Bruderschaft zeigt auch die Silbermedaille, die eigens zum 600-Jahr-Jubiläum für Neumitglieder kreiert wurde. Geschaffen wurde sie von einem spanischen Bildhauer.
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Kontakte nach Spanien und Tirol
Die Verbindung zu Spanien entstand durch den heiligen Isidor, den Stadtpatron von Madrid. An den Feierlichkeiten anlässlich seiner Heiligsprechung vor 400 Jahren nahm 2022 eine Abordnung aus München teil. Bei den Prozessionen sorgte sie mit Schärpen, deren Farben Weiß, Rot und Gelb sich aus den Nationalfarben Tirols und Spaniens zusammensetzen, für Aufsehen – solche Schulterbänder sind in Spanien dem König vorbehalten. Der Madrider Weihbischof Juan Antonio Martínez Camino feiert heuer zum Bruderschafts-Jubiläum einen Gottesdienst in der Münchner Pfarrkirche St. Peter. Auch aus Eben in Tirol wird ein Gast erwartet. Und Münchner Bruderschaftsmitglieder wollen im September zum Notburgafest dorthin fahren.
Die St. Isidor- und Notburgabruderschaft überstand selbst die Säkularisation und die beiden Weltkriege. In den 1970er Jahren zählte sie an die tausend Mitglieder. Als die hauptsächlich vertretenen Berufsstände – Hausangestellte, Chauffeure, Köche und Portiers – zurückgingen, spiegelte sich diese Entwicklung in der Mitgliederzahl. Heute gehören der Bruderschaft 120 Frauen und Männer mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren an. Zum Jubiläum wird ein Dutzend Neumitglieder aufgenommen.
Für die kommende Generation bietet die Bruderschaft Kinder- und Jugendführungen in St. Peter und in der Asamkirche an. Denn, wie Sekretär Horn betont: „Wir wollen ja auch die nächsten 600 Jahre überleben.“
Wissenswert
Das Jubiläum wird mit einem Triduum gefeiert. Am Samstag, 16. Mai, hält Weihbischof Juan Antonio Martínez Camino SJ aus Madrid um 17 Uhr eine Andacht in der Allerheiligenkirche am Kreuz (Kreuzstraße 10). Anschließend werden Reliquien der Heiligen Isidor und Notburga sowie der Isidor-Notburga-Schrein nach St. Peter (Petersplatz 1) überführt. Dort schließt sich ein Pontifikalamt mit Einzelauflegung der Reliquien an. Am Sonntag, 17. Mai, feiert Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg um 10 Uhr ein Pontifikalamt mit Aufnahme neuer Mitglieder in St. Peter. Am Montag, 18. Mai, hält Präses Daniel Lerch um 18 Uhr in der Kreuzkirche ein Requiem für die verstorbenen Mitglieder.



