350 Jahre bayerisches Barock-Juwel
Jubiläum für die Münchner Theatinerkirche St. Kajetan: Im Jahr 1675 wurde der berühmte Barockbau geweiht. Das 350-jährige Jubiläum wird am 13. Juli gefeiert. Kirchenrektor Pater Johannes Zabel OP erklärt die Besonderheiten dieses Ortes.
Eines der Münchner Wahrzeichen: die Theatinerkirche. Foto: © IMAGO/Depositphotos
Pater Zabel, welche Bedeutung hat die Theatinerkirche für München?
Eine wirklich große Bedeutung. Aufgrund ihrer schönen Fassade ist sie seit 350 Jahren ein beliebtes Gemälde- und heute natürlich Foto-Motiv. München-Touristen besuchen unsere Kirche sehr oft. Das liegt aber sicherlich auch an der günstigen Lage direkt am Odeonsplatz mit der U-Bahn-Haltestelle vor der Haustür, wo sich vier Linien treffen.
Welche Stellung nehmen Kirche und Konvent innerhalb der Dominikanerprovinz des heiligen Albert in Deutschland und Österreich ein?
München ist ein guter, aber auch ein spezieller Standort unserer Provinz, vor allem wegen der Räumlichkeiten unseres Klosters. Diese liegen innerhalb des uns um-gebenden Kultusministeriums, des ehemaligen Theatinerklosters. Von diesem haben wir Dominikaner sie lediglich angemietet. Daher sind wir, was das Raumangebot angeht, hier leider schon stark begrenzt und Gemeinderäume haben wir auch nicht. Andererseits sind wir sehr erfreut über den guten Kirchenbesuch. Wir bieten werktäglich drei Gottesdienste an, das ist Spitze in unserer Provinz.
Wer kommt denn alles zum Gottesdienst?
Eine gute Frage, die ich mir bislang selbst noch nicht so recht beantworten kann. Ich vermute, unsere Gottesdienstbesucher kommen vor allem von weiter her, weil im näheren Umkreis gar nicht so viele Menschen wohnen, um diese Kirche zu füllen. Das liegt sicherlich, wie schon erwähnt, auch an der guten Verkehrsanbindung. Wir nehmen zudem wahr, dass es auch viele junge Menschen sind, die zu unseren Messen kommen, sogar werktags. Ob sie vor allem wegen des Kirchenbaus, der Lage oder unserer Liturgie kommen, weiß ich nicht.
Wie viele Leute haben hier überhaupt Platz?
Von der Anzahl der Sitzgelegenheiten sind es 400, mit Stehplätzen wohl um die 600. Ich lasse das aber mal lieber offen, weil es zum Beispiel Christmetten gibt, die schon sehr voll sind.
Wissenswert
Die Theatinerkirche, offiziell St. Kajetan und Adelheid, ist wohl eines der bekanntesten Münchner Gotteshäuser. Außenbau, Kuppel, Giebelfassade und die flankierenden Türme vereinigen sich, besonders in der Schrägansicht, zu einem prachtvollen Ensemble. Sie ist der erste im Stil des italienischen Hochbarocks erbaute Sakralbau in Altbayern.
Die Gründungsgeschichte erzählt, dass Kurfürst Ferdinand Maria und seine Gemahlin Henriette Adelheid von Savoyen, als ihnen nach langjähriger Ehe immer noch kein Kind geboren war, zwei Gelübde abgelegt haben sollen, im Fall einer glücklichen Geburt eine Votivkirche zu Ehren des heiligen Kajetan errichten zu lassen.
Nach der Geburt der ersten Tochter im Jahr 1660 wurde am 11. Juli 1662 tatsächlich der ersehnte Kurprinz und spätere Kurfürst Max II. Emanuel geboren. Den Auftrag für den Bau der Kirche und des Klosters erhielt der Architekt Agostino Barelli aus Bologna. 1663 erfolgte die Grundsteinlegung. Als Vorbild diente die Mutterkirche des Theatinerordens Sant’Andrea della Valle in Rom. Der Bauplatz der repräsentativen Hofkirche und Stiftskirche am nördlichen Ende der damaligen Stadt lag genau gegenüber der Residenz. Kirche und Konvent des aus Italien stammenden Ordens der Theatiner können quasi als Erweiterung der Residenz gedacht werden. Auch die Wittelsbacher-Gruft (nach der Frauenkirche und St. Michael die dritte in München) belegt die enge Bindung an das Herrscherhaus.
Nach Vollendung des Rohbaus wurde Barelli 1674 vom Hofbaumeister Enrico Zuccalli abgelöst. Am 11. Juli 1675 wurde die weitgehend fertige Kirche geweiht und bis 1692 mit den Türmen, jedoch ohne die Fassade vollendet. Erst 100 Jahre später ergänzten die Baumeister François de Cuvilliés der Ältere und sein Sohn diese im Stil des Frühklassizismus. Nach Auflösung des Klosters 1801 wurde die Theatinerkirche 1839 durch König Ludwig I. von Bayern zum Königlichen Hof- und Kollegiatstift erhoben, das bis 1918 bestand. Seit 1954 wird die Kirche durch Mitglieder des Dominikanerordens betreut.
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Was sind Ihre wichtigsten pastoralen Angebote?
Wir haben, wie schon gesagt, werktags drei Messen, um 7, 8 und 17.30 Uhr. Am Wochenende sind es fünf Messen: Samstagabend um 17.30 Uhr und dann sonntags um 8.15, 10.30, 12 und 18.30 Uhr. Dazu kommt an allen Werktagen die Beichtgelegenheit, montags bis samstags von 15 bis 17.20 Uhr.
Was ist ein Spezifikum dieses Ortes?
Wir sind eine Kirche, bei der es keine weiteren Räume gibt – keinen Pfarr- oder Gemeindesaal, kaum einen Raum für Besprechungen, nichts. Die Menschen gehen bei uns zur Messe und das ist es. Wir haben und bieten nichts, was man, wie in einer Pfarrei, als Programm über den reinen Messbesuch und die Beichtgelegenheit hinaus bezeichnen kann. Wir versuchen jetzt aber, sonntags einmal im Monat einen Frühschoppen anzubieten – unter freiem Himmel. Bei Regen wird abgesagt. Und etwas Neues haben wir jetzt auch gewagt: eine Lesung mit Tobias Haberl, einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung.
Die Musik besitzt hier jedoch einen besonderen Stellenwert ...
Ja, wir sind hier in St. Kajetan für unsere Musik bekannt. Eine Besonderheit ist, dass wir nur Samstag- und Sonntagabend eine Orgelbegleitung haben. Die 10.30-Uhr-Messe am Sonntag wird immer als lateinisches Hochamt mit Schola und Choral oder mit Orchester gefeiert, ergänzt auch durch die Orgel. Die Messen um 8.15 und um 12 Uhr dagegen sind ohne jede Orgelbegleitung. Es gibt also zwischen den einzelnen Messen erheblich mehr Differenzen als in anderen Kirchen.
Unsere bestbesuchte Sonntagsmesse ist übrigens die um 12 Uhr, in der überhaupt nicht gesungen wird, das überrascht schon. Ob es an dem späten Zeitpunkt liegt oder ob es so viele Besucher gibt, die nur die „reine Liturgie“ ohne Gesang möchten? Ich weiß es nicht. Jede Messe hat ihr eigenes Publikum. Das erkenne ich auch daran, dass der Anteil derer mit Mundkommunion in der einen Messe deutlich höher ist als in der anderen.
Was schätzen Sie persönlich an diesem Gotteshaus?
Ihre lichte Weite, vor allem der freie Platz unter der Kuppel, auf den der Mittelgang nach vorne zuläuft, besitzt eine ganz eigene Atmosphäre. Und dass mit der Gruft unter dem Altarraum sich eine Grablege der Wittelsbacher hier bei uns befindet. Ich schätze auch die zentrale Lage. Der größte Schatz für mich jedoch sind die Menschen, die uns besuchen – in den Messen, aber auch als Touristen.
Am Sonntag, 13. Juli, feiert Kardinal Reinhard Marx um 10.30 Uhr den Gottesdienst zum 350. Weihejubiläum. Die Vokalkapelle und Neue Vokalkapelle der Theatinerkirche sowie ein Chor aus Rom führen gemeinsam unter der Leitung von Pater Robert Mehlhart OP, Chordirektor und Kirchenmusiker von St. Kajetan sowie Rektor des päpstlichen Instituts für Kirchenmusik (Pontificio Istituto di Musica Sacra) in Rom, die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart auf.



