Zukunft
16.02.2026


Kommunalwahlen 2026 in Bayern

Vom Seelsorger zum Bürgermeister 

Franz Heilmeier kommt aus der katholischen Jugendverbandsarbeit, hat Theologie studiert, wirkte als Seelsorger und zwölf Jahre als Bürgermeister in Neufahrn bei Freising. Kirchliche Verbände und Gremien bereiten bestens auf politisches Engagement vor, meint der 62-Jährige. 

Nach zwölf Jahren im Amt tritt Franz Heilmeier nicht mehr als Bürgermeister von Neufahrn an. Nach zwölf Jahren im Amt tritt Franz Heilmeier nicht mehr als Bürgermeister von Neufahrn an. Foto: © SMB/Bierl

Ein Vergnügungspark hat Franz Heilmeier zum Bürgermeister gemacht. Genauer gesagt, ein geplanter und dann nicht verwirklichter Vergnügungspark. „Viele Neufahrner und ich waren der Meinung, dass ein solches vor 16 Jahren geplantes Großbauprojekt für 300 Millionen Euro wirtschaftlich unseriös war und der Gemeinde keine Gewerbesteuern, sondern nur eine enorme Verkehrsbelastung und Kosten für die Infrastruktur gebracht hätte.“ Franz Heilmeier war ganz vorne dabei beim Bürgerprotest. 2014 trat er für Bündnis 90/Die Grünen bei den Kommunalwahlen an und die Neufahrner wählten ihn prompt zu ihrem Bürgermeister.  

Bekannt war er dort schon länger, denn Heilmeier war in der Pfarrei mehrere Jahre Pastoralreferent. Mit ausdrücklicher Erlaubnis des Pfarrers taufte er dort zahlreiche Kinder. „Verboten, aber gültig, wie es im Kirchenrecht heißt“, erzählt Heilmeier mit einem Schmunzeln. Denn das sieht Taufen durch Nicht-Kleriker eigentlich nur in Notfällen vor. In der Taufvorbereitung lernte er viele Familien kennen, die Ministranten und ihre Eltern kannten ihn sowieso und dann spielte er auch noch im örtlichen Fußballverein. Gute Voraussetzungen für eine kommunalpolitische Karriere, die er so nie geplant hatte. „Aber ich war immer politisch interessiert und das war auch überhaupt kein Widerspruch zu meinem kirchlichen Engagement.“  

Keine voneinander abgeschotteten Sphären 

Der 62-Jährige kommt aus der katholischen Jugendverbandsarbeit, geprägt von der Landjugend, die Glaube und Gesellschaft verbinden will. Das habe ihn nach der Bundeswehrzeit auch dazu geführt, Theologie zu studieren. Bis heute versteht es sich für ihn von selbst, dass Kirche und Welt keine voneinander abgeschotteten Sphären bilden: „Unser Evangelium ruft uns in die Welt und nicht nur in die Kirche.“ Christsein als „Betreuung eines religiösen Clubs“ sieht Heilmeier als „Engführung“. Sich für Menschen praktisch einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen, zählt für ihn zum Wesenskern des Glaubens.  

Da ist der Schritt nicht mehr weit zum politischen Engagement, insbesondere im nächsten Lebensumfeld. Kirchliche Verbände und Gremien bereiten darauf bestens vor, ist der Vater von drei erwachsenen Kindern überzeugt: „Da lernt man Spielregeln des demokratischen Diskurses lernen und verinnerlichen.“ Und daraus entsteht Streitkultur: „Dass eine Auseinandersetzung in der Sache nicht die Herabwürdigung des Andersdenkenden bedeutet, sondern eine begründete Meinung respektiert wird.“ In den Pfarrgemeinderäten und kirchlichen Verbänden, in denen sich Heilmeier seit fast einem halben Jahrhundert bewegt und engagiert, hat er das auch meistens so erlebt. Sie waren eine gute Schule für das Bürgermeisteramt, für das er nach zwölf Jahren nun nicht mehr kandidiert. 
     

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Hoffnung auf politischen Nachwuchs 

In dieser Zeit ist in einem Ortsteil ein neues Gemeinschaftshaus entstanden: „Der hatte als Einziger kein Wirtshaus und keine Versammlungsmöglichkeit mehr.“ Auf diesen mit Mitteln aus der Dorfentwicklung und EU-Fördermitteln errichteten Bau ist Heilmeier ein wenig stolz, „weil er blendend angenommen wird und das Leben im Ort stärkt“. Gleichzeitig betont er, dass „so etwas ja nie die Einzelleistung eines Bürgermeisters oder des Gemeinderats ist, sondern von vielen Menschen, die sich in Vereinen und Instruktionen ehrenamtlich einbringen“. Wie zum Beispiel in der Pfarrei. Heilmeier ist zuversichtlich, dass von dort auch in Zukunft kommunalpolitischer Nachwuchs kommt. Wenigstens in Neufahrn ist das so. „Drei aktuelle Gemeinderatsmitglieder waren einmal ,meine‘ Oberministranten, ein anderer ist bei der Bürgermeisterwahl sogar einmal gegen mich angetreten.“  

Da hat Heilmeier sein Verständnis von Kirche und Welt erfolgreich vermittelt. Mitzuhelfen, dass eine Gemeinde „sich gut entwickelt, zusammenhält und lebenswert bleibt, ist eine erfüllende Aufgabe“, betont er. Gerade kirchlich engagierte Frauen und Männern hätten dafür ein Gespür und würden sich dafür einsetzen. Auch wenn der Bürgermeister feststellt, „dass eine allgemeine Verrohung in der Politik auch in die Kommunen einsickert und ein teilweise aggressives Anspruchsdenken bei etlichen Bürgern zugenommen hat, die aber selbstkeinen Finger rühren wollen“. 

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Resilienz und Frustrationstoleranz 

Hinzu kommen die finanziellen Sorgen der Gemeinden, „die 25 Prozent der Pflichtaufgaben tragen, aber dafür zu wenig Geld vom Staat bekommen“. Eine „gewisse Resilienz und Frustrationstoleranz“ müssten da insbesondere neue Gemeinderäte mitbringen. Auch die Bereitschaft, sich ein bis eineinhalb Jahre erst einmal einzuarbeiten, wie Heilmeier aus eigener Erfahrung weiß. „Und ganz wichtig ist der Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen, auch aus den anderen Parteien.“ Denn jeder Gemeinderat bringe viel Zeit für sein Ehrenamt auf und setze sich für seine Heimat ein.  

Heilmeier hat das in den vergangenen zwölf Jahren als Bürgermeister getan. Jetzt will er den Platz für Jüngere räumen. Außerdem hält er eine zu lange Amtszeit „nicht für gut, weil sie doch zu Verkrustungen führt, die Entwicklungen blockieren“. Sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen wird er aber nicht: als Wortgottesdienstleiter bleibt er den Neufahrnern erhalten. Und etwas Kirchenpolitik will er auch machen – im Diözesanrat. Wenn er wieder dorthin berufen wird, möchte er sich für den Reformkurs des Erzbistums einsetzen: Unter anderem wünscht er sich eine offizielle Taufbefugnis für Laien. Damit sie nicht, wie einst der Pastoralreferent Heilmeier, „verboten, aber gültig“ taufen.  

Dass es für Veränderungen einen langen Atem braucht, weißer aus kirchlichen Gremien genauso wie aus seiner Zeit als Bürgermeister. Damit ihm der nicht ausgeht, nimmt Heilmeier im Sommer zuerst einmal eine sportliche Auszeit. Mit einem Bürgermeisterkollegen, der ebenfalls nicht mehr zur Wahl antritt, hat er schon eine Fahrradtour vom Chiemsee bis zur Adria vereinbart.

Alois Bierl
Artikel von Alois Bierl
Chefreporter und Kolumnenautor
Beschäftigt sich mit wichtigen Trendthemen wie Spiritualität.